Georg Ritter von Aichinger

Aichinger(1826 – 1891)

 Begründer der Kronprinz Rudolf – Bahn und Vizepräsident der ÖWG

  • Quelle: Steyrer Nachrichten vom 24.10.1941

 Zum 50. Todestag von Georg Ritter von Aichinger von Dr. Franz Huemer

Am 28. Oktober 1891 starb in seinem Landhause in Hietzing in Wien mein Onkel, mütterlicherseits, Georg Ritter von Aichinger, weiland Generaldirektor der Kronprinz – Rudolf – Bahn.

Geboren am 8. August 1826 in der Stadt Enns als ältester Sohn des Pflegers der Herrschaft Burg Enns, Johann Georg Aichinger, trat er, zuletzt Notariatskonzipient in Haag als Sekretär in den Dienst der Stadtgemeinde Steyr und erwarb sich bald durch Erschließung neuer Einnahmequellen für die Stadt und maßgebende Mitwirkung bei der Gründung der Sparkasse solche Verdienste, dass er mit Gemeinderatsbeschluss vom 31. März 1857 zum Ehrenbürger der Stadt Steyr ernannt wurde.

In den folgenden Jahren beteiligte er sich mit großem Eifer und größtem Erfolge an den Bestrebungen, die die Errichtung einer die Stadt Steyr berührenden Eisenbahn bezweckten.  Urheber dieser Bewegung war der damalige Vizebürgermeister Dr. Jakob Compaß.

1864 trat Aichinger dem Komitee, das sich in Steyr für den Bau einer solchen Bahn gebildet hatte, bei. Er zeichnete gleich mit 1500 Gulden und wurde kurz darauf zum Präsidenten dieses Comitees gewählt.

Am 1. Jänner 1867 wurde er vonn den Konzessionären zum Generaldirektor dieser Bahn ernannt. Er übernahm die gesamte Geschäftsführung und leistete in Wien während der Jahre 1867 bis Ende 1873 auch den Bau und die Inbetriebsetzung sämtlicher Linien der konzessionierten Eisenbahn, wodurch die Kronprinz Rudolf Bahn ins Leben gerufen wurde.

In Anerkennung seiner Verdienste war er bereits im Jahre 1871 durch Verleihung des Ordens der Eisernen Krone ausgezeichnet und den Ordensstatuten gemäß in den Adelsstand erhoben worden.

Aichinger war verheiratet und mit Marie Wickhoff, Tochter des Steyrer Eisengroßhändlers, die er 1854 geehelicht hatte. Von seinen bereits verstorbenen drei Kindern war Marie vermählt mit dem Majoratsherrn Othmar Grafen Überacker; Georg, Dr. juris, Besitzer des Gutes Saxl bei Enns, verheiratet mit Ida Baronin Malsen; Theodor, Doktor der Rechte, starb unverheiratet. Aichinger lag begraben in der Aichingerschen Familiengruft, einer Kreuzgangkapellengruft auf dem Friedhof der Stadt Steyr. (Ergänzung: 1954 wurde das Ersatzgrab angelegt. Siehe: Grabsteinbild)

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Tod von Georg Ritter von Aichinger

  • In: Alpenbote 1.11.1891

Ein Ehrenbürger von Steyr, welcher sich seine Würde durch reichste Verdienste um unsere Stadt erworben hat, ward am 31. Oktober in der Gruft des hiesigen Friedhofes beigesetzt, welche er sich und seiner Familie erbaut hatte. Georg Aichinger war zu Enns als Sohn des fürstl. Auersperg´schen Pflegers alldort geboren, durch seine Mutter war er mit der bekannten Sensenfabrikantens-Familie Pießlinger verwandt. Er hat seine Eltern stets hochgeachtet und geliebt und die Mutter lebte nach dem Tode des Vaters zumeist in seiner Familie. Aichinger studierte das Gymnasium zu Kremsmünster und war ein Schulcollege des dermaligen Abtes und Landeshauptmannes Leonhard Achleuthner. Die juridischen Studien absolvierte  er in Wien und Graz und war nach genommener Rechtspraxis beim Magistrate Steyr und Ablegung der Richteramts-Prüfung einige Zeit juridischer Gehilfe seines Vaters, welcher mittlerweile Notar in dem benachbarten Gerichtssitz Haag geworden war. Als solcher heiratete er Maria Wickhoff, die älteste Schwester unseres unvergesslichen Landtags- und Reichsratsabgeordneten Franz Wickhoff.

Aus dieser Ehe sind zwei Söhne und eine Tochter hervorgegangen. Der jüngere Sohn ist ihm gestorben; der ältere Sohn Georg ist Gutsbesitzer zu Walchen bei Vöcklabruck, die Tochter Maria ist mit Graf Ueberacker, Gutsbesitzer, verheiratet.

Als 1855 die Stelle eines Gemeindesekretäs in Steyr erledigt wurde, bewarb sich Aichinger um dieselbe und erhielt sie auch. In dieser Stellung hat er unermüdlich für das Wohl und Gedeihen der Stadt gewirkt. So hat er die Errichtung der Sparcasse trotz vielfacher Hindernisse durchgesetzt.

In jener Zeit war der Gemeinderat Steyr schon bedeutend durch Todesfälle reduziert worden und ie damalige Regierung wollte durchaus keine Wahlen zulassen. Da hat Aichinger die Ergänzung des Gemeinderates durch Cooption angeregt  und wurde dem auch Folge gegeben. Obwohl aber bereits zum Ehrenbürger 1857 erwählt, wurde er von Manchen vielfach verkannt und auch, man fast sagen, verfolgt. Dies hinderte ihn jedoch nicht, fortzuschreiten auf dem begonnenen Wege.

Als im Jahre 1857 und 1858 die Westbahn erbaut wurde, haben er und der damalige Bürgermeister Anton Haller sich redlich bemüht, eine möglichst nahe an Steyr vorüberführende Trasse durchzusetzen, leider ohne Erfolg.

Aichinger verstand es, Herrn Josef Werndl, der anfänglich zu seinen Gegnern zählte, für seine Ideen zu gewinnen; und weiters sind gar viele der gemeinnützigen Unternehmungen für Steyr dem vereinten Wirken dieser beiden Männer zu verdanken.

Als im Jahre 1865 durch die gleichzeitigen Bemühungen der Länder Kärnten und Steiermark endlich begründete Hoffnungen auf die Erbauung einer Eisenbahn, welche an Steyr vorüberführt, entstanden waren, haben er und sein Schwager Wickhoff unter unablässigen persönlichen Bemühungen das Zustandekommen der Rudolfsbahn vorbereitet und endlich auch durchgesetzt. Damals ging Aichinger als Sekretär des Aktionskomitees nach Wien und man kann wohl sagen, dass er die Seele desselben war. Infolge dieser Verdienste wurde er bei der Constituierung des Verwaltungsrates der Generaldirektor der Rudolfsbahn. Durch Verlegung der Betriebsdirektion der Rudolfsbahn nach Steyr suchte er das Aufblühen der Stadt zu fördern, welche auch hiedurch eine unverkennbare Zunahme an intelligenter Bevölkerung erfuhr.

Die unleugbaren Verdienste, welche sich der Verstorbene um die Gründung und Vollendung der Rudolfsbahn erworben hat, wurden von Sr. Majestät durch Verleihung des Ordens der eisernen Krone  und die damit verbundene Standeserhöhung belohnt. Aichinger nahm seinen Wohnsitz in Wien und es gelang ihm durch glücklich Spekulationen am Anfang der Siebziger Jahre ein bedeutendes  Vermögen zu erwerben.

Als Josef Werndl in der Zeit der allgemeinen Aktiengesellschaften-Entstehung auch seine Waffenfabrik in eine solche verwandelte, stand ihm Aichinger mit Rat und Tat zur Seite und wurde selbst einer der größten Aktionäre der Waffenfabrik und später Vizepräsident des Verwaltungsrates. In Gesellschaft mit Werndl erwarb er auch die Kohlenbergwerke in Wolfsegg.

Als die Verhandlungen wegen Verstaatlichung der Rudolfsbahn begannen, legte Aichinger seine Stelle als Generaldirektor zurück, blieb aber noch eine Zeit lang Vizepräsident des Verwaltungsrates derselben und lebte schließlich als Privatmann teils in Hietzing bei Wien, teils in Salzburg im Aignerthal, teils auf den Wohnsitzen der Kinder.

Als Generaldirektor Josef Werndl nur allzu früh seiner staunenswerten Tätigkeit entrissen wurde, trat Aichinger in den Direktionsrat der Waffenfabriks-Gesellschaft ein und fungierte als solcher durch ungefähr zwei Jahre, trotz bereits eingetretener Kränklichkeit, welche ihn durch heftige Gichtschmerzen oft recht arg quälte. Vor ungefähr einem halben Jahre trat er von dem Verwaltungsrat der Waffenfabriksgesellschaft zurück.

Am Montag, den 19. Oktober 1891 ereilte ihn ein Schlaganfall, bei welchem es anfangs den Anschein hatte, als ob der Kranke sich wieder erholen würde, welcher aber gleichwohl am Mittwoch den 28. Oktober seinen Tod herbeiführte.

Aichinger hatte stets für Notleidende eine offene Hand. Glänzend betätigte er aber seine Großmut durch die „Stipendien-Stiftung“, welche er zum Andenken seines verstorbenen Sohnes Theodor „für Studierende aus Steyr usw.“ mit einem Kapital von 100.000 Gulden errichtete. Diese großmütige Tat wird allein schon seinen Namen kommenden Jahrhunderten bewahren.

Und so ruht er nun in dem Friedhof der Stadt, welcher er so viel genützt hat. Er wird unvergessen bleiben!

Der Sohn trug den gleichen Namen.

Dr.jur. Georg Aichinger

( 1856 – 1928)

Tod von Dr. Aichinger 1928

  • Quelle: Steyrer Kalender 1929, Chronik: Juni 1928

Kronstorf:

Der frühere Besitzer des Herrschaftsgutes Saxlhof, Herr Dr. jur Georg (ritter von) Aichinger ist im 72. Lebensjahr verschieden. Der Verblichene war seinerzeit viele Jahre bergbücherlicher Mitinhaber der Wolfsegg-Trauntaler Kohlenwerks- und Eisenbahngesellschaft, die früher ihren Sitz in Steyr hatte, und entstammte einem alten bayerischen Adelsgeschlecht. Das Gut Saxlhof hat er vor Jahren seinem Sohne Hubert übergeben.

  • Quelle:  Wikipedia, Oktober 2011

Georg Ritter von Aichinger (* 1826 in Enns; † 1891) war Generaldirektor der K. K. priv. Kronprinz-Rudolfs-Bahn. Für seine Verdienste für Österreich wurde er am 31. März 1871 in den Adels- und Ritterstand erhoben. Verheiratet war er mit Maria Wickhoff. Er ließ das Schloss Kassegg für sich und seine Familie erbauen.

Literatur

  • Gotha, Briefadelige Häuser, 1 (1907), S.1.
Geschichte des Saxlhofes und Besitzer Georg von Aichinger
1873, nach dem Tod von Pringle, ging das Anwesen an sechs Käufer: Dr. Johann Hochhauser, Rechtsanwalt in Steyr, Georg Ritter von Aichinger, Generaldirektor der Kronprinz Ludwig Bahn und Vizepräsident der Österreichischen Waffenfabriksgesellschaft, Johann Berger, Juwelier in Steyr, Gustav Gschaider, Kaufmann in Steyr, Georg Pointner, Realitätenbesitzer in Steyr, und Josef Werndl, Generaldirektor der Österreichischen Waffenfabriksgesellschaft. Josef Werndl wird der „Pionier von Steyr“ genannt, weil er in seiner Heimatstadt die damals größte Waffenschmiede Europas führte. Nach dem Tod der fünf Mitbesitzer kaufte Georg Ritter von Aichinger 1889 alle Anteile und wurde damit zum Alleinbesitzer des Saxlhofes.
Franz Fink – der gute Geist des Hauses
„Hier hat sich sehr viel getan“, erinnert sich Franz FINK, der 53 Jahre des Saxlhof verwaltet hat und als „guter Geist“ des Hauses stets das volle Vertrauen seiner Dienstgeber genoss. Franz Fink weiß aus Erzählungen über die jüngere Geschichte vom großen Einfluss der früheren Besitzer des Saxlhofes in der Gegend, vom Aufstieg und Niedergang der Familien, von der Großzügigkeit der Besitzer gegenüber armen Leuten. 1889 hatte Georg Ritter von Aichinger das einzige Telefon in der Gegend, ein Ereignis, das auch in der Nachbarschaft groß gefeiert wurde. Bergab ging es mit dem Saxlhof ab 1919 als Sohn Hubert von Aichinger als Alleinbesitzer auf großen Fuß lebte. Mit vier Pferden fuhr er häufig nach Steyr. Spielte mit großem Einsatz Karten und trank in sagenhaften Mengen Alkohol. Als die Schulden wuchsen, wurde das Vieh vom nahe gelegenen Gutshof verkauft, der Schwiegervater schoss Geld zu, aber auch das reichte nicht. 1936 ging der ganze Besitz an die Linzer Landeshypothekenanstalt.
Frau Marietta von Preleuthner kaufte 1937 das gesamte Anwesen.
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