Josef Diltsch

(1863 – 1931)

Akademischer Maler. Entwickelte Manner-Steffl-Logo. Gemälde der Steyrer Bürgermeister

  • Geboren am 4. Februar 1863 in Scheibbs, Niederösterreich
  • gestorben am 3. Jänner 1931 in Steyr

Meister Josef Diltsch

  • Quelle: Steyrer Zeitung vom 5. März 1931, Seite 3

Ein Mann, obwohl bereits hochbetagt, so doch noch lebensfroh und überaus schaffensfreudig, hat die Augen für immer geschlossen: es ist unser guter alter Meister Josef Diltsch. Eigentlich war ihm der Tod ein Erlöser von einem ziemlich langen schmerzlichen Leiden. Aber dass es nun so rasch gehen werde, hatte niemand erwartet. Deshalb war auch die Nachricht, dass er am Dienstag, den 3. März um halb 2 Uhr früh veschied, überaus überraschend.

Mit Meister Diltsch schied aus den Reihen des Steyrer Bürgertums einer jener, die ihr ganzes Leben nichts anderes kannten als die Arbeit. Am 4. Februar 1863 in Scheibbs in Niederösterreich als der Sohn des Kupferschmiedmeisters Josef Diltsch geboren, kam er in seinem vierten Lebensjahr nach Steyr, wo sich sein Vater in der Sierningerstraße niederließ. Der junge Diltsch besuchte hier die Volks- und Bürgerschule und trat 1876 als Lehrling für Lithographie in die Emil Prietzsche Buch- und Steindruckerei ein, die sich damals im Hauses Haratzmüllerstraße 1, dem jetzigen Zipfer Bierhaus befand. Bereits in seinem 18. Lebensjahr rückte er zum Genieregiment nach Krems a.D. ein, von wo er aber nach kaum halbjähriger Dienstzeit zum sogenannten Militärkomitee am Getreidemarkt in Wien transferiert wurde. Während seines vierjährigen Aufenthaltes in Wien besuchte er mit außerordentlicher Bewilligung der Militärbehörden die Akademie der Bildenden Künste, welches Studium er aber bald wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgeben musste. Er trat dann als Lithograph in die Dienste der berühmten Anstalten Eberle, Waldheim und der kartographischen Anstalt Gustav Freytag in Wien ein. Er verließ 1896 die Stadt Wien. Er kehrte nach Steyr zurück und richtete hier die Buchdruckerei Haas ein, in der er dann durch zwei Jahre tätig war.

Knapp vor der Jahrhundertwende sagte er sich vom Lithografenberuf los und machte sich als Maler selbstständig. Was ihn dazu bewog, hat man nie erfahren. Er hatte die besten gewerblichen Fähigkeiten, war ein ausgezeichneter Graphiker und Lithograph, der der Nachwelt sehr viele bedeutende Werke schenkte, unter anderem als das bekannteste das sehr schön ausgefertigte Gebirgspanorama vom Schoberstein, das auch am Perron des Bundesbahnhofes in Steyr ausgehängt ist.

Als Maler beschäftigte sich Josef Diltsch vornehmlich mit der Porträtkunst, in der er es alsbald zu hohen künstlerischen Fähigkeiten brachte. Vom Porträt des Malers, so sagte er sich, verlangt man, es müsse den Menschen mit Leib und Seele darstellen. Und seine Porträts (Bürgermeister Redl, Gschaider, Wokral, Generaldirektor Josef Werndl, Graf Lamberg, Medizinalrat Doktor Ehrenberger und andere, sie sagten immer: „Das ist ganz.“ Das war sein Zauberwort und mit dem hat es Meister Diltsch auch zu etwas gebracht. Natürlich existieren von ihm noch zahlreiche andere Porträts, wie Bürgermeister Grabner, Primarius Dr. Klotz, der Güterdirektor Kautsch, des Regierungsrates Malitschek, des Fachschuldirektors Pawlitschka, des Buchdruckereibesitzers Bruckschweiger, des Eisenhändlers Gründler d.Ae. Auch Damen der Gesellschaft porträtierte er. Das bekannteste Bild dürfte „die Dame in Gelb“, die Gattin des Medizinalrates Dr. Klunzinger, sein; die Gattin des Rechtsanwaltes  Dr. Hummer, die Gattin des Drogeriebesitzers Samminger in Linz, das Ehepaar Reiter anlässlich der goldenen Hochzeit, die Familie des Großkaufmanns Philipp in Wels, das Ehepaar Hiller. Dieses Bild war eines der letzten, die Diltsch schuf und das bei der Ausstellung der Steyrer Volksskunst im Herbst 1930 ausgestellt hatte. Sein letztes Werk war das Porträt des Bürgermeisters Josef Mayr von St. Ulrich.

In der reichhaltigen Verlassenschaft von Diltsch finden wir zahlreiche gute Landschaftsbilder und gediegene Stillleben. In den letzten Jahren widmete er sich fast ausschließlich der Radierung und seine Spezialität waren die Arbeiten auf Stein. Einige wirklich meisterhafte Werke sind in dieser Ausführung von ihm bereits bekannt und zwar das Porträt Bruckners, die Stadtpfarrkirche mit der Mariensäule, die Michaelerkirche, der Stadtplatz und viele andere Motive aus Alt-Steyr.

Als der Krieg ausbrach, rückte er im Jahre 1915 bei den oberösterreichischen Schützen als Leutnant ein, wurde aber sehr bald an der italienischen Front schwer verwundet, weshalb er nach Steyr zurückkehrte. Hier war er dann aushilfsweiser Zeichenlehrer an der Bundesoberrealschule für den in den Kriegsdienst eingerückten Zeichenprofessor Rixner, ferners wurde er an dem damals noch bestehenden Mädchenlyzeum und auch an der Bürgerschule verwendet.

Am 8. Juli 1918 vermählte er sich mit Fräulein Hermine Pausinger, der Tochter einer erbeingesessenen Steyrer Bürgersfamilie, mit der Meister Diltsch bis zu seinem Tode in glücklichster Ehe lebte. Er war überhaupt ein herzensguter Mensch, ein großer Tierfreund und ob seines feinsinnigen Humors in der Gesellschaft sehr beliebt.

Mitgliedschaft bei Vereinen:

  • Ehrenmitglied bei der Liedertafel
  • Alpenverein – Mitgliedschaft über 40 Jahre lang
  • „Schlaraffia“ Mitgliedschaft über 25 Jahre
  • Turnverein
  • Feuerwehr
  • Steyrer Männergesangsverein

Bei den Renovierungsarbeiten der Kirche St. Ulrich setzte er einige Skulpturen und die Ölberggruppe nahezu kostenlos instand.

1928 unterzog er sich einer Magenoperation, danach konnte er nicht mehr recht gesund werden. Er starb im 69. Lebensjahr in voller geistiger Frische. Das Begräbnis findet am 5. März und halb 4 Uhr nachmittags in der Friedhofsleichenhalle statt.

Diashow:

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Auf ebay: Jugendstilgemälde eines Mannes mit Hut, signiert Josef Diltsch 1912

März 1931: Tod von Josef Diltsch

  • Quelle: Steyrer Kalender 1932

verstorben am 3. März 1931

  • Der akademische Maler Meister Josef Diltsch wurde am 4.2.1863 in Scheibbs geboren,
  • Sohn eines Kupferschmieds.
  • Mit 4 Jahren nach Steyr gekommen, Sierningerstraße
  • 1876 Lehrling für Lithographie bei Prietzel
  • Militärdienst und Besuch der Akademie der bildenden Künste in Wien
  • arbeitete als Lithograph und machte sich als Maler selbstständig
  • Meisterhafte Porträts der Bürgermeister, vieler Privatpersonen, Landschaftsbilder und Stilleben
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Über redtenbacher

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