Nikolaus Lindtwurm

(verstorben 1651)

Bedeutender Meistersinger in Steyr

  • Bürgerrecht von Steyr 1599 erhalten
  • Eheschließung 1611
  • Hausbesitzer von Pfarrgasse 7 ab 1616
  • Auswanderung nach Colmar, Elsaß 1627 im Zuge der Gegenreformation

Hausgeschichte von „Pfarrgasse Nr. 7“

Das Haus Pfarrgasse Nr. 7 wurde in die Fassadenaktion des Jahres 1974 einbezogen und zeigt eine einfache, dennoch reizvolle doppelgiebelige Vorderseite. Die Besitzer der Häuser am „Kirichberg“ waren nicht mit dem Reichtum ausgestattet wie ihre Zeitgenossen am Stadtplatz und am Grünmarkt, daher zeigen die Fassaden der Behausungen in der Pfarrgasse weniger dekorativen und kaum welchen figuralen Schmuck.

Der Besitzer dieses Hauses hatte im 15. Jahrhundert seine Dienste am Stadtpfarrkirchenamt zu leisten. Der Steyrer Bürger Hans Wiener, verheiratet mit Margarete der Witwe des Erhard Lueger, kaufte 1432 dieses Haus. In dem Kaufbrief vom 19. Oktober 1478 – das Nebenhaus betreffend – wird als Besitzer des Hauses Pfarrgasse Nr. 7 ein gewisser Eberhard ausgewiesen.

Von der Witwe Barbara Eysner, die das Haus von 1479 bis 1516 innehatte, ging das Haus an den Tischler Hans Pösl über. Auf ihn folgten der Kürschner Hans Käsberger (bis ca.1578) und mit Valentin Ranz (bis ca. 1598) wiederum ein Tischler.

Der nächste Besitzer war der Bortenschlager – Erzeuger von Randbesatz an Kleidern – Nikolaus Lindtwurm. In Steyr sind um 1542 vierunddreißig Meistersinger nachzuweisen, von denen der Ahlschmied Severin Kriegsauer und Nikolaus Lindtwurm die bedeutendsten waren. Besonders in den Sechzigerjahren stand der Meistergesang in der Eisenstadt in höchster Blüte. Der aus Essen stammende Lorenz Wessel schrieb 1562 die „Tabulatur Vnndt Ordnung der Singer in Steyr im Landt ob der Enns gelegen“ und ein Loblied auf die hiesigen Meistersinger.

Nikolaus Lindtwurm bekam im Jahre 1599 das Bürgerrecht verliehen und am 2. Jänner 1611 verehelichte er sich mit Barbara Stremberger, der Tochter des Müllers Hans Stremberger aus Gutenberg in Böhmen. Dieser Ehe entstammten drei Kinder – Juliana, Urban und Georg. Am 2.Dezember 1616 erwarb Lindtwurm das Haus Pfarrgasse Nr. 7. Nikolaus Lindtwurm stand im ganzen oberösterreichischen Raum als Meistersinger in hohem Ansehen. Der berühmte Welser Meistersinger Peter Freudenlechner widmete ihm sogar am 21. Juni 1600 ein Meisterlied. Im Zeitraum von 14 Jahren führte Lindtwurm sieben „Singschulen“, d.s. festliche Gesangsveranstaltungen im Rathaus, auf. Lindtwurm geißelte in seinen Werken die Schwächen seiner Zeitgenossen, so dass im Jahre 1612 vom Rat der Stadt Hans Mischer mit der Aufsicht über die Lindtwurmschen Singschulen beauftragt wurde. Im Liede „Das gerechte Urteil“ vom 20. Jänner 1616 besingt Lindtwurm einen Steyrer Apotheker, dem das Ross eines Grazer Kaufmannes eine zum Auskühlen in den Hof gestellte Arznei austrank. In der Gegenreformation nach dem 8. Mai 1627 musste Lindtwurm als Protestant die Stadt verlassen. Er fand in Kolmar im Elsass seine neue Heimat. Er starb dort um 1651. Seine Verlassenschaftsabhandlung in Steyr wurde erst 1687 abgeschlossen!

Der Meistergesang in Oberösterreich

Autor: Karl Mitterschiffthaler

Quelle: http://www.ooegeschichte.at/uploads/media/Meistersang_in_Oberoesterreich.pdf

Der Bortenschlager Nikolaus Lindtwurm erwarb 1599 in Steyr das Bürgerrecht. 1611 ist seine Eheschließung bezeugt und 1612 die Taufe einer Tochter. 1616 erwarb er in der Pfarrgasse ein Haus. Am 21. Juni 1600 widmete ihm P. Freudenlechner ein Meisterlied. Lindtwurm war im Jahr 1600 gemeinsam mit Peter Eckhart an dem für die Osterfeiertage von den Kürschnergesellen vorbereiteten Drama vom König Jophata beteiligt; dieses wurde jedoch wegen der Vorfälle bei den Proben von der Stadtobrigkeit untersagt. Ein besonderes Anliegen war ihm das Abhalten von Singschulen. Siebenmal, am 4. Juni 1601, 1. April 1602, 20. März 1606, 28. März 1608, 30. Dezember 1609, 15. Juni 1612 und am 26. März 1614, wurde ihm vom Rat der Stadt die Genehmigung zur Veranstaltung von Singschulen erteilt. Dabei hatte er darauf zu achten, dass „Verdrießliches oder Unglimpfliches, darauf die Deputierten fleißig Acht geben sollen, nicht eingemenget werde“. Das deutet auf das besondere Vertrauen, das der Rat ihm in dieser Zeit entgegenbrachte, als die Prädikanten und protestantischen Lehrer vertrieben waren und jede öffentliche Aktivität protestantischer Bürger argwöhnisch beobachtet wurde. Zumindest zwei Töne, die Starke Lindwurmweis und die Rührende Rösselweise, sind von ihm überliefert. Diese wurden auch bei Singschulen in Augsburg vorgetragen. Von seinen Dichtungen sind nur vier Lieder überliefert. Weitere waren vielleicht in den verlorenen Liederhandschriften seines Zeitgenossen P. Heiberger enthalten. 1616 verfasste er ein Lied, das als letztes poetisches Zeugnis des Meistersangs in Steyr gilt. Unter dem massiven Druck der Gegenreformation musste er schließlich 1627 wegen seines Bekenntnisses zum Protestantismus Steyr verlassen. Vermutlich ist er nach Kolmar gezogen, da sich seine in Steyr geborenen Söhne Urban und Georg am 25. Februar 1651 aus Kolmar mit einem Schreiben an den Steyrer Magistrat wandten.

Nikolaus Lindtwurm, Bortenschlager und Meistersinger zu Steyr

  • Quelle: Steyrer Kalender 1956, S. 93-108 (Autor: Josef Ofner)

Steyr war eine bedeutende Pflegestätte des Meistergesanges in Österreich. Als Ahnherr des Steyrer Meistergesangs wird Heinrich von Ofterdingen bezeichnet, von dem bisher die Anwesenheit in Steyr selbst noch nicht nachgewiesen werden konnte.

1562 besuchte der Kürschner Lorenz Wessel aus Essen die Stadt Steyr. Er nannte in einem Liede die 13 Mitglieder der Singschule Steyr namentlich.

Von den 34 nachweisbaren Meistersingern, die sich entweder dauernd oder nur vorübergehend in Steyr aufhielten, verdient der Bortenschlager Nikolaus Lindtwurm besondere Erwähnung.

Im Jahre 1599, als in Steyr gerade die Gegenreformation im Gange war, wurde Lindtwurm, nachdem er sich beim Rate vorgestellt und seinen Lehrbrief vorgewiesen hatte, das Bürgerrecht zuerkannt. Er vermählte sich am 2. Jänner 1611 mit Barbara Stremberger, Tochter des Müllners Hans Stremberger zu Kuttenberg in Böhmen. Dieser Ehe entstammten die Kinder Juliana (1612 in Steyr getauft), Urban und Georg.

In seinem kleinen Betrieb (ab 1616 das Haus in der Stadt, obere Zeile, oberes Viertel – Pfarrgasse 7) arbeitete er wahrscheinlich nur mit einem Gesellen.

Als Meistersinger muss er im Land ob der Enns in großem Ansehen gestanden sein. Ihm zu Ehren dichtete der berühmte Freudenlechner (aus Wels) ein Lied.

Besonders verdient machte sich Lindtwurm als Veranstalter von Singschulen. Innerhalb von 14 Jahren holte er sich dazu vom Rat 7x die Genehmigung.

Auswanderung:

Als am 8. Mai 1627 den Protestanten in Steyr abermals eine Frist zur Bekehrung festgesetzt wurde, nahm Lindtwurm Abschied von der Eisenstadt. Der genaue Zeitpunkt ist nicht mehr feststellbar. Doch er erfolgte zwischen dem 12. Juni und 31. Dezember 1627, was durch eine Notiz im „Exulantenverzeichnis“ hervorgeht.  Dort heißt es:

„Niclaß Lindtwurmb, Schniermacher, hat sein Zehnten Pfennig nach Linz und der Stadt richtig gemacht…“

1616 schrieb Niclass Lindtwurm diesen Gesang:

„Nun höret feine eine Gschicht sich zu truge, allhier in dieser State begeben hate.

Ein Appodecker macht ein Julip (=Arzneitrank) an mit fleiß in ein schaff, reine, und  setzt den selben kluge, in seinem hoff gar eben“

 

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