Anton Forcher

(1894 – 1950)

Arbeiterdichter und Weltenfahrer

  • Quelle: Carl Hans Watzinger: Der Steyrer Arbeiterdichter Anton Forcher. In: Kulturzeitschreift Oberösterreich Heft 1/1987

„Er müsste schon etliche Zeit eine breite Gönnerschaft in der Literatur, bei den maßgeblichen Gelehrten und auch in literarischen Laienkreisen errungen haben, aber es dauert eben lang, bis ein origineller Dichter soweit auch in der Öffentlichkeit bekannt wird.

Zum erstenmal nach seinem Tod ist er in dem zum tausendjährigen Bestand der Eisenstadt Steyr erschienen Buch „Ihre Heimat ist Steyr“ (Watzinger, Verlag Ennsthaler 1980) unter 31 Biographien von Dichtern, Künstlern etc. zu finden.

Zweifellos zählt Forcher, wie seine einzige Buchveröffentlichung, der Lyrikband „Brot aus den Händen der Mutter“ bestätigt, zu den Autodidakten, denen die  – leider – zumeist oberflächlich zugesprochene Ernennung zum Dichter nach kritischen Maßstäben zurecht gebührt. 1937 ist dieser Gedichtband in Wien erschienen.“

Professor Adalbert Schmidt (Uni Freiburg, Ordinarius für Germanistik) würdigte Forcher im 1. Band seiner Literaturgeschichte „Österreich im 19. und 20. Jahrhundert“ ausführlich.

„Mit starker Bildkraft versetzen seine Verse ins ruhige und russige Eisenwerk, auf die pflastergraue Straße … Immer wieder aber heben sich die arbeitsgebeugten Häupter zur freien Schau ins gebeugte Land.“

Gedicht: Dann ging ich in den Krieg…

„Noch saß die Nacht auf Berg und Schorn.

Die Uhr schlug morgens drei.

Da trommte hart am Waldsteg vorn

der Bach im Takt vorbei:

Es haben schon so viele Mann

die Hände am Gewehr;

nun komm ich aus dem Schlaf heran

und rufe dich zum Heer.“

Zu seinem Leben:

Geburt in Steyr als Arbeiterkind, „das nicht immer auf Rosen gebettet war“.  Er war wie sein Vater Arbeiter in den Fabriken. Seinem Gedicht „Zur Wanderung hatte ich einen Knotenstrick“ hat er einige Erinnerungen vorangesetzt.

„Der Büchsenmachergeselle, verarmter Spross eines altösterreichischen Bürgergeschlechts, heiratete eine Dienstmagd. Die Ehe wurde in Steyr geschlossen. Im zweiten Jahr ihres Zusammenseins schenkte die Vorsehung diesem Ehepaar einen Sohn. Das war im Oktober 1894. Wenige Monate, bevor der Bub zur Welt kam, gab der Vater die Arbeit im Waffenwerk Steyr auf. Er war ein Brausekopf … So kam es, dass die Mutter  in ihrer Wehstunde allein war. Die liebe Not stand am Kindbett, nahm den neuen Weltbürger in ihre Arme und blieb ihr für immer treu. Getauft wurde der Ankömmling auf den Namen Anton.

Der Vater kam nach wenigen Wochen wieder heim und war über den Stammhalter außer sich vor Freude. Er arbeitete wieder in Fabriken und nahm die Familie mit. Monteursleben ist ein Wanderleben. Es war eine Wanderung von Fabrik zu Fabrik von Westfalen angefangen. In Altötting in Bayern lernte der Junge zum erstenmal, wie es sich in der Schulbank sitzt. In Landshut an der Isar gab es eine Schule, in der ihm der Wahlspruch seines Lebens beigebracht wurde: „Frische Welt ist gesund“

Später übersiedelte er wieder nach Österreich; In Traisen, Niederösterreich, war er dann die Freude seiner Lehrer, die ihm prophezeiten, dass er gewiss einmal in einer Galgenschlinge schaukeln werde.  Es ging nach Kärnten, Ferlach, dem Heimatort des Vaters. In Klagenfurt ging er in die Bürgerschule und kaufte sich bei einem Antiquariat die dramatischen Werke von Kotzebue. Er begann dann selbst Dramen zu schreiben, die im Abfallkorb landeten. Nach der Schule (14 Jahre) ging er in die Fabrik, um Geld zu verdienen. Mit 17 ging der ungelernte Arbeiter auf die Walz. Nach 2 Jahren kam er wieder heim und ging in die Eisenbude Kienberg-Gaming, NÖ. Später schrieb er dazu ein Gedicht:

„Der Klopfer haut fest an die eichene Tür.

Geh Haudirn, geh, bring was heraus!

Wir tragen die Binkel in Wichs und in Schnür.

Und gibst uns was z´essen, wir danken dafür.“

Während des 1. Weltkrieges verlor er seinen Vater, er selbst überlebte den Fronteinsatz in Serbien, Italien und Russland. Danach ging er auf Weltreisen: Afrika, Südamerika, Paris, Elsass ….

Seine Erinnerungen schrieb er in Versen und in Prosa nieder.

Am 13. Dezember 1950 verstarb Anton Forcher in Steyr; zuletzt wohnte er in der Puschmannstraße 38, Steyr-Münichholz.

aus dem letzten Gedicht im Band „Brot aus den Händen der Mutter“:

„Wir hehlen und bergen uns Güter in Särgen

und loben den Hund, der die Diebe verbellt.

Und stellen mit Bangen, nach letztem Verlangen,

das Licht des Verzeihens ans Ende der Welt.“

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