Alois Lebeda

(1871 – 1953)

Landschaftsmaler und Bürgerschuldirektor in Steyr

  • Quelle: Sperl Hans: Der Landschaftsmaler Alois Lebeda. In: Blickpunkte. Kulturzeitschrift Oberösterreich. 3/94, S. 50-53.

Der Landschaftsmaler Alois Lebeda

13. 7. 1871 bis 11. 1. 1953

Als Alois Lebeda 1941 seine Aquarelle und Federzeichnungen mit Motiven aus dem Salzkammergut auf Postkarten und Briefpapier herausgab – das Papier zwar von minderer Qualität, der damaligen Kriegszeit entsprechend – hatte er vermutlich seinen Landsleuten mehr Freude bereitet, als er dies damals beabsichtigte. Jedenfalls datiert meine Berührung mit seinem Schaffen aus dieser Zeit, als ich von zu Hause an die Feldpostnummer L 22829 LGPA Amsterdam über Bentheim eine Karte mit dem Turm der Kirche von Altmünster nach einer Handzeichnung von Alois Lebeda aus dem Jahre 1925 erhielt.

Damals begann ich, seine Handzeichnungen und Aquarelle auf Postkarten und Briefpapier zu sammeln. Drei davon, „Altmünster – am Traunsee“ und „Motiv aus Altmünster – der Kirchturm“ sind in dem Bildband „Altmünster in alten Ansichten“, herausgegeben vom Europaverlag in Zaltbommel/Niederlande, erschienen und heben natürlich vor allem bei der jüngeren Generation die Frage ausgelöst: Wer war Alois Lebeda?

In seiner Kurzbiographie von Josef Ofner aus Steyr lesen wir: „Geboren am 16. Juli 1871 in Braunau, erst Volksschullehrer unter anderem in Altmünster und Linz, kam nach entsprechender Lehrbefähigung 1905 an die Bürgerschule in Steyr, vom 1. September 1919 stand er dieser Schule als Direktor vor. Am 30. November 1933 trat er nach 42 ½ Dienstjahren in den Ruhestand, war aber im 2. Weltkrieg wieder im Schuleinsatz.

Alois Lebeda, der Hauptschuldirektor, starb am 11. Jänner 1953 in Steyr, betrauert von seinen 9 erwachsenen Kindern, deren Angehörigen und wahrscheinlich auch von manchen Schülern“.

Neben seiner Tätigkeit an der Bürgerschule in Steyr war Alois Lebeda ab 1904 auch als geprüfter Turnlehrer an der k. k. Staatsoberrealschule am Michaelerplatz tätig. Hier musste er während der Sommerfieren 1905 in Vertretung des Direktors Dienst in der Direktionskanzlei verrichten. Im September 1905 – so schreibt der englische Historiker M. Maser in seiner Hitlerbiographie „Adolf Hitler – Legende, Mythos, Wirklichkeit“ – erscheint Hitler in der Staasoberrealschule in Steyr beim Direktor Lebed und meldet sich für die 4. Klasse. Maser schreibt später, dass Hitler zu den besten Schülern Lebedas im Turnen gehörte.

Aus einer offiziellen Anfrage beim Bundesrealgymnasium Steyr geht hervor, dass es stimmt, „dass Herr Lebeda Anfang des Jahrhunderts einige Jahre als Zeichen- und Turnlehrer an der damaligen Realschule Steyr am Michaelerplatz unterrichtete und insbesondere im Schuljahr 1904/05 Adolf Hitler sein Schüler war.

Einer vorliegenden Zeugnisabschrift wird entnommen, dass Adolf Hitler sowohl in Freihandzeichnen als auch in Turnen mit ‚vorzüglich‘ beurteilt worden ist, alle anderen Noten sind schlechter. Lebeda unterrichtete Hitler nur in Turnen. Später war Lebeda Direktor an der Hauptschule an der Promenade und hatte dort 1928 bis 1930 Herrn Altbundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger zum Schüler.“

Dazu Altpräsident Dr. Rudolf Kirchschläger über Erinnerungen an den „Bürgerschuldirektor“ Alois Lebeda: … Ich besuchte die Knabenbürgerschule in Steyr (Promenade) von 1927 bis 1930 wahrscheinlich aber auch in der 1. Klasse (1927/28) unser Fachlehrer für Zeichnen.

Ich sehe ihn noch vor mir: er war eher von kleiner, aber kräftiger Statur, hatte wenig Haare und war verhältnismäßig streng. Ich habe noch aus der 2-A-Klasse eine und aus der 3-A-Klasse mehr als 20 Zeichnungen, Linolschnitte und geometrische Skizzen. Ich habe sie mir heute wieder angeschaut und mit meinen Zeichnungen aus der 1. Klasse Aufbauschule in Horn (1930/31) vergleichen. Die Zeichnungen, die ich unter Direktor Lebeda gemacht habe, sind unvergleichbar besser als die späteren Arbeiten. Dies zeigt meines Erachtens sehr deutlich nicht nur die hohe künstlerische Qualifikation von Direktor Lebeda, sondern auch sein pädagogisches Geschick. Im Übrigen haben selbst damals wir Buben auch bereits seine Aquarelle bewundert.

Ich erinnere mich auch an seine Frau. Sie beaufsichtigte uns Buben, die als ‚Bahnfahrer‘ schon um ½ 7 Uhr früh nach Steyr kamen. Die Braveren unter uns durften bis zum Schulbeginn im Schularten arbeiten. Das war besonders attraktiv gegen Ende des Schuljahres, als die Gartenerdbeeren zu reifen begannen. Frau Lebeda galt – wir Buben sagten auf Grund der 12 Töchter, die das Ehepaar Lebeda angeblich hatte (acht Töchter und einen Sohn. Anm. d. Red.) – als etwas schwerhörig. Sie war aber weniger schwerhörig, als wir Buben meinten hatte vor allem sehr gute Augen. Das schlichte Ergebnis: die Gartenarbeit war leider von kurzer Dauer! ….

Ein Einblick in die noch aufliegenden Personalunterlagen zeigt uns die bewegte Lehrerlaufbahn Lebedas und widerlegt den Historiker Maser, der ihn zum Direktor der Realschule Steyr macht. Lebeda war:

  • provisorischer Unterlehrer an der Kaiser Franz Josef Knaben-Volksschule in Linz (16.9.1890 – 16.9.1891)
  • Aushilfslehrer an der Kaiser Franz Josef Knaben-Bürgerschule in Linz (19.9.1891-2.6.1892)
  • Provisorischer Unterlehrer an der Knaben-Volksschule Baumbachstraße in Linz (23.5.1892 – 7.9.1892)
  • provisorischer Unterlehrer an der öffentlichen Volksschule für Knaben und Mädchen in St. Peter bei Linz (21.11.1892-2.2.1893)
  • provisorischer Unterlehrer an der öffentlichen Volksschule für Knaben und Mädchen in Kronstorf (7.2.1893-2.9.1893)
  • provisorischer Unterlehrer an der öffentlichen Volksschule für Knaben und Mädchen in Taufkirchen an der Pram (10.11.1893 – 10.3.1895)
  • definitiver Unterlehrer in Altmünster am Traunsee an der öffentlichen Volksschule für Knaben (6.6.1895 – 28.7.1898)
  • definitiver Unterlehrer an der öffentlichen Volksschule für Knaben und Mädchen in Hörsching (20.7.1898 – 20.1.1901)
  • definitiver Unterlehrer an der öffentlichen Volksschule für Knaben und Mädchen in Kleinmünchen (21.1.1901 – 30.9.1903)
  • definitiver Unterlehrer der 2. Klasse an der öffentlichen Schule für Knaben und Mädchen in St. Peter bei Linz (1.10.1903 – 18.1.1905)
  • definitiver Bürgerschullehrer an der öffentlichen Knaben-Bürgerschule in Steyr (19.1.1905 – 31.8.1919)
  • definitiver Bürgerschuldirektor an der öffentlichen Knaben-Bürgerschule in Steyr (1.9.1919 – 6.4.1933)

Damit hat er eine Gesamtdienstzeit von 42 Jahren, 6 Monaten und 20 Tagen.

Künstlerische Laufbahn: es fehlt ein Gesamtwerkverzeichnis. Im Museum Steyr werden 58 Druckstücke für seine Postkarten aufbewahrt, 40 Holzschnittplatten und zehn Aquarelle.

Fest steht, dass Lebeda im Schuljahr 1911 – 1912 vom Schuldienst beurlaubt war, um sich an der Akademie der bildenden Künste in Wien zum Zeichenlehrer ausbilden zu lassen.

Ab 1929 mehren sich auch die Berichte in den Zeitungen über erfolgreiche Ausstellungen. So schreibt das Tagblatt am 15. Mai 1929 über eine Propagandaausstellung anlässlich der Tagung des Fremdenverkehrsverbandes in Steyr und bezeichnet Lebeda als den Hausmaler von Steyr, „der mehr als zehn Jahre durch seine Ausstellungen sowohl als auch durch die nach seinen Originalen hergestellten Ansichtskarten, die in vielen Hundertausenden verbreitet sind, sich einen Namen gemacht habe … seine Bilder werden sehr geschätzt und gewertet. 45 davon sind auch über das große Wasser gegangen und nach Nord- und Südamerika gewandert. Der Magistrat Steyr hat im Jahre 1924 die von Lebeda geschaffene Radiermappe von Steyr anlässlich der Heimatschutztagung dem Bundespräsidenten Hainisch als Festgabe der Stadt überreicht. Nach fünfjähriger Pause tritt nun der Meister wieder vor die Öffentlichkeit und gibt Kenntnis von seinem Schaffen und Wirken im Stillen.“

1929 gab es noch eine Ausstellung in Bad Hall. Das Verzeichnis dieser Ausstellung gibt 70 Titel an. Aus einem Verzeichnis aller seiner Ausstellungen, das in Form von Zeitungsausschnitten besteht und von seiner Tochter Frau Wolf in Steyr gehütet wird, geht hervor, dass Ausstellungen schon vor 1929 stattfanden und zwar in Wels, Linz und Innsbruck (1914) sowie 1920 und 1922 in Steyr.

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wollten sowohl das Volksbildungsamt für OÖ als auch das Staatsamt für Unterricht in Wien seine Steyrer Motive für eine Wanderausstellung erwerben, was aber nicht zustande kam. 1926/27 wurden 80 Diapositive nach Lebedas Holzschnitten und Radierungen von Steyr hergestellt und an der Wiener Urania sowie an mehreren Orten Süddeutschlands vorgeführt. 1933 wurde eine Kollektion von Lebedas Radierungen und Holzschnitten für die Weltausstellung in Chicago geschickt.

Volksstimme Nr. 134 vom 6. Dezember 1938: berichtet über die Kunstausstellung des Malers Lebeda in zwei großen Räumen seiner Privatwohnung in Steyr, Spitalskystraße Nr. 8.

Mit seinen Bildern wurde Lebeda zum Heimatmaler von Steyr. Darüber hinaus blieb er stets dem Herkunfstort seiner Frau, Altmünster und dem Salzkammergut verbunden.

 

Alois-Lebeda-Straße

Aufschließungsstraße im Bereich der Christkindlsiedlung.
Beschluss: Juni 1995
Alois Lebeda wurde am 16. Juli 1871 in Braunau geboren, war 1919-1933 Direktor der Bürgerschule in Steyr. Alois Lebeda starb am 11. Jänner 1953 in Steyr. Im Schuljahr 1911 und 1912 war Lebeda vom Schuldienst beurlaubt, um sich an der Akademie der bildenden Künste in Wien zum Zeichenlehrer ausbilden zu lassen. Aber schon vor diesem Zeitpunkt waren viele Zeichnungen, Radierungen und Aquarelle entstanden. Es gab Ausstellungen 1929 in Bad Hall, schon 1914 in Wels, Linz und Innsbruck sowie 1920 und 1922 in Steyr. Mit seinen Bildern wurde Alois Lebeda zu einem Heimatmaler von Steyr. Darüber hinaus bliebt er stets dem Herkunftsort seiner Frau, Altmünster, und dem Salzkammergut künstlerisch verbunden.

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