Wolf Madlseder

(hingerichtet 1627)

Stadtrichter und Bauernkriegsführer

Die Anführer des Bauernkrieges 1626 und ihr Schicksal

Achaz Wiellinger von der Au, Besitzer des Wasserschlosses Aistersheim, trug nach Stefan Fadingers frühem Tod bis zum bitteren Ende des Bauernkrieges die Verantwortung. Er wurde am 26. März 1627 am Linzer Hauptplatz hingerichtet. Gemeinsam mit ihm starben auch zwei Steyrer Bürger, die beide auf der Seite der Bauern standen: der Stadtrichter Wolf Madlseder – ein überzeugter Protestant – und der Advokat Lazarus Holzmüller. Madlseder soll etwa den Befehl erteilt haben, die Stadttore von Steyr den aufständischen Bauern zu öffnen und diesen Zutritt zur Stadt zu gewähren. Auch Stefan Fadinger war im Jahre 1626 Gast des Wolf Madlseder in Steyr.

Die auf der Seite der Bauern kämpfenden Hans Hausleitner – Pfleger von Parz und Landgerichtsverwalter von Grieskirchen –, Hans Vischer, Balthasar Mayr, Tobias Angerholzer, Kilian Haizenauer aus Losenstein und der Stadtschreiber aus Steyregg, Georg Hoffmann, wurden ebenfalls hingerichtet.

Das Madlseder-Haus (Stadtplatz 39)

In Dehios Handbuch der Kunstdenkmäler, Band Oberösterreich, lautet die mit einem Sternchen versehene kunsthistorische Würdigung des Hauses Stadtplatz Nr. 39: „Doppelgiebelhaus mit bemerkenswertem Renaissance – Hof 1579 mit eigenartiger Bogenbildung (’style rustique‘); vegetabile Kratzputzornamentik an den Bogen. Unter dem Dach Holzloggia. Im Hinterhaus ein rechteckiger, heute in der Mitte abgeteilter, ehemaliger protestantischer Betraum mit weitem Netzrippengewölbe“. Das heutige Gebäude entstand durch den vermutlich 1579 erfolgten Zusammenbau von zwei Häusern. Aus dieser Zeit stammen auch die reizvollen Sgraffitos, sie sind die ältesten im Stadtgebiet. Nach der Vereinigung der Häuser gehörte der Besitz hauptsächlich Familien, die im Eisenhandel tätig waren: Madlseder (Matlseder), Köberer, Schinnerer, Schöttl, Redtenbacher, Wolfartsberger, Hofer.

Das Kunstgeschichtlich berühmte Haus ist aber auch in historischer Hinsicht von Bedeutung.

Stadtrichter Wolf Madlseder, der das Gebäude in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts besaß, stand 1626 ganz auf Seite der aufständischen Bauern. Stephan Fadinger fand bei ihm gastliche Aufnahme. Am 26. März 1627 wurden er und der Steyrer Advokat Dr. Lazarus Holzmüller wegen Teilnahme an der Bauernerhebung in Linz enthauptet.

Der Kampf der Witwe Regina Madlseder um ihr Erbe:

  • Quelle: Ilse Neumann: Einer ehrsamen Wittib demütig Bitten. In: Steyrer Kalender 1956

Bauernkrieg 1626

Die Bauern ziehen plündernd von Stadt zu Stadt und scheinbar unaufhaltsam, vernichten sie alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Als sich dieser Heerhaufen näher an Steyr heranschob, beschloss der Stadtrichter Wolf Madlseder, mit den Bauern zu verhandeln und durch freiwillige Übergabe der Stadt an Stephan Fadinger die Plünderung zu verhindern. Er tat dies umso lieber, als ihm – als Protestanten – die Sache der Bauern sicher gerecht erschien. Am Tage nach der Übergabe wurde die gesamte Bürgerschaft vor dem Rathaus zusammengerufen, wo sie den Bauern den Treueid leisten mussten. Den Preis für die kampflose Übergabe und den Treuschwur der Bürger bezahlte Wolf Madlseder, als nach dem Tode Stephan Fadingers der Aufstand der Bauern ein unglückliches Ende nahm. Er wurde der Ketzerei und des Hochverrats angeklagt, gemeinsam mit anderen Rebellen nach Linz gebracht und sein gesamtes Vermögen beschlagnahmt. Nach peinlichen Befragungen auf der Folter wurde er für schuldig befunden und am 26. März 1627 in Linz hingerichtet. Gleichzeitig erlitt noch ein zweiter Steyrer, Dr. Holzmüller, dieses Schicksal. Beiden wurde der Kopf abgeschlagen und der Körper gevierteilt. Als Warnung für alle Verräter wurden die Köpfe aufgespießt, vor dem Rathaus in Steyr aufgestellt und die Viertel auf die Landstraßen verteilt.

Regina Madlseder

Nach der Hinrichtung ihres Ehemannes Wolf Madlseder verarmten Regina Madlseder und ihre sechs unmündigen Kinder völlig. Gleich nach dem Tod des Ehemannes begann der zähe Kampf der Witwe um ihr persönliches Eigentum und das Erbe ihrer Kinder.

Eineinhalb Jahre lang musste die Frau den Kopf ihres Mannes auf dem Spieß vor dem Rathaus sehen und wusste die Teile seines Körpers auf den Landstraßen verwesen. Sie hatte alles verloren, was eine wohlsituierte Bürgersfrau der damaligen Zeit besaß. In den Verlassenschaftsakten ist es genau aufgelistet, was sie hatte und was konfisziert wurde:

  • Silbergeschmeidt
  • Silberne Kandeln
  • Vergoldete Becher
  • Versilberte und vergoldete Trinkschiffe
  • Bestecke,
  • Knöpfe
  • Messing- und Kupfergeschirr
  • Irdene Krüge
  • Teppiche
  • Möbel
  • Bettzeug
  • Kleider, Wäsche, Stoffe
  • Spitzenverzierte Schlafhauben

Der Schätzwert betrug ungefähr 825 Gulden. Nur einige Gegenstände blieben bei ihr zur „unvermeitlichen Notdurft“ (Betten, Wäsche, Hausrat)

Konfisziert wurden

  • das Haus am Stadtplatz,
  • der Stadel in Reichenschwall,
  • das Haus außerhalb der Stadt,
  • der Garten in Pyrach und
  • der Krautgarten vor dem Gilgentor.
  • Ebenso wurde eingezogen das mütterliche Erbe, das sich Wolf und sein Bruder Hanns Adam Madlseder teilen mussten,
  • die Dienstleistungen der Pächter
  • die Schuldbriefe und
  • das Pferd im Wert von 30 Gulden.

Gesamtwert des Besitzes: 8906 Gulden 7 Kreuzer

Die Witwe bombardiert einflussreiche Persönlichkeiten und sogar den Kaiser mit Bittgesuchen, damit das von ihrem Mann begangene Unrecht nicht an ihr und ihren unschuldigen Kindern gerächt würde.

Im Gesuch an den Kaiser ersucht sie auch um die Entfernung des Kopfes ihres Mannes und des Viertels. Außerdem ist sie zur katholischen Religion zurückgekehrt und werde dieser mit großer Treue anhängen.

Am 22. September 1628 erhielt Regina Madlseder die kaiserliche Erlaubnis, den Kopf ihres Mannes abnehmen zu lassen und die Viertel zu sammeln. Nach 1 ½ Jahren konnte sie ihm ein christliches Begräbnis geben. Ihre wirtschaftliche  Lage war aber nach wie vor katastrophal. Nur kleine Unterstützungen von der Stadt und einiges von Freunden hielt sie über Wasser.

In der „Crida-Verhandlung“ zählten alle Gläubiger ihre Forderungen auf.

Am 20. Februar 1629 beschloss der Stadtsenat, die Witwe Madlseder endlich auszubezahlen, was aber bei der schlechten Finanzlage der Stadt nicht möglich war. Sie erhielt erst 1630 einen Teil davon.

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