Gustav Ritzinger

(1856 – 1900)

Direktor der Fachschule (HTL): 1891 – 1900

  • Geboren am 24.3.1856 in Wien
  • Gestorben am 12.11.1900 in Steyr

Der nun nachfolgende Direktor Gustav Ritzinger nahm im Auftrag der Unterrichtsverwaltung, mehrere Reisen in die der Steyrer Industrie verwandten Erzeugungsstätten des In- und Auslandes und besuchte auch überdies einschlägige Ausstellungen. Die Früchte dieser Studienreisen blieben nicht aus. Wir sehen, dass die Fachschule unter Ritzingers Führung das bodenständige Gewerbe – wenn auch nicht in dem Ausmaß, als es den ehrlichen Bemühungen der Schule entsprochen hätte – befruchtete.

 Tod von Direktor Ritzinger:

  • Quelle: Steyrer Kalender 1902, S.124 (Bericht von November 1900)

Am Montag, den 12. November 1900  ist gänzlich unerwartet der Direktor der k.k. vereinigten Fachschule und Versuchsanstalt in  Steyr Gustav Ritzinger verstorben. Er machte durch Vergiftung mit Arsenik seinem Leben ein Ende.

Seine Auszeichnungen:

  • Ritter des Kaiser Franz Joseph Ordens
  • Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone
  • Besitzer der Civil-Jubiläums-Erinnerungsmedaille
  • k.k. Genossenschaftsinstruktor
  • Konservator der k.k. Centralcomission für Kunst- und historische Denkmale
  • Ehrenmitglied der Gemeinde Steinbach
  • Ehrenmitglied der Messerer Genossenschaft in Steinbach
  • Mitglied des k.k. uniformierten Bürgerkorps in Steyr

Direktor Ritzinger stand im 44. Lebensjahr. Er hinterlässt eine Witwe mit 4 Söhnen im Alter von 10 bis 18 Jahren.

Direktor Ritzinger war bereits seit 1878 mit einer kleinen Unterbrechung Fachlehrer an der Versuchsanstalt und seit circa 10 Jahren Direktor. Er hob die Anstalt auf eine hochansehnliche Stufe.

Ritzinger war der Sohn eines Wiener Stahlwarenfabrikanten. Er absolvierte nach mehrjähriger Lehrzeit beim Messerergwerbe einen Lehrcurs am k.k. Museum für Kunst und Industrie in Wien. Durch Reisen und Studien in Deutschland, Frankreich, England, Italien und Spanien bereicherte er sein Wissen. Nach Steyr gekommen vermählte er sich mit der Tochter des damaligen Bürgermeisters Moriz Crammer. Für die Gewerbetreibenden der Messerindustrie oder verwandter Berufszweige des Bezirks war er allezeit mit Rat und Tat gerne hilfsbereit. Er veranlasste die Einführung der neuen Schleif- und Poliermethoden nach Solinger Art. Er erwarb sich große Verdienste um die Erbauung der neuen Schleifen in Steinbach und Neuzeug, wie der neuen maschinellen Schmiede in Kleinraming. Er bewerkstelligte die Errichtung einer maschinellen Klingenschmiede in Steyr und griff erfolgreich den Ahlschmieden und Maultrommelerzeugern in Molln unter die Arme. 1895 war er von der konservativen Partei in den Steyrer Gemeinderat gewählt worden, dem er bis 1897 angehörte. Zur Pariser Weltausstellung 1900 war Direktor Ritzinger als Mitglied der Jury berufen worden. Er war wegen seiner Stellung eine im Steyrer Bezirk und darüber hinaus wohlbekannte Persönlichkeit. Sein tragisches Ende erregte in weiten Kreisen Aufmerksamkeit. Auf dem Gebiete der Eisen- und Stahlindustrie galt er als Autorität.

Veröffentlicht unter Persönlichkeiten | Hinterlasse einen Kommentar

Emil Prietzel

(1842 – 1919)

 Gründer des graphischen Institutes und Druckereibesitzer in Steyr

  • Geboren am 1. März 1842 in Kuhna bei Görlitz, preussisch Oberlausitz
  • Gestorben am 25. Dezember 1919 in Steyr
  • Quelle: M.Brandl, Neue Geschichte von Steyr, S.142

1869 eröffnete Emil Karl Fürchtegott Prietzel im Haus Enge Nr. 18 (heute Haubeneder) eine Visitenkartendruckerei mit einer Handpresse. Das Unternehmen übersiedelte mit 23. April 1885 in das Haus Haratzmüllerstraße 29 (ehem. Schulgebäude). Nach 1912 waren sie in den Objekten Pachergasse 3 – Haratzmüllerstraße 6.

Der Buchdrucker Emil Prietzel verschied am 26.12.1919.

Bildershow:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

  • Literaturtipp: Locicnik, Steyr – Arbeitswelt im Wandel. 2008, S.31ff

Karl Prietzel, dessen Bruder Emil das Haus mit der Druckerei 1928 um über 42.000 Schilling exekutiv ersteigert hatte, starb am 11.5.1932. Emil Prietzel starb am 12.2.1972 im 88. Lebensjahr.

Familie Prietzel

Der erste bekannte Vorfahre ist Hanns Prietzel , Bauer in (Nuder) Halbendorf b. Schönberg, 1464-1488.

Am 1. März 1842 wird dem Bäckermeister Johann Carl Gottlieb Prietzel, in Kuhna bei Görlitz ein Sohn geboren und auf den Namen Emil Fürchtegott Prietzel getauft. Er musste das Bäckerhandwerk erlernen, erst dann durfte er seinen Neigungen nachgehen und die Lithographie in einem der Betriebe von Görlitz erlernen. Meisterlich beherrschte er die Federführung. Dort lernte er auch die neue Technik der Fotographie kennen.  Nach mehreren Wanderjahren, die ihn unter anderem nach Dresden und Bielitz führten, erreichte er die Druckerei Haas in Wels. Dort dürfte er auch die 1. Frau, namens Amalie Marschner aus Ranshofen geheiratet haben. Der Ehe entsprossen ein Sohn (Karl) und eine Tochter, die 1884 nach New York auswanderte. Der Chef der Haas´schen Druckerei war Emil Fürchtegott Prietzel wohlgesonnen und riet ihm, in Steyr eine eigene Firma zu gründen.

Steyr war zu dieser Zeit eine aufstrebende Industrie- u. Handelsstadt. Der Industrielle Josef Werndl hatte hier eine bedeutende Waffenproduktion aufgebaut. Er hatte auch die Ausstellung  “Licht, durch mit Wasserkraft betätigte Turbinen“  ins Leben gerufen. Nun eilten zahlreiche Fremde aus allen Teilen der Welt nach Steyr um diese Neuerungen zu betrachten.

Bescheiden waren die Anfänge in der Enge 18 (Haubeneder) im 1. Stock dieses Hauses. Auf kleinstem Raum entstand die Druckerei Prietzel.  Vorerst befasste er sich mit der Herstellung der damals so begehrten mit Goldblatt unterlegten Glas-Firmenschilder sowie der Prägung von Geschäfts- und Visitenkarten. In seiner Nähe wohnte auch der bekannte Steyrer Maler und Lithograph Diltsch, der viele wertvolle Steingravuren für Urkunden und Diplome anfertigte. Bald wurden die Räume zu klein für die aufstrebende Firma, so übersiedelte die Druckerei in den 1. Stock der “Zipfer Bierhallen” in der Langen Gasse (Anmerkung: heute Haratzmüllerstraße, Hotel Minichmayr) an der Ennsbrücke. Dort erblickte am 12. April 1884 Emil Joseph Prietzel das Licht der Welt. Seine Mutter war die 2. Frau des Emil Fürchtegott Prietzel, die Braumeisterstochter Marie Schachinger aus Wolfsegg.  Ein Jahr später wurde sein Bruder Fritz Prietzel geboren.

Bald konnte die ehemalige Volksschule des Ennsdorfes in der Langen Gasse erworben werden, stolz nannte der Gründer der Druckerei Prietzel nun seine Firma “Graphisches Institut des Emil Prietzel, Buch-, Steindruckerei- und Prägeanstalt”

Als Höhepunkt seines Schaffens brachte ihm ein Fotoalbum für den Erzherzog Franz Salvator in Wallsee den Titel des k.u.k. Hoflieferanten ein.

1913 wurde das Braumeisterhaus Haratzmüllerstraße 6 mit den Brauhaussälen in der Pachergasse erworben. In den Gebäuden wurde eine der ersten Zentralheizungen der Stadt sowie ein Wasserleitungsanschluss installiert.

Am 25. Dezember 1919 starb Emil Fürchtegott Prietzel nach einem Sturz auf der eisigen Bahnhofstraße.

(Chronik erstellt von Frau Huber)

 

Veröffentlicht unter Unternehmer | Hinterlasse einen Kommentar

Karoline Eberstaller

(1812 – 1902)

“Schuberts letzte Freundin”

  • Quelle: Verein Heimatpflege Steyr “Renovierung des Grabkreuzes von Karoline Eberstaller”

Karoline Eberstaller war die Tochter des bürgerlichen Handelsmannes Johann Eberstaller und dessen Gattin Karoline. Sie wurde im schönen Barockhaus Stadtplatz 12 am 2.3.1812 geboren. Ihre Taufpatin war Theresia von Koller, Eisenhändlersgattin Stadtplatz11, in deren Haus Franz Schubert bei seinen Besuchen in Steyr 1819, 1823 und 1825 wohnte.

Bitte um Ihre Mithilfe bei der Identifizierung des Bildes:

Dort wurde viel musiziert. Karoline Eberstaller verlor sehr früh ihre Eltern und wurde vom Medizindoktor Franz Grubglucker als Stieftochter aufgenommen. Dieser wohnte im Schellmannhaus, Stadtplatz 34, wo auch Schubert oft verkehrte und wiederholt mit Karoline zusammentraf. Bei diesen Begegnungen entwickelte sich die Freundschaft zwischen den beiden. Karoline Eberstaller dürfte von außerordentlicher Schönheit gewesen sein. Franz Schubert musizierte auch viel im Paumgartnerhaus, Stadtplatz 16, wo auch ein eigenes Schubertzimmer existierte und eine Gedenktafel am Haus an den Liederfürsten erinnert. Karoline Eberstaller wohnte später im Kapuzinerkloster in der Almeroth-Villa, einige Zeit in München, später in der Berggasse und zuletzt in der Bindergasse 7, wo sie am 25.3.1902 ärmlich starb. Lange Zeit gab es eine Gedenktafel am Haus, in dem auch Anton Bruckner sie wiederholt besucht hatte.

1928: Schubertfeier in Steyr und Ehrung von Karoline Eberstaller mit dem Grabkreuz

  • Quelle: Bericht Steyrer Zeitung vom Dienstag, 1. Mai 1928

“Die zahlreichen Zuhörer aus der Bevölkerung der Stadt versammelten sich um das mit Blumen herrlich geschmückte Grab der Karoline Eberstaller. Das Grabkreuz ist eine einfache, aber würdige kunstvolle Eisenschmiedearbeit des Schlossermeisters Herrn Hans Schartinger, wozu Herr ProfessorHans Gerstmayr, ein Meister der bildenden Kunst, die schmucke Inschrifttafel mit dem Wortlaute: “+ Karoline Eberstaller, 2.3.1812 – 25.3.1902, Franz Schuberts letzte Freundin” und drei Rosen als Abschluss, in Kupfer getrieben, geschaffen hat. Beim Grabhügel hielt Ehrenvorstand des Männergesangsvereines “Kränzchen”, Herr Rechtsanwalt Dr. Spängler, eine tiefempfundene Erinnerungsansprache an die hier selig Ruhende, die er noch persönlich gekannt hat.”

“Am Gründonnerstag des Jahres 1902 geleitete eine kleine Schar von Freunden die hier ruhende Karoline Eberstaller zu Grabe. Das Leichenbegängnis musste um 8 Uhr früh festgesetzt werden, da der oftmals geäußerte Wunsch der Verblichenen, die zeitlebens eine treue Freundin der Musik war, unter den Klängen einer Musikkapelle zu Grabe geleitet zu werden, erfüllt werden sollte und nach den kirchlichen Vorschriften an diesem Tag eine solche musikalische Begleitung nach der Verabschiedung der Glocken bekanntlich unstatthaft ist. Es verursachte nicht geringes Aufsehen, als am Gründonnerstag an einem stets stark besuchten Wochenmarkte, der kleine Trauerzug unter musikalischer Begleitung  zum Friedhof ging.” (Dr. Spängler 1928)

Quelle: www.cas.umn.edu/assets/pdf/WP041.PDF   (18 Seiten) Minnesota, USA

 Karoline Eberstaller: Is She the Real Link between Franz Schubert and Anton Bruckner?

By Janet I. Wasserman

February 2004

NOTE: This paper is a revision and expansion of an earlier article, which appeared in The Schubertian, Journal of The Schubert Institute (UK), October 2000. Arnold Lelis of the Center for Austrian Studies provided editorial assistance. ©2004 by the Center for Austrian Studies (CAS). Permission to reproduce must generally be obtained from CAS. Copying is permitted in accordance with the fair use guidelines of the U.S. Copyright Act of 1976. CAS permits the following additional educational uses without permission or payment of fees: academic libraries may place copies of CAS Working Papers on reserve (in multiple photocopied or electronically retrievable form) for students enrolled in specific courses; teachers may reproduce or have reproduced multiple copies (in photocopied or electronic form) for students in their courses. Those wishing to reproduce CAS Working Papers for any other purpose (general distribution, advertising or promotion, creating new collective works, resale, etc.) must obtain permission from the Center for Austrian Studies, University of Minnesota, 314 Social Sciences Building, 267 19th Avenue S., Minneapolis MN 55455. Tel: 612-624-9811; fax: 612-626-9004; e-mail: casahy@tc.umn.edu

Karoline Eberstaller: Is She the Real Link between

Franz Schubert and Anton Bruckner?

To read the name of Karoline Eberstaller (1812-1902) joined closely with those of Franz Schubert (1797-1828) and Anton Bruckner (1824-1896) is to experience a shock of nonrecognition. The information alleging a connection relates to the young Bruckner’s years in the Upper Austrian town of Kronstorf (or Kronsdorf), between Enns and Steyr. Bruckner often visited Steyr to play the famous Krismann organ in the parish church. The reference in question, in a 1970 biography of Bruckner by Hans-Hubert Schönzeler, speaks of Bruckner’s contact with Karoline Eberstaller, the daughter of a French General, who had played piano duets with Schubert whenever he stayed in Steyr during the last years of his life. Karoline Eberstaller now introduced Bruckner to the Romantic world of Franz Schubert. Together they played his music for piano duet and for two pianos, and thus a new facet was given to the musical vision of the young Bruckner. This is an astonishing assertion, especially as one finds that it had already a rather long history before it was retailed, thus, to the larger non-specialist reading public in 1970, and has continued to appear in a variety of scholarly and popular works since that time. It is known, of course, that Schubert did make several visits to Steyr and other places in Upper Austria. Furthermore, Bruckner spent many years working in Upper Austria until he finally left for Vienna in 1868, and he later visited and stayed in Steyr during summer holidays in the 1870s, 1880s, and 1890s. It is astonishing, however, that the insertion of Karoline Eberstaller as the pivotal link between these composers has, for so long, failed to be subjected to tests of historical authenticity and veracity through a search for primary sources, and so to have been validated or discredited or, at the least, have been identified explicitly as an open historical question. It is only within the last half decade or so that a mild and gradual re-appraisal of this assertion has begun to receive consideration.

Karoline Eberstaller kannte Franz Schubert und Anton Bruckner persönlich

  • Quelle: „Von Franz Schubert bis Anton Bruckner“  verfasst von G. Goldbacher in „Oberdonau“ Zeitung Nr. 84 vom 25.3.1944

Im gemütlichen Extrastüberl des berühmten Gasthofes „Zum goldenen Löwen“, seit jeher „Bummerlhaus“ genannt, dem Treffpunkt aller „Honoratioren“ von Steyr, sitzt Meister Anton Bruckner mit seinem „Famulus“, dem sehr musikalischen Hofmayr, bei einem Viertel guten Weines und einer bescheidenen Jause. Es ist der September des Jahres 1892 und Bruckner, der ja so viele Sommer im Stadtpfarrhofe in Steyr verbrachte und hier an seinen Sinfonien arbeitete, wollte bald wieder nach Wien zurückkehren. Wie oft lauschten wir in diesen Zeiten seinem gewaltigen Orgelspiele in der Stadtpfarrkriche, deren Chrisman´sche Orgel er nächst der „Florianer“ hochschätzte.

Da erblickte Hofmayr ein altes kleines Weiblein mit gebeugtem Rücken, auf dem Kopf eine mächtige Haube, mühsam über den Stadtplatz trippeln und machte Bruckner auf die Geiseln aufmerksam. „Der da draußen hat der Schubert Franzl noch die Hand gedrückt“, meinte er zu Bruckner. Dieser sprang wie elektrisiert von seinem Sitze empor. „Wie? Und das sagst du mir erst heute? Wer ist sie? Wie heißt sie und wo wohnt sie? Den Schubert, den göttlichen, hat sie noch gekannt! Noch heute musst du mich hinführen!“

Und am gleichen Nachmittage finden wir die beiden in der Berggasse, wo die damals schon Achtzigjährige ein bescheidenes Heim hatte. Es war Karoline Eberstaller, im Volksmunde die „Krugluger Lini“ genannt. Bruckner, ein begeisterter Verehrer Schuberts, konnte sich gar nicht genug tun an Fragestellungen an die Greisin über Schuberts Aussehen, sein Wesen, sein Klavierspiel und seine Leutseligkeit. Bereitwillig und durchglüht vom Feuer der Erinnerung sprach die Greisin mit fast jugendlicher Lebhaftigkeit von seinem schönen Kopfhaar, von seinem Verkehr mit den Steyrer Bürgern und zeigte mit besonderem Stolze Bruckner die Lieder, die er ihr gewidmet hatte, und zwar „Die Erscheinung“ (schon 1814 komponiert) und „Sehnsucht“ (1813). Bruckner musste erkennen, dass Karoline Einblicke in Schuberts Seelenleben erhalten hatte. Der Meister war beglückt und wiederholte seine Besuche bei Karoline, so oft er in Steyr weilte.

Wer war nun Karoline Eberstaller? Es muss zugegeben werden, dass der größte Teil ihres neunzigjährigen Erdendaseins von Geheimnissen umwittert ist und nur die Zeit ihrer Jugend und ihre letzten Lebensjahre, wo sie in Steyr lebte, uns näher bekannt sind. Die mächtigen, künstlerisch wertvollen Patrizierhäuser des Stadtplatzes in Steyr waren einst durch die sehr wohlhabenden Eisenhändler, damals „Eisenverleger“ genannt, erbaut worden. Im Hause Nummer 12, welches die reichste Barockfassade ziert (Hochrelief, „Die fünf Sinne“), wurde Karoline am 2. März 1812 als Tochter des bürgerlichen Handelsmannes Franz und der Katharina Eberstaller geboren.

Durch die würdige Taufpatin Theresia Koller, Eisenhändlerin am Stadtplatz 16, kam sie schon als Kind mit Schubert in Berührung, der wiederholt (1819, 1823 und 1825) in Steyr weilte und im Kollerschen Hausse wohnte, musizierte (Gedenktafel) und auch seinen Freund, den Opernsänger Johann Michael Vogl (Gedenktafel an seinem Steyrer Geburtshause), den Wegbereiter und ersten Sänger der Schubertschen Lieder, in diese kunstbegeisterte Familie einführte. Schubert unternahm mit Vogl öfter Ausflüge in die Umgebung Steyrs, die er in einem Briefe an seinen Bruder „über alle Maßen schön“ bezeichnete. Es ist gewiß, daß er die mächtige, „tausendjährige Linde“, das herrliche Naturdenkmal in der „Steinwänd“, eine Stunde von Steyr entfernt, im Ramingtale, besucht und, der Überlieferung nach, in deren Schatten eine Komposition geschaffen hat, welche, ist allerdings unbekannt.

Die Eltern der Karoline Eberstaller starben frühzeitig, so daß sie in dem Medizindoktor Franz Xaver Krugluger einen Ziehvater erhielt, der in dem prächtigen Schellmannhause am Stadtplatz 34 wohnte. Auf diese Weise kam Karoline („Krugluger Lini“) neuerdings mit Schubert in Berührung, der in der Familie Schellmann häufig verkehrte und dort musizierte. Die junge, erblühende und musikbegeisterte Karoline wurde bald mit Schubert bekannt und war im in inniger Freundschaft zugetan. Überlebte sie den Liederkönig auch volle fünfundsiebzig Jahre, so hat sie ihn doch nie vergessen können. Oberhalb ihres Bettes hing zeitlebens Schuberts Bildnis und noch als Neunzigjährige sah sie mit Andacht und Rührung zu ihm empor. Als Karoline dann zehn Jahre vor ihrem Tode wieder einen Mächtigen im Reiche der Töne, Bruckner, kennen lernte, war sie vielleicht die einzige Sterbliche, welche zwei so weit auseinanderliegende Musikepochen in ihren hervorragendsten meistern persönlich kennen lernte.

Mit dem Jahre 1828 verlieren sich die Spuren der letzten Freundin Schuberts; sie scheint Steyr verlassen zu haben und nun beginnt über ihr weiteres Schicksal der Schleier des Geheimnisses sich nieder zu senken. Sicher ist nur, dass sie zeitlebens unvermählt blieb. Unbestätigten Erzählungen nach war Karoline von außerordentlicher Schönheit, lebte eine Zeitlang in München, wo in einer Gemäldegalerie ihr prächtiges Jugendbildnis, jedoch mit dem Namen einer Aristokratin, hängen soll. Sonderbar ist jedenfalls, dass sie in Steyr nicht im Familiengrabe der Ihrigen begraben wurde, weil sie angeblich von ihrer Familie enterbt und verstoßen wurde. Ihr Ziehvater, Dr. Krugluger, starb am 12. Juli 1855.

In den Achtzigerjahren taucht Karoline wieder in Steyr auf, mühselig und auf die Güte edler Patrizierfamilien angewiesen; besonders die Familie Almeroth nahm sich der Hilfsbedürftigen kräftigst an, jene Familie, wo auch Bruckner recht oft zu Gaste war und seine Leibspeise, der  „Lungenstrudel“ ihm aufgetischt wurde. Karoline wohnte zuerst in der Berggasse, dann in der Bindergasse 7 (im sogenannten Hundsgraben), wo die Neunzigjährige noch einem letzten Blick auf das Bild Schuberts am 25. März des Jahres 1902 ihr bewegtes Leben beendete. Bei dem verstorbenen Steyrer Maler Josef Diltsch, mit dessen Mutter Karoline gut befreundet war, saß sie diesem kurz vor ihrem Ableben zu einem Bilde und erzählte der Stadt Steyr befindet sich ebenfalls ihr wohlgetroffenes Bildnis von unbekannter Hand. Erwähnt mag noch werden, dass Viktor Trautzl Wahrheit und Dichtung über Karoline Eberstaller zu einem kurzen Roman verarbeitete.

Unter den Familien, welche die Karoline häufig unterstützten, befand sich auch die des Rechtsanwaltes Dr. Hermann Spängler der den Schreiber dieser Zeilen im Jahre 1927 beim Herannahen des Schubert-Gedenkjahre auf die verwahrloste Grabstätte der Freundin Schuberts aufmerksam machte und sich für eine Abhilfe einsetzte. Bald stand ich vor dem mit dichtem Gras überwucherten Grabhügel am stimmungsvollen alten Arkadenfriedhof von Steyr, wo der Weitblick die Alpenkette vom  Traunstein bis zu den steirischen Bergen umfasst. Nur wenige Steyrer haben gewusst, wer unter diesem ungepflegten Hügel schläft, wie viel Freud und Leide diese Neunzigjährige trug.

Kräftig setzten in allen Sängerkreisen die Vorarbeiten für das Schubertjahr 1928 ein und so kam es Sonntag, den 29. April 1928, zur feierlichen Enthüllung des Grabkreuzes für Karoline Eberstaller, welches Schlossermeister Hans Schartinger in Steyr in kunstvoller Schmiedeeisenarbeit ausgeführt hatte, wozu der bekannte Künstler Professor Hans Gerstmayr eine prächtige Kupfertreibarbeit beigesteuert hatte. Sämtliche Gesangverein Steyr und eine Abordnung des Wiener Schubert- Bundes nahmen an der Feier teil, bei welcher Rechtsanwalt Dr. Spängler, damals Ehrenvorstand des Männergesangsvereines „Kränzchen“, über Karoline Eberstaller sprach. Hieran schloss sich ein Festzug durch die beflaggte Stadt und eine würdige Feier vor dem Wohnhause Schuberts am Stadtplatze. Das Grabdenkmal wurde in die Obhut der Stadtgemeinde übernommen. Möge die Erinnerung an die letzte Freundin des Liederfürsten nie verblassen!

Veröffentlicht unter Persönlichkeiten, Volkskunde | Hinterlasse einen Kommentar

Dr. Adolf Zottl

(1882 – 1940)

Arzt. Opfer des Widerstands gegen den Nationalsozialismus

  • Geboren am 28.5. 1882
  • Ermordet im KZ am 22.7.1940
  • Wohnung in der Neuschönau, Bahndammgasse 24
  • Arztordination im Dunklhof, Kirchengasse 16
  • Quelle: Leserbrief in der Steyrer Rundschau vom 11.1.2007, verfasst von Josef Hack, Garsten.

„Mutiger Arzt trotzte Hitler“

Dr. Adolf Zottl, vielleicht alten Steyrern noch in Erinnerung, war vor 1914 praktischer Arzt und ausersehen, das Primariat im eben neu erbauten Krankenhaus zu übernehmen. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte dies. Dr. Zottl rückte an die Front (Feldspital) ein, wurde gefangen genommen und betreute in Sibirien aufopfernd unsere Gefangenen medizinisch. In die Heimat zurückgekehrt, führte Dr. Zottl seine  Privatordination in Steyr weiter und baute sich ein kleines Haus in der Neuschönau.

Dann kam das Jahr 1938. Dr. Zottl weigerte sich, die Hakenkreuzfahne an seinem Haus zu hissen. Das war damals so viel, wie ein Todesurteil. Die Folge waren Verhaftung und Einlieferung ins Konzentrationslager, wo Dr. Zottl vergast wurde. Die Urne kam nach Steyr. Der Beisetzung wohnte ein entfernter Verwandter und Schreiber dieses Leserbriefes bei. Ehre dem Angedenken an Dr. Adolf Zottl.

Josef Hack, Garsten“

 offene Fragen:

  • In welchem KZ war Dr. Zottl inhaftiert?
  • Wurde seine Urne tatsächlich nach Steyr gebracht?
  • Wie kam er ums Leben? Den Angaben im Leserbrief “vergast” kann nicht recht gegeben werden, da Einsatz von Zyklon B – Gas erst ab 1942 üblich war.

 Steyrer Kalender 7.1.1915

Abschrift des handschriftlichen Protokolls: (aufgeschrieben für Wolfgang Hack; 2011)

“Schwester Frieda Maria Meichenitsch

Geboren in Marburg an der Drau, Alt-Österreich, besuchte die Krankenschwesterschule  in Wien und arbeitete auch im Frontlazarett bis Ende des Krieges. Dann kam sie nach Steyr, wurde Angestellte des Österreichischen Roten Kreuzes. Die Dienststelle war das Herrenhaus in der Sierningerstraße. Die TBC-Fürsorgestelle war unter der Leitung von Präsident Nothaft – Chef war Dr. Zottl, fallweise Dr. von Buchleitner. Ordination war 2 x wöchentlich für schwache in TBC kranke Kinder. (Ordinationszimmer, Bestrahlungszimmer mit Quak-Strahlern, Diensträume)

Dr. Zottl und Präsident Nothaft bemühten sich um Unterstützung vom Magistrat Steyr, für Kinder mit TBC, um Verschickung und Erholungsräume. Auch für mittellose Patientinnen wollte er Hilfe. Alles klappte bis zum Einmarsch der Nationalsozialisten, SS-Hitler-Truppen in Steyr.

Dr. Zottl war verwitwet und alleinstehend. Seine Wohnung war in der Gleinkergasse, 1. Stock, auch die Ordination. Im Parterre befand sich die ehemalige Apotheke.

Nun passierte etwas Furchtbares; das Datum ist mir unbekannt. Dr Zottl wurde in einer Nacht fast unbekleidet, ohne Schuhe, von SS-Männern abgeholt und verschleppt.  (Tot – sicherlich)

Aus Erzählung:

Sein Bruder wollte Dr. Zottl retten, er kam 1 Tag zu spät. Die Fürsorgestelle wurde aufgelöst. Auf der Promenade Steyr wurde das Gesundheitsamt errichtet, Leitung Dr. Haim; Mitarbeiterin – keine Rot-Kreuz-Uniform, war Schwester Frieda Maria Meichenitsch, Frau Peiker und Fr. Hieselmayr. Das Ende bzw. Weiterleitung ist mir unbekannt. 1969 hatte Dr. Haim eine wunderbare Rede beim Begräbnis von FM Sr. Frieda Meichenitsch gehalten.“

Veröffentlicht unter Arzt, Persönlichkeiten, Widerstand | Hinterlasse einen Kommentar

Otto Pensl

(1895 – 1945)

Opfer des NS-Widerstands. Staatsmeister und Marathonsieger 1925

Otto-Pensl-Straße: Otto Pensl, geboren 1895, schloss sich 1934 der KPÖ an, Widerstand gegen den NS-Fachismus, zweimal verhaftet, 1945 vier Tage vor Kriegsende hingerichtet

Otto Pensl aus Steyr, österreichischer Marathonmeister 1925

  • Quelle:  Otto Treml, Manuskript.

Otto Pensl, geb. 28.11.1895, war der erste österreichische Läufer, der die Marathonstrecke unter drei Stunden bewältigte (2:59,21) und er war auch der erste Oberösterreicher, der einen Staatsmeistertitel in der Leichtathletik erkämpfte.

Als begeisterter Allroundsportler trat er dem Arbeiterturnverein „Vorwärts“ Steyr bei und stellte im Sommer und Winter bei den verschiedensten Wettkämpfen seinen Mann. Er war ein ebenso ausgezeichneter Schispringer wie Turner und manche seiner Leistungen leben in der mündlichen Überlieferung noch heute in den Kreisen der Steyrer Sportler fort.

Seine besondere Liebe aber galt dem Langstreckenlauf und hier im Besonderen der Marathonstrecke. Oft lief er die Strecke Steyr-Linz, welche ungefähr dieser Distanz entspricht, zum Training. Sein Meisterstück aber lieferte er im Jahre 1925 bei den Marathonmeisterschaften in Wien. Mit dem Fahrrad fuhr er von Steyr zum Wettkampf, beendete das Rennen als Sieger, setzte sich wieder auf das Rad und fuhr heim nach Steyr.

Ausgeprägt waren auch sein Sinn und seine Liebe zu den Bergen, den Naturschönheiten seiner Heimat. Wenn an ihn der Ruf erging, dass jemand in Bergnot war, dann machte er sich auf den Weg, um die Verirrten zu retten.

Sein politisches Engagement ließ ihn zum aktiven Kämpfer für Demokratie und Recht werden. Im Februar 1934 kämpfte er auf Seite des „Republikanischen Schutzbundes“ in dem vergeblichen Kampf für die Wiederherstellung der 1. Republik. Nach der Niederschlagung der Erhebung trat er der illegalen Kommunistischen Partei bei. In der Zeit der schwersten Unterdrückung durch den deutschen Faschismus kämpfte Otto Pensl als Funktionär der Kommunistischen Partei und war unermüdlich aktiv für die Befreiung Österreichs. Zweimal wurde er von der Gestapo verhaftet und eingekerkert. Trotz der Misshandlungen durch die SS-Schläger ist Otto Pensl nicht bereit, auch nur einen Namen seiner Kampfgefährten preiszugeben.

Am 3. Mai 1945, wenige Tage vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und angesichts der nahen Befreiung, ließ Otto Pensl über ausdrücklichen Befehl des damaligen Gauleiters August Eigruber aus Steyr, in den Gaskammern des Konzentrationslagers Mauthausen sein Leben.

Die Stadt Steyr ehrte sein Andenken durch die Benennung einer Straße im Stadtteil Münichholz als „Otto Pensel Straße“

Otto Pensl:

 Die Geschichte des Marathons ist voller origineller Geschichten. Eine besonders bemerkenswerte verdanken wir dem Steyrer Otto Pensl. Bei seinem Rekordsieg anno 1925 war es nämlich mit einem Marathon bei Weitem nicht getan.

Der damals 30-jährige Sportler wurde am 27. September 1925 in Wien der erste oberösterreichische Staatsmeister. Und sozusagen als Draufgabe durchbrach er nach 42,195 Kilometern mit dem österreichischem Rekord von 2:59:21 als Erster die Drei-Stunden-Grenze. Die ebenfalls in Wien markierte alte nationale Bestmarke von Josef Franz (1924) verbesserte er gleich um rund 22 Minuten.

Streckenlänge und Zeit sind die Eckdaten dieses bemerkenswerten Ereignisses, die Begleitumstände machen es aber erst zu einer fast unglaublich klingenden Geschichte:

Pensl erbrachte nämlich für diesen Sieg gleich drei Marathonleistungen. Er schwang sich nämlich in Steyr aufs Fahrrad, fuhr rund 200 Kilometer nach Wien, spulte dort weitere 42 km per pedes ab und radelte anschließend wieder die 200 Kilometer nach Hause. Womit er eine Gesamtdistanz von fast 450 Kilometern bewältigte, die man heutzutage aus dem „Ironman“-Bereich der durchtrainierten Triathleten kennt.

Nicht genug damit, hatte er die Stahleinlagen für seine Laufschuhe vergessen. Er behalf sich, indem er die Sohlen mit Eisen beschlug. Auf der Strecke bohrten sich die etwas zu langen Nägel aber ins Fleisch. Pensl war halt Mechaniker – und kein Schuster. Die Bilder links zeigen Pensl bei der Wende des Laufes und bei der Siegerehrung.

Ein Jahr zuvor (1924) hatte der schnelle Otto seine erste Anekdote zum Schmunzeln geliefert. Damals bestritt er den ersten Marathonlauf. Unroutiniert, wie er nun einmal war, übernahm er sofort die Führung, musste aber seinem zu hohen Anfangstempo Tribut zollen. Knapp nach der Rennhälfte legte er sich erschöpft in eine Wiese und schlief ein. Einige Konkurrenten überholten den „Penner“, der nach fast 20 Minuten aufwachte, weiterlief und nach 3:46:23 Stunden noch auf Rang 4 die Ziellinie überquerte. Zur Zeit ist anzumerken, dass die Strecke, wie sich später herausstellen sollte, um vier Kilometer zu lang war …

Wer aus eigener Erfahrung weiß, wie sehr man gerade beim ersten Marathon an seine Grenzen gehen muss, um ihn zu schaffen, ist für solche „Einlagen“ natürlich dankbar, denn der Sport soll gerade für die Volksläufer(innen), die sich übermorgen wieder beim OMV Linz-Marathon beweisen wollen, auch Spaß machen.

So unterhaltsam die Anekdoten aus Otto Pensls Sportlerlaufbahn auch sind – das wahre Leben des Mannes verlief als eine Tragödie. Der Spitzensportler und Marathonmeister, dem schon während des Ersten Weltkrieges die Rechte der Arbeiter oberstes Anliegen waren, trat der KPÖ bei und wurde 1934 in die Februarkämpfe in Steyr verwickelt. In der Zeit des Dollfuß-Regimes leistete er illegale Arbeit für seine Ziele.

Unter den Austro-Faschisten schon ausgegrenzt, geriet Pensl auch ins Visier der Nationalsozialisten, die 1938 in Österreich an die Macht gekommen waren. Er wurde zweimal von der Gestapo verhaftet, weigerte sich aber beharrlich, seine Mitkämpfer im Untergrund preiszugeben. Sein oberstes Ziel als Widerstandskämpfer blieb die Befreiung Österreichs von der NS-Diktatur.

Doch er durfte die Verwirklichung seines Traumes nicht mehr erleben. Am 3. Mai 1945, nur wenige Tage vor dem Zusammenbruch der Nazi-Herrschaft in Deutschland und der „Ostmark“, wurde er mit weiteren Mitstreitern auf besonderen Befehl des Gauleiters von „Oberdonau“, August Eigruber, im Konzentrationslager Mauthausen hingerichtet.

Otto Pensl (1895–1945)
Der begeisterte, in Linz geborene Allroundsportler war Mitglied des Arbeiterturnvereines „Vorwärts“ Steyr. Nach ihm ist eine Straße in Steyr-Münichholz benannt.

  • Textquelle und Fotos: Kurt Brunbauer/Helmut Ploberger: „ Leichtathletik. Bilderbogen“. Eigenverlag

 

Veröffentlicht unter Persönlichkeiten, Widerstand | Hinterlasse einen Kommentar

Willi Gruber

(1920 – 1944)

 Opfer des Nationalsozialismus. Widerstandskämpfer

Geboren am 4. Jänner 1920

hingerichtet am 19. September 1944

Quellen:

  • Aufzeichnungen von Otto Treml
  • Dokumentation über den antifaschistischen Widerstand der KPÖ im Bezirk Steyr 1938-1945. 16 Seiten. März 2008 („Straßennamen erinnern an den Steyrer Widerstand“)

Willi Gruber wurde am 4. Jänner 1920 in Bad Hall geboren und war von Beruf kaufmännischer Angestellter in den Steyr-Werken. Er war als Gegner der Faschisten bekannt.

Während des Dritten Reiches hörte er Radiosender aus dem Ausland – die Stimme der Freiheit – und erregte durch seine freiheitliche Auffassung den Verdacht der Gestapo. Er war damals 22 Jahre alt und wurde denunziert und von der Gestapo verhaftet. Sein Widerstand wurde von der faschistischen „Volks-Justiz“ mit dem Tode bestraft. Willi Gruber wurde nach monatelanger Haft zum Tode verurteilt und am 19. September 1944 im Landesgericht Wien enthauptet.

Sein Scharfrichter, der „Henker von Wien“ war Johann Reichard, der aus Deisenhofen, nahe München stammte. Er bekannte später, dass er 1184 Menschen in Wien „die Rübe abgehauen“ habe. Er war für die damalige Ostmark zuständig und hat insgesamt über 3500 Menschen hingerichtet.

Willy Gruber wurde mit zwei Leidensgenossen in einem Grab im Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Die Stadt Steyr ehrte sein Andenken durch Benennung einer Straße im Stadtteil Münichholz als „Willi Gruber Straße“.

Veröffentlicht unter Persönlichkeiten, Widerstand | Hinterlasse einen Kommentar

Alfred Kaulich

(1912 – 2000)

Maler, Autodidakt und Obmann der “Kunstgruppe Steyr”

  • Geboren am 15.12.1912
  • gestorben am 13.8.2000 in Steyr  

Diashow der Bilder:  

Diese Diashow benötigt JavaScript.

  • Quelle: Textarchiv Ernst Schimanko, Steyr

Geboren am 15. Dezember 1912 als Sohn des Buchdruckers und Grafikers Karl und Anna Kaulich. Nach dem Besuch der Pflichtschule erlernte er den Werkzeug- und Maschinenbauberuf. Bis 1931 arbeitete er in diesem Beruf. In Zuge der schweren Wirtschaftskrise und der damit einhergehenden Arbeitslosigkeit lernte er bei seinem Vater das Malen, besonders auch Kalligraphie. Er lernte verschiedene Schriften und das Anfertigen von Urkunden. Nach einem Fernstudium für „Betriebsfachschule“ legte er 1939 die pädagogische Prüfung für Berufsschullehrer und die Facharbeiterprüfung „mit Auszeichnung“ ab.

Schon seit der frühesten Jugend war Kaulich für Musik, Zeichnen und Malen sehr aufgeschlossen. Zuerst wirkte er in Steyr beim Streichorchester und war 40 Jahre bei der Stadtkapelle aktiv. 20 Jahre war er Stabführer der Musikkapelle. In dieser Zeit entstanden bereits einige Bilder wie „Hessenmarsch“, „Sinfonie mit dem Paukenschlag“ , „Wassermusik“, „Drei Schlagzeuger mit Selbstporträt“ u.a.

Bevorzugte Techniken: Schriftgrafik, Aquarelle, Zeichnungen.

Seit 1964 war er Mitbegründer der „Kunstgruppe Steyr“ und über 20 Jahre deren Obmann.

Er veranstaltete 10 Einzelausstellungen und 34 Ausstellungen mit der Kunstgruppe.

Als Lieblingsarbeiten bezeichnet Kaulich das Porträt, die Anfertigung von Urkunden und die Landschaftsmalerei. Besonders gern malte er auch Städte, wie die Eisenstadt Steyr und Graz, seine zweite Heimat.

Seit der Antike steht das Porträt im Vordergrund, es ist eine der Gestaltungsaufgaben der Kunst, die ihn besonders erfasste.

„Ich porträtierte Freunde, Musiker, befreundete Künstler sowie berühmte Persönlichkeiten. Im Porträt will ich meine eigene Auffassung, meine Liebe und die Seele des Modells darstellen. Ich male naturgetreu, so, wie ich den Charakter des Menschen sehe. Durch Selbstbildung, Selbstkritik und durch besonderen Fleiß und durch harte Arbeit kann man sich sehr viel erarbeiten und schaffen.“ (Alfred Kaulich)

 

  • Wilhelm Schaumberger schrieb zum Geburtstag von Alfred Kaulich ein Gedicht:

„Herrn Kaulich zum Geburtstag:

A Zeichnung is hald doch was wert,

wann mas genau betracht,

wEil ma erfahart, was ma net hört

was an viel Freud oft macht.

Dass er so alng in Stab hat gführt

Bei unserer Stadtkapelln.

Des wird durch d´Zeichnung auf hiatzt grührt.

Doch dass er selber Musi treibt

Und  Kunst malt noh dazua,

dass d´Zeitung über des nix schreibt

hams übersehn gwiss nur.

Nau und des Zeigs, des was ma braucht,

heut zan an Kraftwerksbau,

des liegt im Magazin – zsammgstaucht,

des führt er ah genau.-

Hiatzt is er sechzgi – der guat Mann

Des is heut nimma viel,

Drum  wünsch i eahm viel Glück nuh dran,

vorläufig – siebzig – als Ziel.“

Veröffentlicht unter Künstler, Maler | Ein Kommentar