Anton Spitalsky

(1831 – 1909)

Technischer Direktor der Waffenfabrik ÖWG von 1889 bis 1896

Am 8. Dezember 1831 wurde ein um die Stadt Steyr sehr verdienstvoller Mann in Wittingau in Böhmen geboren: Anton Spitalsky. Spitalsky lernte das Büchsenmacherhandwerk; er diente anfangs bei der Artillerie zuerst in Prag und kam später ins Wiener Arsenal. 1866 trat er als Werkmeister in die Dienste Josef Werndls. Nach dem Abgang des Direktors Karl Holub wurde er Inspektor und nach dem Tode des Generaldirektors Josef Werndl, Direktor der Österreichischen Waffenfabriks-Gesellschaft, als welcher er bis Februar 1896 wirkte. Den Ruhestand verbrachte Spitalsky in seinem Hause in Steyr, Neuluststraße 2 (heute Spitalskystraße 2).
Spitalsky war ein hervorragender Waffentechniker seiner Zeit, ein Fachmann von Qualität, der am Aufblühen der österreichischen Gewehrerzeugung maßgeblich beteiligt war. Er konstruierte ein Repetiergewehr und verbesserte das Werndlgewehr. Spitalskys erfolgreiche Tätigkeit wurde wiederholt anerkannt und geehrt. Nach einer bedeutenden Lieferung für den Staat wurde ihm das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens verliehen, anlässlich ausländischer Lieferungen der Fabrik, der rumänische Kronen- und der portugiesische Christusorden. Spitalsky war auch ein Wohltäter der Armen und Förderer vieler Vereine und Korporationen der Stadt Steyr. Anton Spitalsky, der am 30. Jänner 1909 starb, machte die Stadtgemeinde Steyr zur Universalerbin seines Besitzes und Vermögens. Sein Haus (Neuluststraße 2) führt seither den Namen „Spitalskyheim“. Im Friedhof von Steyr fand Spitalsky seine letzte Ruhestätte. Die Neuluststraße wurde in „Spitalskystraße“ umbenannt.

  • Quelle: Amtsblatt Steyr 1962

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Anton Spitalsky

  • Quelle: Stögmüller Johann: Josef Werndl und die Waffenfabrik in Steyr. Steyr: Ennsthaler 2010; S.321-322

Ein enger Mitarbeiter Josef Werndls war Anton Spitalsky (1831-1909), der nach dem Tod des Generaldirektors in die Direktion des Unternehmens vorrückte. Er war ein hervorragender Techniker, der der Waffenerzeugung eine Reihe von entscheidenden Impulsen gab. Spitalsky wurde am 8. Dezember 1831 in Wittingau (Kuttenberg) in Böhmen geboren. Er lernte das Büchsenmacherhandwerk und diente anfänglich bei der k.k. Zeugsartillerie im Wiener Arsenal, wo er bei der Gewehrerzeugung tätig war. Dort dürfte er Wrrndl kennengelernt haben. 1866 trat er als Werkmeister in die Waffenfabrik ein.

Als Oberwerkmeister der Waffenfabrik Steyr konstruierte Anton Spitalsky 1879 ein Mehrladegewehr mit drehbarem Trommelmagazin, das einer Revolvertrommel mit abgeschnittenem äußerem Teil ähnelt. Ursprünglich war es für sieben, später für sechs Patronen konstruiert. Die Versuchsmodelle besitzen den Lauf der deutschen Jägerbüchse Modell 71 für deutsche Patronen, einige waren für österreichische Patronen eingerichtet. Der Verschluss ist eine Kombination der Systeme von Mauser und Gras. Im Jahr 1882 verbesserte der österreichische Offizier Konrad Ritter von Kromar dieses Gewehr, indem er ein Magazin für acht Patronen mit einer Sperre einbaute, sodass das Gewehr mit Einzelpatronen geladen werden konnte.

Auch Spitalsky verbesserte seine Erfindung und schuf damit das Mehrladegewehr Modell 84, dessen Magazin statt sechs jetzt acht Patronen fasste. Dieses Mehrladegewehr wurde in Frankreich und in der österreichischen Armeeschießschule in Bruck an der Leitha ausprobiert. (Lugs S. 149)

Nach dem Ausscheiden Direktor Holubs (1885) wurde Spitalsky Inspektor der ÖWG und nach dem Tod Werndls Direktor der Waffenfabrik. Infolge seiner angegriffenen Gesundheit trat Spitalsky im Juli 1896 in den Ruhestand. Kaiser Franz Joseph verlieh Spitalsky das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens, außerdem erhielt er den rumänischen Kronen- und den portugiesischen Christusorden. Am 24. August 1894 wurde er zum Ehrenmitglied des Steyrer Bürgerkorps ernannt.

Um 1891 besaßen Spitalsky und seine Gattin Emilie das Haus Berggasse 19, das später in den Besitz der Familie Holub kam. Das Ehepaar baute sich an der Abzweigung der Neuluststraße (später Spitalskystraße) von der Redtenbachergasse eine Villa. Spitalsky war stets ein Wohltäter der Armen und Förderer vieler Vereine und Körperschaften der Stadt. In seinem Testament setzte er die Stadtgemeinde Steyr, welche ihm zur zweiten Heimat geworden war, zur Universalerbin seines beträchtlichen Vermögens von 365.000 Kronen ein. Der Erblasser vermachte darüber hinaus mehreren Vereinen namhafte Beträge und testierte 200.000 Kronen zur Erweiterung und Regulierung der Pfarrgasse, wozu es glücklicherweise nicht kam.

Sein Haus Neuluststraße 2 samt Garten fiel in das Eigentum der Stadt mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Stadtgemeinde den ganzen Besitz stets in ihrem Eigentum behalten und das Haus den Namen „Spitalskyheim“ zu führen habe. Entgegen dieser Verfügung wurde das Grundstück an die Arbeiterkammer verkauft, die 1978 das Gebäude schleifen ließ und bis 1980 das Bezirksstellengebäude errichtete.

Spitalsky starb am 30. Jänner 1909. Er wurde am 2. Februar in einem Ehrengrab der Stadtgemeinde Steyr im zweiten Abschnitt des Taborfriedhofs beigesetzt. Schon am 7. November 1898 war seine Gattin Emilie, geborene von Schlichting und verwitwete Graßner, die er am 12. Dezember 1871 geheiratete hatte, im 50. Lebensjahr gestorben. Die Neuluststraße, die von der Redtenbachergasse zur Aschacher Straße führt, wurde in Spitalskystraße umbenannt.

Quelle: StKal 1897 S. 133, 1900.1910 S. 125; ABl 1962/2, 1987/12; Chronik Bürgerkorps S. 225

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