Otto Schönauer

(1844 – 1913)

Technischer Direktor der Waffenfabrik von 1896 bis 1913

Einer der besten Mitarbeiter Werndls war Otto Karl Schönauer (1844-1913), der 1868 in die Waffenfabrik eintrat.

  • Quelle: Stögmüller Johann: Josef Werndl und die Waffenfabrik in Steyr. Steyr: Ennsthaler 2010

Er übernahm 1896 nach dem Rücktritt des Direktors Anton Spitalsky den Posten des technischen Direktors der Waffenfabrik und bekleidete diese Stelle bis zu seinem Tode. In Fachkreisen erwarb er sich einen besonderen Ruf durch das von ihm 1900 mitkonstruierte Magazin am Armeegewehr „Mannlicher-Schönauer“.

Am 8. Mai 1908 wurde Schönauer Ehrenbürger der Stadt Steyr. In der Laudatio im Buch der Ehrenbürger steht:

„Insbesondere als Direktor war und ist Herr Otto Schönauer unausgesetzt bemüht, den Weltruf dieses Etablissements zu erhalten und zu befestigen sowie durch Erlangung von namhaften Bestellungen auf das von ihm verbesserte Armee-Repetiergewehr Mannlicher-Schönauer Mod. 1900 der Arbeiterschaft Verdienst und der Geschäftswelt in Steyr indirekten Nutzen zuzuwenden. Als Gründer und Oberkommandant der freiwilligen Waffenfabriks-Feuerwehr hat sich Direktor Schönauer auch für das allgemeine Interesse der Stadt, stets vorteilhaft betätigt, und anläßlich der Hochwassergefahren 1897 bis 1899 eine eigene Wasserwehr gegründet. Seit 1896 dem Gemeinderate der Stadt Steyr angehörend, hat Herr Direktor Schönauer als Mitglied der Rechtssektion stets eifrig gewirkt und sich überhaupt allezeit an allen humanitären sowie gemeinnützigen Bestrebungen der Stadt hervorragend beteiligt.“

Schönauer wurde am 27. Oktober 1844 in Reichraming bei Steyr als lediger Sohn einer Magd geboren. Sein Vater Franz Schötl war Nagelschmied und Nebenerwerbsbauer. Von ihm leitete sich Schönauers Spitzname Schötlbauer oder Schödlbauer ab. Er war in der ÖWG und bei Mannlicher unter diesem Namen bekannt. Schönauer bereiste nach der Lehre als Mechaniker die Schweiz. Im Schönauer-Nachlass im Stadtmuseum Steyr sind Zeugnisse der Firma Josef Huber in Steyr vom 13.5.1860 und der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft (SIG) in Neuhaus bei Schaffhausen am Rheinfall vom 9.5.1867 erhalten. Seine Militärdienstzeit verbrachte er bei der Genietruppe in Josefstadt (Josefov), wo ihn Josef Werndl kennen und seine Fähigkeiten schätzen lernte.

Werndl bewog Schönauer zum Eintritt in die Steyrer Waffenfabrik, was am 23. April 1868 geschah. Am 1. Jänner 1869 wurde Schönauer bereits zum Werkführer im Objekt II ernannt. Er war auch als Konstrukteur tätig, denn im Februar 1889 erteilten ihm das Handelsministerium und das Ungarische Ministerium für Ackerbau, Industrie und Handel ein ausschließliches Privilegium auf eine Verbesserung an Repetiergewehren mit von oben einzuführender Paketladung. 1889 wurde Schönauer Oberwerkführer und 1891 Betriebsinspektor. Nachdem der frühere Direktor Anton Spitalsky am 14. Juli 1896 zurückgetreten war, avancierte Schönauer am folgenden Tag zum technischen Direktor der ÖWG, als welcher er bis zu seinem Tod am 16. September 1913 tätig war.

Schönauer erfand viele Verbesserungen für die von der ÖWG hergestellten Schusswaffen, unter anderem ein Magazin mit drehbarer Zubringertrommel im Jahr 1900. Dieses „Schönauer-System“ wurde ab 1903 in mehreren Staaten wie Griechenland und China eingeführt. Es wird heute noch in den Steyr-Jagdgewehren angewendet. Weiteste Verbreitung fand der Scheibenstutzen, der in der ÖWG erzeugt wurde. 1911 dürfte Schönauer die neue österreichische Armeepistole mitkonstruiert haben, die zu den leistungsfähigsten Waffen ihrer Zeit gehörte. Weiters in Betracht als Konstrukteure kommen der Oberingenieur Konrad Murgthaler, H. Bachner oder A. Jungmair.

Als technischer Berater im Schießwesen wurde Schönauer oft in ausländische Staaten berufen. Ebenso trug er zu dem Zustandekommen aller großen Geschäftsabschlüsse der Waffenfabrik mit dem Ausland bei.

Im Steyrer Heimathaus befindet sich eine Patentschrift der Vereinigten Staaten vom Amerika, die er für die Erfindung eines automatischen Zuführgerätes für Reihengussmaschinen erhielt. Das Patent vom 19. März 1901 trägt die Nummer 610.329. Durch viele Jahre war Schönauer Vertreter der Fortschrittspartei Mitglied des Gemeinderates der Stadt Steyr (1896-1911), der ihn nach seinem Rücktritt am 8. Mai 1908 zum Ehrenbürger ernannte. Er war auch langjähriges unterstützendes Mitglied des Männergesangsvereines „Kränzchen“ und schließlich Ehrenmitglied mehrerer Vereine.

Ein großer Verdienst erwarb er sich um die Gründung der freiwilligen Waffenfabriks-Feuerwehr im Jahr 1870, als deren Oberkommandant er seit dem Jahre 1879 wirkte. Sein Werk war auch die Gründung der Wasserwehr in Steyr, der ersten derartigen Einrichtung in Oberösterreich. Schönauer gehörte auch einige Jahre dem Steyrer Gemeinderat an. Als höchste seiner zahlreichen Auszeichnungen erhielt Schönauer 1908 das kaiserliche Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens verliehen. 1908 erhielt er auch das griechische Offizierskreuz des Erlöserordens sowie 1911 dem kaiserlichen chinesischen Orten 4 vom doppelten Drachen. Schönauer ließ sich 1908 vom Wiener Architekten Karl Haybäck eine schlossartige Villa in der Schlüsselhofgasse bauen. Mit seiner Gattin Rosa, geb. Heininger, hatte er drei Töchter: Paula (1877-1962) ist in der Familiengruft begraben, Rosa heiratete 1894 einen Herrn Bichler aus Innsbruck, Hermine ehelichte am 2. September 1899 den Leipziger Fabriksbesitzer Harry Schneider.

Schönauer starb am 17. September 1913. Mit Kundmachung vom 18. September rief Betriebsinspektor Förster der ÖWG die Arbeiterschaft der Werke Steyr und Letten auf, durch Bildung eines Spaliers vom Hause Schönauer bis zum Taborfriedhof dem Toten die letzte Ehre zu erweisen, weil es unmöglich schien, dass alle Arbeiter am Trauerzug mitgehen konnten. Deshalb war am Samstag, 20. September, schon um 12 Uhr Arbeitsschluss und Lohnauszahlung.

Auf seinem Grabstein im I. Abschnitt des Steyrer Taborfriedhofs steht die Inschrift: „Otto Schönauer, Direktor der österr. Waffenfabriks-Gesellschaft, Ritter des Franz-Josef-Ordens, Offizier des griechischen Erlöser- und des chinesischen Drachen-Ordens, Besitzer der Jubiläumsmedaille für 40-jährige Dienstzeit, Ehrenbürger der landesfürstl. Stadt Steyr etc. 1844-1913, Rosa Schönauer 1852-1929, Paula Schönauer 1877-1962“. Nach Schönauer wurde 1922 eine Straße in Steyr benannt, die von der Damberggasse zum Haupttor der Steyr-Werke führt.

Quelle: Stögmüller, S 319-320

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