Otto Pensl

(1895 – 1945)

Opfer des NS-Widerstands. Staatsmeister und Marathonsieger 1925

Otto-Pensl-Straße: Otto Pensl, geboren 1895, schloss sich 1934 der KPÖ an, Widerstand gegen den NS-Fachismus, zweimal verhaftet, 1945 vier Tage vor Kriegsende hingerichtet

Otto Pensl aus Steyr, österreichischer Marathonmeister 1925

  • Quelle:  Otto Treml, Manuskript.

Otto Pensl, geb. 28.11.1895, war der erste österreichische Läufer, der die Marathonstrecke unter drei Stunden bewältigte (2:59,21) und er war auch der erste Oberösterreicher, der einen Staatsmeistertitel in der Leichtathletik erkämpfte.

Als begeisterter Allroundsportler trat er dem Arbeiterturnverein „Vorwärts“ Steyr bei und stellte im Sommer und Winter bei den verschiedensten Wettkämpfen seinen Mann. Er war ein ebenso ausgezeichneter Schispringer wie Turner und manche seiner Leistungen leben in der mündlichen Überlieferung noch heute in den Kreisen der Steyrer Sportler fort.

Seine besondere Liebe aber galt dem Langstreckenlauf und hier im Besonderen der Marathonstrecke. Oft lief er die Strecke Steyr-Linz, welche ungefähr dieser Distanz entspricht, zum Training. Sein Meisterstück aber lieferte er im Jahre 1925 bei den Marathonmeisterschaften in Wien. Mit dem Fahrrad fuhr er von Steyr zum Wettkampf, beendete das Rennen als Sieger, setzte sich wieder auf das Rad und fuhr heim nach Steyr.

Ausgeprägt waren auch sein Sinn und seine Liebe zu den Bergen, den Naturschönheiten seiner Heimat. Wenn an ihn der Ruf erging, dass jemand in Bergnot war, dann machte er sich auf den Weg, um die Verirrten zu retten.

Sein politisches Engagement ließ ihn zum aktiven Kämpfer für Demokratie und Recht werden. Im Februar 1934 kämpfte er auf Seite des „Republikanischen Schutzbundes“ in dem vergeblichen Kampf für die Wiederherstellung der 1. Republik. Nach der Niederschlagung der Erhebung trat er der illegalen Kommunistischen Partei bei. In der Zeit der schwersten Unterdrückung durch den deutschen Faschismus kämpfte Otto Pensl als Funktionär der Kommunistischen Partei und war unermüdlich aktiv für die Befreiung Österreichs. Zweimal wurde er von der Gestapo verhaftet und eingekerkert. Trotz der Misshandlungen durch die SS-Schläger ist Otto Pensl nicht bereit, auch nur einen Namen seiner Kampfgefährten preiszugeben.

Am 3. Mai 1945, wenige Tage vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und angesichts der nahen Befreiung, ließ Otto Pensl über ausdrücklichen Befehl des damaligen Gauleiters August Eigruber aus Steyr, in den Gaskammern des Konzentrationslagers Mauthausen sein Leben.

Die Stadt Steyr ehrte sein Andenken durch die Benennung einer Straße im Stadtteil Münichholz als „Otto Pensel Straße“

Otto Pensl:

 Die Geschichte des Marathons ist voller origineller Geschichten. Eine besonders bemerkenswerte verdanken wir dem Steyrer Otto Pensl. Bei seinem Rekordsieg anno 1925 war es nämlich mit einem Marathon bei Weitem nicht getan.

Der damals 30-jährige Sportler wurde am 27. September 1925 in Wien der erste oberösterreichische Staatsmeister. Und sozusagen als Draufgabe durchbrach er nach 42,195 Kilometern mit dem österreichischem Rekord von 2:59:21 als Erster die Drei-Stunden-Grenze. Die ebenfalls in Wien markierte alte nationale Bestmarke von Josef Franz (1924) verbesserte er gleich um rund 22 Minuten.

Streckenlänge und Zeit sind die Eckdaten dieses bemerkenswerten Ereignisses, die Begleitumstände machen es aber erst zu einer fast unglaublich klingenden Geschichte:

Pensl erbrachte nämlich für diesen Sieg gleich drei Marathonleistungen. Er schwang sich nämlich in Steyr aufs Fahrrad, fuhr rund 200 Kilometer nach Wien, spulte dort weitere 42 km per pedes ab und radelte anschließend wieder die 200 Kilometer nach Hause. Womit er eine Gesamtdistanz von fast 450 Kilometern bewältigte, die man heutzutage aus dem „Ironman“-Bereich der durchtrainierten Triathleten kennt.

Nicht genug damit, hatte er die Stahleinlagen für seine Laufschuhe vergessen. Er behalf sich, indem er die Sohlen mit Eisen beschlug. Auf der Strecke bohrten sich die etwas zu langen Nägel aber ins Fleisch. Pensl war halt Mechaniker – und kein Schuster. Die Bilder links zeigen Pensl bei der Wende des Laufes und bei der Siegerehrung.

Ein Jahr zuvor (1924) hatte der schnelle Otto seine erste Anekdote zum Schmunzeln geliefert. Damals bestritt er den ersten Marathonlauf. Unroutiniert, wie er nun einmal war, übernahm er sofort die Führung, musste aber seinem zu hohen Anfangstempo Tribut zollen. Knapp nach der Rennhälfte legte er sich erschöpft in eine Wiese und schlief ein. Einige Konkurrenten überholten den „Penner“, der nach fast 20 Minuten aufwachte, weiterlief und nach 3:46:23 Stunden noch auf Rang 4 die Ziellinie überquerte. Zur Zeit ist anzumerken, dass die Strecke, wie sich später herausstellen sollte, um vier Kilometer zu lang war …

Wer aus eigener Erfahrung weiß, wie sehr man gerade beim ersten Marathon an seine Grenzen gehen muss, um ihn zu schaffen, ist für solche „Einlagen“ natürlich dankbar, denn der Sport soll gerade für die Volksläufer(innen), die sich übermorgen wieder beim OMV Linz-Marathon beweisen wollen, auch Spaß machen.

So unterhaltsam die Anekdoten aus Otto Pensls Sportlerlaufbahn auch sind – das wahre Leben des Mannes verlief als eine Tragödie. Der Spitzensportler und Marathonmeister, dem schon während des Ersten Weltkrieges die Rechte der Arbeiter oberstes Anliegen waren, trat der KPÖ bei und wurde 1934 in die Februarkämpfe in Steyr verwickelt. In der Zeit des Dollfuß-Regimes leistete er illegale Arbeit für seine Ziele.

Unter den Austro-Faschisten schon ausgegrenzt, geriet Pensl auch ins Visier der Nationalsozialisten, die 1938 in Österreich an die Macht gekommen waren. Er wurde zweimal von der Gestapo verhaftet, weigerte sich aber beharrlich, seine Mitkämpfer im Untergrund preiszugeben. Sein oberstes Ziel als Widerstandskämpfer blieb die Befreiung Österreichs von der NS-Diktatur.

Doch er durfte die Verwirklichung seines Traumes nicht mehr erleben. Am 3. Mai 1945, nur wenige Tage vor dem Zusammenbruch der Nazi-Herrschaft in Deutschland und der „Ostmark“, wurde er mit weiteren Mitstreitern auf besonderen Befehl des Gauleiters von „Oberdonau“, August Eigruber, im Konzentrationslager Mauthausen hingerichtet.

Otto Pensl (1895–1945)
Der begeisterte, in Linz geborene Allroundsportler war Mitglied des Arbeiterturnvereines „Vorwärts“ Steyr. Nach ihm ist eine Straße in Steyr-Münichholz benannt.

  • Textquelle und Fotos: Kurt Brunbauer/Helmut Ploberger: „ Leichtathletik. Bilderbogen“. Eigenverlag

 

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Willi Gruber

(1920 – 1944)

 Opfer des Nationalsozialismus. Widerstandskämpfer

Geboren am 4. Jänner 1920

hingerichtet am 19. September 1944

Quellen:

  • Aufzeichnungen von Otto Treml
  • Dokumentation über den antifaschistischen Widerstand der KPÖ im Bezirk Steyr 1938-1945. 16 Seiten. März 2008 („Straßennamen erinnern an den Steyrer Widerstand“)

Willi Gruber wurde am 4. Jänner 1920 in Bad Hall geboren und war von Beruf kaufmännischer Angestellter in den Steyr-Werken. Er war als Gegner der Faschisten bekannt.

Während des Dritten Reiches hörte er Radiosender aus dem Ausland – die Stimme der Freiheit – und erregte durch seine freiheitliche Auffassung den Verdacht der Gestapo. Er war damals 22 Jahre alt und wurde denunziert und von der Gestapo verhaftet. Sein Widerstand wurde von der faschistischen „Volks-Justiz“ mit dem Tode bestraft. Willi Gruber wurde nach monatelanger Haft zum Tode verurteilt und am 19. September 1944 im Landesgericht Wien enthauptet.

Sein Scharfrichter, der „Henker von Wien“ war Johann Reichard, der aus Deisenhofen, nahe München stammte. Er bekannte später, dass er 1184 Menschen in Wien „die Rübe abgehauen“ habe. Er war für die damalige Ostmark zuständig und hat insgesamt über 3500 Menschen hingerichtet.

Willy Gruber wurde mit zwei Leidensgenossen in einem Grab im Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Die Stadt Steyr ehrte sein Andenken durch Benennung einer Straße im Stadtteil Münichholz als „Willi Gruber Straße“.

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Alfred Kaulich

(1912 – 2000)

Maler, Autodidakt und Obmann der “Kunstgruppe Steyr”

  • Geboren am 15.12.1912
  • gestorben am 13.8.2000 in Steyr  

Diashow der Bilder:  

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  • Quelle: Textarchiv Ernst Schimanko, Steyr

Geboren am 15. Dezember 1912 als Sohn des Buchdruckers und Grafikers Karl und Anna Kaulich. Nach dem Besuch der Pflichtschule erlernte er den Werkzeug- und Maschinenbauberuf. Bis 1931 arbeitete er in diesem Beruf. In Zuge der schweren Wirtschaftskrise und der damit einhergehenden Arbeitslosigkeit lernte er bei seinem Vater das Malen, besonders auch Kalligraphie. Er lernte verschiedene Schriften und das Anfertigen von Urkunden. Nach einem Fernstudium für „Betriebsfachschule“ legte er 1939 die pädagogische Prüfung für Berufsschullehrer und die Facharbeiterprüfung „mit Auszeichnung“ ab.

Schon seit der frühesten Jugend war Kaulich für Musik, Zeichnen und Malen sehr aufgeschlossen. Zuerst wirkte er in Steyr beim Streichorchester und war 40 Jahre bei der Stadtkapelle aktiv. 20 Jahre war er Stabführer der Musikkapelle. In dieser Zeit entstanden bereits einige Bilder wie „Hessenmarsch“, „Sinfonie mit dem Paukenschlag“ , „Wassermusik“, „Drei Schlagzeuger mit Selbstporträt“ u.a.

Bevorzugte Techniken: Schriftgrafik, Aquarelle, Zeichnungen.

Seit 1964 war er Mitbegründer der „Kunstgruppe Steyr“ und über 20 Jahre deren Obmann.

Er veranstaltete 10 Einzelausstellungen und 34 Ausstellungen mit der Kunstgruppe.

Als Lieblingsarbeiten bezeichnet Kaulich das Porträt, die Anfertigung von Urkunden und die Landschaftsmalerei. Besonders gern malte er auch Städte, wie die Eisenstadt Steyr und Graz, seine zweite Heimat.

Seit der Antike steht das Porträt im Vordergrund, es ist eine der Gestaltungsaufgaben der Kunst, die ihn besonders erfasste.

„Ich porträtierte Freunde, Musiker, befreundete Künstler sowie berühmte Persönlichkeiten. Im Porträt will ich meine eigene Auffassung, meine Liebe und die Seele des Modells darstellen. Ich male naturgetreu, so, wie ich den Charakter des Menschen sehe. Durch Selbstbildung, Selbstkritik und durch besonderen Fleiß und durch harte Arbeit kann man sich sehr viel erarbeiten und schaffen.“ (Alfred Kaulich)

 

  • Wilhelm Schaumberger schrieb zum Geburtstag von Alfred Kaulich ein Gedicht:

„Herrn Kaulich zum Geburtstag:

A Zeichnung is hald doch was wert,

wann mas genau betracht,

wEil ma erfahart, was ma net hört

was an viel Freud oft macht.

Dass er so alng in Stab hat gführt

Bei unserer Stadtkapelln.

Des wird durch d´Zeichnung auf hiatzt grührt.

Doch dass er selber Musi treibt

Und  Kunst malt noh dazua,

dass d´Zeitung über des nix schreibt

hams übersehn gwiss nur.

Nau und des Zeigs, des was ma braucht,

heut zan an Kraftwerksbau,

des liegt im Magazin – zsammgstaucht,

des führt er ah genau.-

Hiatzt is er sechzgi – der guat Mann

Des is heut nimma viel,

Drum  wünsch i eahm viel Glück nuh dran,

vorläufig – siebzig – als Ziel.“

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Anton Forcher

(1894 – 1950)

Arbeiterdichter und Weltenfahrer

  • Quelle: Carl Hans Watzinger: Der Steyrer Arbeiterdichter Anton Forcher. In: Kulturzeitschreift Oberösterreich Heft 1/1987

“Er müsste schon etliche Zeit eine breite Gönnerschaft in der Literatur, bei den maßgeblichen Gelehrten und auch in literarischen Laienkreisen errungen haben, aber es dauert eben lang, bis ein origineller Dichter soweit auch in der Öffentlichkeit bekannt wird.

Zum erstenmal nach seinem Tod ist er in dem zum tausendjährigen Bestand der Eisenstadt Steyr erschienen Buch “Ihre Heimat ist Steyr” (Watzinger, Verlag Ennsthaler 1980) unter 31 Biographien von Dichtern, Künstlern etc. zu finden.

Zweifellos zählt Forcher, wie seine einzige Buchveröffentlichung, der Lyrikband “Brot aus den Händen der Mutter” bestätigt, zu den Autodidakten, denen die  – leider – zumeist oberflächlich zugesprochene Ernennung zum Dichter nach kritischen Maßstäben zurecht gebührt. 1937 ist dieser Gedichtband in Wien erschienen.”

Professor Adalbert Schmidt (Uni Freiburg, Ordinarius für Germanistik) würdigte Forcher im 1. Band seiner Literaturgeschichte “Österreich im 19. und 20. Jahrhundert” ausführlich.

“Mit starker Bildkraft versetzen seine Verse ins ruhige und russige Eisenwerk, auf die pflastergraue Straße … Immer wieder aber heben sich die arbeitsgebeugten Häupter zur freien Schau ins gebeugte Land.”

Gedicht: Dann ging ich in den Krieg…

“Noch saß die Nacht auf Berg und Schorn.

Die Uhr schlug morgens drei.

Da trommte hart am Waldsteg vorn

der Bach im Takt vorbei:

Es haben schon so viele Mann

die Hände am Gewehr;

nun komm ich aus dem Schlaf heran

und rufe dich zum Heer.”

Zu seinem Leben:

Geburt in Steyr als Arbeiterkind, “das nicht immer auf Rosen gebettet war”.  Er war wie sein Vater Arbeiter in den Fabriken. Seinem Gedicht “Zur Wanderung hatte ich einen Knotenstrick” hat er einige Erinnerungen vorangesetzt.

“Der Büchsenmachergeselle, verarmter Spross eines altösterreichischen Bürgergeschlechts, heiratete eine Dienstmagd. Die Ehe wurde in Steyr geschlossen. Im zweiten Jahr ihres Zusammenseins schenkte die Vorsehung diesem Ehepaar einen Sohn. Das war im Oktober 1894. Wenige Monate, bevor der Bub zur Welt kam, gab der Vater die Arbeit im Waffenwerk Steyr auf. Er war ein Brausekopf … So kam es, dass die Mutter  in ihrer Wehstunde allein war. Die liebe Not stand am Kindbett, nahm den neuen Weltbürger in ihre Arme und blieb ihr für immer treu. Getauft wurde der Ankömmling auf den Namen Anton.

Der Vater kam nach wenigen Wochen wieder heim und war über den Stammhalter außer sich vor Freude. Er arbeitete wieder in Fabriken und nahm die Familie mit. Monteursleben ist ein Wanderleben. Es war eine Wanderung von Fabrik zu Fabrik von Westfalen angefangen. In Altötting in Bayern lernte der Junge zum erstenmal, wie es sich in der Schulbank sitzt. In Landshut an der Isar gab es eine Schule, in der ihm der Wahlspruch seines Lebens beigebracht wurde: “Frische Welt ist gesund”

Später übersiedelte er wieder nach Österreich; In Traisen, Niederösterreich, war er dann die Freude seiner Lehrer, die ihm prophezeiten, dass er gewiss einmal in einer Galgenschlinge schaukeln werde.  Es ging nach Kärnten, Ferlach, dem Heimatort des Vaters. In Klagenfurt ging er in die Bürgerschule und kaufte sich bei einem Antiquariat die dramatischen Werke von Kotzebue. Er begann dann selbst Dramen zu schreiben, die im Abfallkorb landeten. Nach der Schule (14 Jahre) ging er in die Fabrik, um Geld zu verdienen. Mit 17 ging der ungelernte Arbeiter auf die Walz. Nach 2 Jahren kam er wieder heim und ging in die Eisenbude Kienberg-Gaming, NÖ. Später schrieb er dazu ein Gedicht:

“Der Klopfer haut fest an die eichene Tür.

Geh Haudirn, geh, bring was heraus!

Wir tragen die Binkel in Wichs und in Schnür.

Und gibst uns was z´essen, wir danken dafür.”

Während des 1. Weltkrieges verlor er seinen Vater, er selbst überlebte den Fronteinsatz in Serbien, Italien und Russland. Danach ging er auf Weltreisen: Afrika, Südamerika, Paris, Elsass ….

Seine Erinnerungen schrieb er in Versen und in Prosa nieder.

Am 13. Dezember 1950 verstarb Anton Forcher in Steyr; zuletzt wohnte er in der Puschmannstraße 38, Steyr-Münichholz.

aus dem letzten Gedicht im Band “Brot aus den Händen der Mutter”:

“Wir hehlen und bergen uns Güter in Särgen

und loben den Hund, der die Diebe verbellt.

Und stellen mit Bangen, nach letztem Verlangen,

das Licht des Verzeihens ans Ende der Welt.”

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Franz Schubert

(1797 – 1828)

Bedeutender Komponist mit vielen Freunden aus Steyr. Hier komponierte er das  “Forellenquintett”

Franz Schubert in Steyr

  •  Quelle: Liesa Josephine Weiler: Auf den Spuren Franz Schuberts in Steyr. 2005

Schuberts erste Verbindungen zu Steyr – Begegnungen in Wien:

Im Oktober 1808 trat Franz Schubert als Hofsängerknabe in das sogenannte „Konvikt“ in Wien ein. Zu den Freunden, die Schubert während seiner Konviktszeit kennen und schätzen lernte, gehörte unter anderem auch der Steyrer Albert Stadler (1794-1884). Wir verdanken ihm zahlreiche Berichte über Schuberts Aufenthalt in Steyr.

 Freunde in Steyr:

JOHANN MAYRHOFER

Ein besonders wertvoller Freund Schuberts war der Dichter und Zensurbeamte Johann Mayrhofer. Großer Musikfreund und selbst künstlerisch veranlagt, begeisterte er sich für Schuberts Kompositionen und übte durch seine Dichtungen einen bedeutenden Einfluss auf den jungen Künstler aus. Schubert hatte Mayrhofer durch Spaun im Jahre 1814 kennen gelernt.

Über das Verhältnis von Mayrhofer zu Schubert schreibt der Dichter 1829, ein Jahr nach Schuberts Tod:

„Mein Verhältnis mit Franz Schubert wurde dadurch eingeleitet, dass ihm ein Jugendfreund (Spaun) mein Gedicht „Am See“ – es ist das vierte in dem bei Volke 1824 erschienenen Bändchen – zur Komposition übergab. An des Freundes Hand betrat 1814 Schubert das Zimmer, welches wir fünf Jahre später gemeinsam bewohnen sollten. Es befindet sich in der Wipplingerstraße.“

Franz Schubert und Johann Mayrhofer lebten vom Herbst 1818 bis Ende 1820 zusammen. Mayrhofer schrieb über diese Zeit:

„Während unseres Zusammenseins konnte es nicht fehlen, dass Eigenheiten sich kundgaben. Nun waren wir jeder in dieser Beziehung reichlich bedacht und die Folgen blieben nicht aus. Wir neckten einander auf mancherlei Art und wendeten unsere Kanten zur Erheiterung und zum Behagen einander zu. Seine frohe gemütliche Sinnlichkeit und mein in sich geschlossenes Wesen traten schärfer hervor und gaben Anlass, uns mit entsprechenden Namen zu bezeichnen.“

Über das Verhältnis von Mayrhofer und Schubert:

„Dieses Grundgefühl und die Liebe zur Dichtung und Tonkunst machten unser Verhältnis inniger, ich dichtete, er komponierte, was ich dichtete“, schrieb Mayrhofer.

Schubert vertonte 47 Lieder von Mayrhofer. Damit war der Steyrer Dichter neben Goethe der bevorzugte Dichter Schuberts.  Vom frühen Tod Schuberts war Mayrhofer erschüttert und schrieb ein Gedicht für seinen Freund:

„An Franz.

Du liebst mich! Tief hab ich es empfunden,

du treuer Junge, zart und gut;

so stähle sich denn, schön verbunden,

der edle, jugendliche Mut.“

Diashow:

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Schubert und Johann Michael Vogl:

Schuberts Problem war, dass er Käufer für seine Werke suchte oder einen Sänger. Schuberts Freunde versuchten mit dem Hofkammersänger Vogl Kontakt herzustellen, was schließlich auch glückte. Vogl war begeistert von dem jungen Künstler. Er wurde einer der fleißigsten Schubertianer.

Vogl und Schubert – das ungleiche Paar (siehe Karikatur)

Obwohl der Sänger bereits 53 und Schubert erst 24 Jahre alt war, fühlten sie sich bald zueinander hingezogen und die Vorurteile des kritisch gereiften Meistersängers gegen den jungen Komponisten waren bald überwunden. Vogl war für Schubert ein Freund, ein Förderer und wie ein Vater. Schubert begleitete Vogl wiederholt nach Steyr, Linz, Gmunden, St. Florian und Gastein. Diese Reisen waren für Schuberts Leben von großer Bedeutung, weil er hier große Anerkennung erhielt.

Vogls Einfluss auf Schubert war sehr groß. “Den Compositeur hat beynahe er gebildet.” (Zitat von Ignaz Schroff)

Niemand darf aber glauben, dass sich Schubert dem Sänger Vogl unterworfen habe. Beide waren ausgezeichnete Künstler und beide wussten das von sich und vom anderen.

Schubert in Steyr:

  • Sommer 1819: der erste Besuch in Steyr beim Berggerichtsadvokaten Dr. Albert Schellmann. Komposition: “Forellenquintett”
  • Sommer 1823: der zweite Besuch in Steyr (wohnte vermutlich wieder bei Dr. Schellmann)
  • Mai bis September 1825: der dritte Besuch in Steyr

In Steyr hatte Franz Schubert gute Kontakte zu Josef von Koller (siehe bei Pionieren, Unternehmer), zum Kreishauptmann Ritter von Dornfeld (heute: Dukartstraße 1). Er soll auch die “tausendjährige Linde” in Kleinraming besucht haben.

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Mag. Gerald Brandstötter

(1959 – 2004)

Bildhauer und Lehrer

Gerald Brandstötter (* 26. April 1959; † 17. Juli 2004) war ein österreichischer Bildhauer.

Gerald Brandstötter absolvierte die Berufsfachschule für Holzbearbeitung in Hallstatt. Er war bei der Firma Sommerhuber in Steyr tätig, für die er keramische Ofenkacheln entwarf. An der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz studierte er bei Professor Erwin Reiter und erwarb den Abschluss Magister artium. Gerald Brandstötter lebte bis zu seinem Tode im Steyrer Dunklhof als Maler und Bildhauer. Er verunglückte bei einem Motorradunfall.

  • Waldenser-Denkmal in Steyr (1997) : Das von Gerald Brandstötter entworfene Denkmal erinnert an die im Jahr 1397 unter Inquisitor Petrus Zwicker verbrannten Steyrer Waldenser. Es wurde 1997 am Prof.-Jörg-Reitter-Platz errichtet (Berggasse, Abzweigung Blumauergasse)
  • Der Lebensbaum (2000)
  • Denkmal Sidonie in Sierning bei Steyr (2001)
  • Familienbrunnen Grieskirchen (2002)
  • Waldenser-Denkmal Pinerolo (2004)

Bilderschau:

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Erwin Puschmann

(1905 – 1943)

Widerstandskämpfer und Opfer des Nationalsozialismus

  • geboren am 8. Jänner 1905
  • enthauptet am 7. Jänner 1943

Quelle: Otto Treml, Straßennamen in Münichholz Steyr.

Erwin Puschmann wurde am 8. Jänner 1905 geboren, sein Beruf war Bauschlosser. Seit 1923 war er Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes und ab 1930 Funktionär der Kommunistischen Partei.  Nach dem Februarkampf 1934 wurde er verhaftet und in das Anhaltelager Wöllersdorf gebracht. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 1938 kehrte Puschmann, der 1937 emigriert war, in seine Heimat zurück und beteiligte sich in der Folgezeit an der Organisation des Widerstandes. Am 21. Jänner 1941 wurde Erwin Puschmann von der Gestapo verhaftet und – wie nahezu alle der damaligen führenden Kommunisten – in der Wiener Gestapo-Zentrale am Morzinplatz unbeschreiblichen Folterungen ausgesetzt. Am 22. September 1942 wurde Erwin Puschmann zum Tode verurteilt und im Wiener Landesgericht am 7. Jänner 1943 enthauptet.

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