Hermann Leithenmayr

(1941 – 2010)

Bürgermeister von 1991 bis 2001. Nationalratsabgeordneter. Gründer der Fachhochschule Steyr

Im Rathaus gab es keine Befehlsausgabe. Der Chef steckte lieber seine Umgebung mit seinem Tatendrang für das Gemeinwohl an. Am Wochenende starb Hermann Leithenmayr, der große rote Volksbürgermeister von Steyr, an Krebs.

Unter Leithenmayr wurde das Rathaus seinem Namen gerecht: Bei kniffligen Problemen fragte der Bürgermeister viele nach ihrer Meinung. „Leithenmayr hörte zu und traf dann seine Entscheidung. Er hatte die Gabe, dass sich dann jeder darin wiederfand und sich ernst genommen fühlte“, beschreibt Bürgermeister Gerald Hackl (SP) die Wesensart seines Vorvorgängers. Hackl war fünf Jahre Magistratspressesprecher, und sein Chef war ihm in vielen Dingen ein Lehrmeister. „Vor allem menschlich“, sagt Hackl, „für Leithenmayr war das Amt immer mehr Bürde als Würde. Er beeindruckte mit seiner Bescheidenheit.“

In Leithenmayrs Amtszeit von 1991 bis 2001 wurden viele Weichenstellungen für die Zukunft Steyrs getroffen: Mit der Bahnhofsüberbauung, den Technikschmieden FAZAT und Profactor, Wirtschaftspark Stadtgut und der Fachhochschule hat der Bürgermeister eine Zeitenwende in der traditionellen Fabriksstadt eingeleitet. Das Jahrzehnt unter seiner Führung bescherte Steyr einen Modernisierungsschub. „Hermann war ein Motor der Stadtentwicklung“, brachte es SP-Bezirksvorsitzender Kurt Gartlehner auf den Punkt.

Leithenmayr war ein Sozialdemokrat mit Leib und Seele, der sich seiner Herkunft von der Werkbank nie schämte. Der im Jahr 1941 geborene Sierninger begann 1955 in den Steyr-Werken eine Schlosserlehre; schon als junger Mann setzte er sich als Betriebsrat für die Kollegenschaft ein. Das Gespür für die Leute und seine politische Begabung brachten den Arbeitervertreter als Zentralbetriebsratsobmann bei Steyr-Daimler-Puch 1983 schlussendlich auch als Nationalrat ins Parlament.

Leithenmayr war ein Politiker, für den Handschlagqualität zählte. „Der Hermann“, wie er sich am liebsten von seinem Umfeld nennen ließ, war viel zu eisern, als dass er sich von Spin-Doktoren und Wahlstrategen verbiegen hätte lassen. „Er hat sich immer mit voller Kraft für andere eingesetzt; Eigennutzen, daran verschwendete er keinen Gedanken“, beschreibt Hackl den Altbürgermeister, der sich bis zuletzt als Präsident des Vereines „Freunde der Steyrer Schwimmschule“ für die Revitalisierung des ältesten Arbeiterbades Europas eingesetzt hat.

Vielfach geehrt

Den Kampf für sich selbst und gegen den Krebs hat Leithenmayr in der Nacht auf den 21. August verloren. Der „Familienmensch und humorvolle Menschenfreund“, wie ihn Kurt Gartlehner beschreibt, konnte in der Pension die Früchte seiner Arbeit nur bis zum 69. Lebensjahr genießen. Äußere Auswirkungen seiner jahrelangen Tätigkeit waren die Ehrenbürgerschaft von Bethlehem, dessen Partnerstadt die Christkindlstadt Steyr ist, die Victor-Adler-Plakette 2006 oder das Goldene Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich. Mehr noch als die Orden an Rock und Kragen ehrt den Volksvertreter a. D., dass schon zu Lebzeiten an den Stammtischen in Steyr nur lobende Worte gefallen sind.

Hermann Leithenmayr hinterlässt seine Gattin Heidemarie. Der Vater von zwei Töchtern und Opa von drei Enkelkindern erholte sich im Privatleben gerne beim Angeln. Die Stadt Steyr weiß, dass sie mit ihm als Bürgermeister einen großen Fang gemacht hat.

Quelle: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/art86198,446750 (Juni 2011)

Nach der Pflichtschule begann Hermann Leithenmayr eine Lehre als Kfz-Schlosser in der Werken der ortsansässigen Steyr Daimler Puch AG, welche er mit der Facharbeiterprüfung 1959 positiv absolvierte.

Weiterhin besuchte Leithenmayr zahlreiche Fortbildungskurse der Arbeiterkammer und des ÖGB. Im Jahr 1967 wurde er Betriebsrat und stieg 1983 zum Zentralbetriebsratsobmann des Unternehmens auf, wodurch er auch gleichzeitig Mitglied des Aufsichtsrates der Steyr Daimler Puch AG wurde. Er war Mitglied der Bezirks- und Landesleitung der Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie im Jahr 1979, Mitglied des Vorstandes der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Oberösterreich im Jahr 1982.

Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei war Leithenmayr Mitglied des Bezirksparteivorstandes der SPÖ Steyr und Bezirksobmann der Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich (ASKÖ) im Bezirk Steyr.

Leithenmayr war von 13. Dezember 1983 bis zum 24. Januar 1990 Abgeordneter zum Nationalrat (16. und 17. Wahlperiode).

Unmittelbar danach wurde er 1990 Vizebürgermeister der Stadt Steyr, Bürgermeister war damals Heinrich Schwarz. Am 7. November 1991 wählte ihn der Gemeinderat im dritten Wahlgang zu dessen Nachfolger. Bei der Bürgermeisterdirektwahl im Jahr 1997 erreichte er 52,98 % der Stimmen.

Mit viel Engagement und Kraft hat Hermann Leithenmayr viele wichtige Projekte für Steyr und die gesamte Region durchgesetzt: unter anderem den Bau der Nordspange, die Errichtung der Bahnhofsüberbauung sowie den Bau von Parkdecks am ÖBB-Bahnhof und beim Landeskrankenhaus. Hermann Leithenmayr hat gemeinsam mit dem Land Oberösterreich ein Wohnbauprogramm für Steyr erarbeitet und damit sehr viel dazu beigetragen, dass der Wohnungsmangel in Steyr der Vergangenheit angehört.

Sein Engagement galt auch der technologischen Entwicklung der Stadt Steyr. Die Forschungszentren FAZAT und VPTÖ-Profactor, der Wirtschaftspark Stadtgut mit dem Innovationszentrum TIC, die Fernuniversität und vor allem auch die Fachhochschule sind Früchte der Arbeit von Hermann Leithenmayr. In seine Zeit als Stadtchef fällt auch der Kauf der ehemaligen Hauptreparaturwerkstätte der Steyr Daimler Puch AG und der Umbau dieses Gebäudes zu einem modernen Kommunalzentrum sowie die Überdachung der Kunsteisbahn. Hermann Leithenmayr hat auch den Bau der Stadthalle auf dem Tabor und den Bau des Alten- und Pflegeheims Münichholz vorbereitet. Darüber hinaus war er von 1993 bis März 2010 als Präsident des Aufsichtsrates der Ennskraftwerke AG tätig.

Nachdem Leithenmayr 2001 in den Ruhestand ging, setzte er sich als Gründer und Obmann des Vereins „Freunde der Schwimmschule Steyr“ für die Renovierung und Revitalisierung des ältesten Arbeiterbades Europas ein.

Am 30. August 2010 fand die Trauerfeier am Städtischen Urnenfriedhof im Beisein der Familie statt, anschließend wurde der Leichnam im Krematorium Steyr eingeäschert. Er hinterlässt seine Gattin, zwei Töchter und drei Enkelkinder.

Leithenmayr war Ehrenbürger der Stadt Steyr und Träger des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Oberösterreich. Äußere Auswirkungen seiner jahrelangen Tätigkeit waren auch die Ehrenbürgerschaft von Bethlehem, dessen Partnerstadt die Christkindlstadt Steyr ist, sowie die Victor-Adler-Plakette 2006, die höchste Auszeichnung der SPÖ für verdiente Mitglieder.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Leithenmayr (Juni 2011)

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