Johannes Stabius

(1450 – 1522)

Geograph, Astronom, Mathematiker, Dichter, Freund und Förderer Albrecht Dürers

Johannes Stabius, das Genie aus Steyr

  • Quelle: Kalender „hit“ der Hauptschule Ennsleite 2004

Johann Stöberer (latinisiert: „Stabius“) ist ein Genie, das in Steyr geboren wurde. Er wurde ausgezeichnet mit Dichterlorbeer, der ihm von Kaiser Maximilian 1502 verliehen wurde. Nach dem Tode von Conrad Celtis wurde Stabius der Geschichtsschreiber des Kaisers, den er auf all seinen Reisen begleitete. Als der Kaiser 1519 starb, zog sich Stabius vom Hofleben zurück und genoss seine reichen Pfründe als Domdechant zu St. Stephan in Wien. Auf einer Reise nach Graz ereilte ihn am 1. Jänner 1522 unerwartet der Tod.

Große Verdienste von Stabius:

  • Sternenkarte 1515

In Nürnberg erschien 1515 eine wissenschaftliche Publikation ersten Ranges: zwei großformatige Holzschnitte (43 x 43 cm) mit den ersten gedruckten Karten des nördlichen und südlichen Sternenhimmels. Die Autoren waren Johannes Stabius, der Nürnberger Astronom Konrad Heinfogel und Albrecht Dürer, der die Holzschnitte machte.

  • Weltkarte 1515

Im Auftrag von Johannes Stabius zeichnete Albrecht Dürer eine historisch bedeutende Weltkarte. Diese besteht aus zwei Blättern und stellt den ersten Versuch einer perspektivischen Abbildung der Erde dar. Bemerkenswert ist, dass Stabius schon damals die Nilquellen eintragen ließ. Basis dieser Karte war die ptolemäische Weltkarte, welche der heutigen Darstellung der Erde sehr nahe kam. Die Gradpositionen von ehemals wichtigen Orten wurden mit einer Genauigkeit von fünf Minuten berechnet. Diese Erkenntnisse gingen aber mit dem Untergang des römischen Weltreiches verloren. Johannes Stabius brachte sie wieder ans Licht!

  •  Herzkartenentwurf „Stab-Werner-Projektion“

Stabius drängte seinen Freund Johannes Werner, seine mathematischen Studien zu veröffentlichen. In dieser 1514 erschienen Sammelschrift findet sich eine Übersetzung des ersten Buches der Geographie von Ptolemäus. Es wurden auch Fragen der Kartenprojektion und die sogenannte „Stabius Wernerprojektion“ vorgestellt. Das ist ein Gradnetzentwurf, mit dem es möglich sein sollte, Kugeloberflächen der Erde abzubilden. Es ist die erste flächengetreue ebene Darstellung der Erdoberfläche. Sie entsteht, indem man vom gradlinig abgebildeten Nullmeridian nach beiden Seiten die jeweils dem Maßstab entsprechend richtige Länge der entsprechenden Breitenkreise abträgt. Die beiden Bilder des 180-Grad-Meridians, die diese Breitenkreise einhüllen, bilden dann die charakteristische Herzform.

Bildershow:

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Mindmap

zu allen Persönlichkeiten rund um Johannes Stabius auf folgender Adresse:

http://de.inforapid.org/index.php?search=Johannes%20Stabius  (Feb.2012)

Stabius

(* um 1460 in Hueb bei Steyr, Herzogtum Österreich; † 1. Januar 1522 in Graz) war ein Humanist, Naturwissenschaftler und Historiograph.

Herkunft und Werdegang

Johannes Stabius (Stab, Stöberer) wurde in Hueb, einem nicht näher identifizierten Ort bei Steyr in Oberösterreich, mutmaßlich als Sohn eines Forstknechts geboren. Über seine Jugendzeit gibt es sonst nur die Nachricht, dass er in Schlettstadt zur Schule ging. 1484 erwarb er das Baccalaureat an der Universität Ingolstadt. Nach Wanderjahren, die ihn u. a. nach Nürnberg und Wien führten, lehrte er seit 1498 als Professor für Mathematik in Ingolstadt. Konrad Celtis, den er 1492 kennengelernt hatte, holte ihn 1497 (nach anderen Quellen 1503) an die Universität Wien. Dort gehörte Georg Tannstetter zu seinen Schülern. Dieser fügte 1514 seiner Ausgabe astronomischer Tabellen auch eine Geschichte der Wiener Mathematiker und Astronomen bei: Viri mathematici. Darin bezeichnete er sich als Schüler von Stabius und führte dessen „mathematische Erfindungen“ an.

Noch im Sommer desselben Jahres trat Stabius jedoch in den Dienst Kaiser Maximilians I., den er auf Reisen begleitete und den er in wissenschaftlichen und literarischen Fragen beriet. Die Universität rückte deshalb bald in den Hintergrund.

Stabius als Literat und Historiker

Stabius war mit zahlreichen humanistisch gebildeten Gelehrten und Poeten wie Ladislaus Sunthaym oder Jakob Mennel bekannt sowie mit Albrecht Dürer befreundet. Dürer hat sein Wappen gestaltet und ihn mehrmals
portraitiert. Er betätigte sich selbst auch als Dichter. 1502 wurde er deshalb von Celtis zum poeta laureatus gekrönt. Er trat mit Oden auf den Kaiser und auf österreichische Landesheilige hervor und entwarf zusammen mit Willibald Pirckheimer das allegorische Grundgerüst zu Triumphzug und Ehrenpforte, in denen das politische Konzept Maximilians I. propagiert wurde. Beispielsweise stammen die Verse zur Ehrenpforte, die Albrecht Dürer illustrierte, von Stabius.

Daneben betätigte er sich als Herausgeber oder Beiträger zahlreicher humanistischer Werke und besorgte eine Ausgabe des Jordanes. Unkritische historische Forschung lehnte er ab und entlarvte die Werke des Johannes Trithemius als teilweise frei erfunden. Stabius arbeitete mit Ladislaus Sunthaym und Konrad Celtis am offiziösen habsburgischen Geschichtswerk mit und erstellte unter anderem eine Genealogie der Habsburger auf Quellenbasis.

Stabius scheint auch gute Beziehungen zum Kloster Reichenau unterhalten zu haben. Jedenfalls lieh er bei einem Besuch für Johannes Cuspinian eine karolingische Sammelhandschrift mit Texten der Kirchenväter aus (die seitdem verschollen ist).

Stabius als Geograph

Seine bedeutendste Leistung erbrachte er aber auf dem Gebiet der Kartographie mit der ersten flächentreuen Darstellung der Erdkugel. Diese sogenannte stab-wernersche herzförmige Projektion wurde zwar erst 1514 durch Johannes Werner (1468-1528) im Druck veröffentlicht, aber bereits von Martin Waldseemüller für seine Weltkarte von 1507 verwendet. Wie Johannes Werner selbst bekannte, stammt der Hauptanteil an dieser, erstmals über die Darstellungsmethode der Antike hinausgehenden Neuerung, von Stabius. Sie fand in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts häufige Anwendung, wurde dann aber von der Mercator-Projektion abgelöst.

Auch der Berechnung von Sonnenuhren liegt eine ähnliche Projektionsaufgabe zugrunde. Zusammen mit Johannes Werner berechnete er die Sonnenuhr am Ostchor der Lorenzkirche in Nürnberg.

Die letzten Jahre

Obwohl Stabius Geistlicher war – er hatte eine ergiebige Pfründe am Stephansdom – wurde er wegen seiner Leistungen 1515 von Maximilian zum Ritter geschlagen. Nach dem Tode des Kaisers 1519 trat er noch für kurze Zeit in die Dienste Ferdinands von Habsburg, dem späteren Kaiser. In dieser Zeit hielt er sich meist in Augsburg, Ingolstadt oder Nürnberg auf. Er starb am 1. Januar 1522 in Graz.

Johannes Stabius

Einer der bedeutendsten Söhne der Stadt Steyr

Astronom, Geschichtsschreiber und Geograph

  • Quelle: Steyer Kalender 1956, S. 109-116 (Autor: Dr. Friedrich Steinbock)

„An der Wende zur Neuzeit hat, von Steyr ausgehend, ein Mann seinen Bildungsgang angetreten, der ihn als Hofgeschichtsschreiber und Reisebegleiter bis an die Seite Kaiser Maximilians, des „letzten Ritters“,  emporführte. Es ist dies Johannes Stabius, einer der bedeutendsten Humanisten seiner Zeit, Österreichs erster Kartograph, als Mathematiker und Astronom ebenso bedeutend, ein Mann, der sich nie Rast und Ruhe gönnte und dessen Arbeit wert ist, dass sie in der österreichischen Geistesgeschichte entsprechend gewürdigt wird.“

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Über redtenbacher

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2 Antworten zu Johannes Stabius

  1. Dr. Harald stöberer schreibt:

    Ein sehr guter historisch fundamental entwickelter Beitrag – gratuliere!
    Dr.Harald Stöberer

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