Josef Reithoffer

(1864 – 1928)

Fabrik in Steyr-Pyrach für Gummiwaren und Autoreifen, bestand von Mitte 19. Jahrhundert bis 1933

Die Reithoffer Werke

Auch die Reithoffer Werke sind im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Steyr besonders erwähnenswert, beschäftigten sie doch lange Zeit mehr als tausend Arbeiter.

1832 begann Josef Reithoffer mit der Erzeugung von Gummiwaren in Wien. Einige Jahre später wurde in Steyr ein ursprünglich als Zweigstelle gedachtes Werk errichtet. Schließlich wurde aus der Zweigstelle der Hauptsitz und die Produktionsstätten in Wien wurden aufgegeben. Das Werk wurde stetig erweitert und errichte mit dem Ausbau 1897/1898 seinen Höchststand.

Wie den meisten Unternehmen verhalf der 1. Weltkrieg zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Gummiwaren wie Reifen, Kabel, Isoliermaterial und weitere Dinge wurden mehr gebraucht als je zuvor. Jedoch konnte man den Betrieb wie bei vielen anderen der finanzielle Einbruch in der Nachkriegszeit, aus dem sich die Reithoffer Werke nicht mehr erholen sollten. Nach erfolglosen Versuchen in den Nachkriegsjahren, die Produktion wieder anzukurbeln und somit ein Weiterbestehen zu ermöglichen, wurde der Betrieb 1933 geschlossen.

Quelle: Industriegeschichte der Stadt Steyr (Facharbeit aus Geschichte, HTL Steyr, Oktober 2004)

Auch die Reithoffer Werke bieten, wie schon erwähnt, eine gute Möglichkeit, um über die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Steyr zu sprechen, da diese Werke auch lange Zeit mehr als tausend Arbeiter beschäftigten und somit zu den größten Arbeitgebern in Steyr gehörten. Wie viele andere Betriebe mussten auch die Reithoffer Werke mit den schwierigen Bendingungen während der Zwischenkriegszeit kämpfen und schließlich die Arbeit einstellen.

Die Reithoffer Werke vertreten eine, für die Stadt Steyr, eher ungewöhnliche Sparte der Wirtschaft, denn eigentlich ist Steyr ja für eisenverarbeitende Betriebe bekannt. Schon 1832 hatte Josef Reithoffer in Wien mit der Erzeugung von Gummiwaren begonnen. Nach einigen Jahren wurde in Steyr ein zweites Werk errichtet, welches zuerst nur als Filialwerk gedacht war. Doch schon bald entwickelte sich das Steyrer Werk zum Hauptwerk und das Werk in Wien wurde aufgegeben.

Josef Reithoffer baute das Werk stetig aus und so erfolgte in den Jahren 1897/98 ein Ausbau der das Werk zur größten flächenmäßigen Ausdehnung führte.

Während des 1.Weltkrieges erlebte das Unternehmen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Gummiwaren, die für den Krieg gebraucht wurden, waren gefragt wie nie zuvor, denn auch in der Kriegsführung konnte man auf diese modernen Stoffe nicht verzichten. So produzierten die Reithoffer Werke während der Kriegsjahre technische Gummiwaren, Reifen (damals Pneumatiks genannt), gummierte Stoffe, Isoliermatten, Kabel und weitere Dinge.

Wie auch die meisten anderen Steyrer Betriebe schlitterten die Reithoffer Werke aber nach dem 1.Weltkrieg in eine finanzielle Krise. Denn einerseits war die Nachfrage der kriegsführenden Staaten (vor allem natürlich Österreich-Deutschland) innerhalb kurzer Zeit zurückgegangen, andererseits konnten sich in der Nachkriegszeit zivile Personen jene Dinge, bei denen Gummi oder Kunststoffe zur Produktion notwendig waren (Bsp.: Automobile), nicht leisten, ein Faktum, welches die Nachfrage stark sinken ließ.

Hinzu kam, dass aufgrund der extrem hohen Inflation der Nachkriegszeit, das Vermögen, das während des Krieges erwirtschaftet worden war, innerhalb kurzer Zeit kaum noch etwas wert war.

Im Jahr 1923 wurde die, bis dahin offene Handelsgesellschaft „Josef Reithoffers Söhne“, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Während dieser Zeit übte Josef Reithoffer, der Sohn des Firmengründers, das Amt des Generaldirektors aus. Nach seinem Tod am 21.Juni 1928 übernahm Ludwig Reithoffer dieses Amt. Zu dieser Zeit war schon klar ersichtlich, dass die Reithoffer Werke sich in einer extrem schweren Krise befanden.

Durch die sinkende Nachfrage und die schwerwiegenden Probleme der Nachkriegszeit geschwächt, versetzte die Weltwirtschaftskrise dem Betrieb den entscheidenden Schlag. Die Werke wurden schließlich 1932 in die Fabriken, Traiskirchen und Wimpassing, der Semperit AG verlegt. Durch diese Verlegung verloren alle 1000 Beschäftigten ihre Arbeit. Für die Stadt war dies ein sehr schwerer Schlag, da zu dieser Zeit jeder Arbeitslose eine weitere Belastung für die ohnehin geringen Finanzen darstellte.

Anfang des Jahres 1933 wurden die letzten 46 Arbeiter der Reithoffer Werke gekündigt und der Betrieb wurde „für andauernd“ geschlossen.

Quelle: Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Steyr in der 1.Republik (Fachbereichsarbeit aus Geschichte, BRG Steyr, März 2002) von Johannes Wolfgruber, Betreuer: Mag. Peter Trautwein

Diashow der Bilder:

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Die Firma Josef Reithoffers Söhne AG und ihr Werdegang

  • Quelle: Schiller Karl (Mödling) in: Stadt Steyr und der Weltkurort Bad Hall. Berlin-Friedenau: Deutscher Kommunalverlag 1928, S. 89-94

Unmittelbar an der Grenze der Stadt Steyr liegt ein weltbekanntes Unternehmen, die „Gummi- und Kabelwerke Josef Reithoffers Söhne“, die vor kurzem in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und dem Konzern der österreichischen Gummi-Industrie angeschlossen wurden. Es ist eine Tatsache, dass die Geschichte der Familie Reithoffer zugleich auch die Geschichte der Gummi-Industrie Österreichs ist.

  • 1832 begann Josef Reithoffer mit der Erzeugung von Gummiwaren in Wien.
  • Nach dem Tod von Josef Reithoffer 1856 übernahmen die Söhne Robert, Gustav und Moriz das kleine Unternehmen „Josef Reithoffers Söhne“
  • Gründung des Werkes in Steyr-Pyrach geht auf den Umstand zurück, dass für die Sträflinge in Garsten eine passende Dauerbeschäftigung gesucht wurde, was sie in der Fabrik für Schweißblätter und Gummiwebwaren fanden. Dies war eine Art Filiale der Wiener Firma.
  • Aufnahme der Söhne Josef, Moriz, Ludwig, Wilhelm, Karl und Rudolf ins Unternehmen. Sie hatten gute Ausbildungen in der Chemie, Maschinenbau, Organisation und kaufmännischen Angelegenheiten.
  • Ende der 90er Jahre des 19.Jh. begann die Fahrrad-Pneumatik-Erzeugung, auch die Erzeugung von Gummireifen für Lohn- und Privatfuhrwerke begann
  • Anfang des 20. Jh. produzierte das Unternehmen Autoreifen, gummiisolierte elektrische Leitungsdrähte, gummierte Stoffe für sanitäre Zwecke, wasserdichte Kleider, gasdichte Ballonhüllen, technische Gummiartikel, Gummiabsätze und -sohlen.
  • Große Schwierigkeiten nach dem Ende des 1. Weltkrieges in der Beschaffung der Rohstoffe
  • um 1926 hatte die Steyrer Firma mehr als 1000 Arbeiter und 100 Beamte.
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