Dr. Heinrich Seidl

(1884 – 1962)

Holzschnittkünstler, Biologieprofessor, Natur- und Volkskundler

  • Geboren am 22. September 1884 in Steyr
  • Gestorben am 23. September 1962 in Steyr

Einer längst vergessenen und als Künstler kaum bekannten Persönlichkeit widmet die Galerie Steyrdorf seine aktuelle Ausstellung (2011). Gemeinsam mit dem Stadtarchiv Steyr zeigt Galerist Erich Fröschl ausgewählte Arbeiten des 1962 verstorbenen Biologieprofessors Heinrich Seidl.

Quelle: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/art68,724579,B (Sept.2011)

Seidl wurde am 22. September 1884 als Sohn des Kaufmannes Hermann Seidl und der Künstlerin Ida Kriegshaber in Steyr geboren. Obwohl er sich unter dem Einfluss der Mutter schon als Kind für Kunst zu interessieren begann und ab seinem vierten Lebensjahr immer wieder Zeichnungen anfertigte, brachten erst die Jahre um 1917 den Mut und die Kraft, sich intensiv mit der Graphik auseinanderzusetzen. Ausschlaggebend war die Begegnung mit dem späteren Kunstprofessor Richard Faulhammer.

Nach den entbehrungsreichen Jahren an den Fronten des ersten Weltkrieges nützte Seidl die Jahre zwischen 1919 und 1939 und goss sein kreatives Füllhorn in unzähligen Arbeiten freizügig aus. Den Anfang setzte er mit einer Serie von Holzschnitten, die er „Albanische Mappe“ titulierte. Es folgte eine Flut an Holzschnitten, die sich durch Originalität, Qualität, Humoristik und Präzision auszeichnen. Bis zum Ende seines Schaffens im Jahre 1962 sollten es rund 260 Werke werden, wobei Skizzen und Zeichnungen nicht mit eingerechnet sind.

Die Ausstellung in der Galerie Steyrdorf findet anlässlich des sechsten Treffens der österreichischen „Ex Libris Gesellschaft“ in Steyr statt. Gezeigt werden auch Werke von Josef Werner. Vernissage ist bereits heute Freitag, 30. September, um 19 Uhr. In der Folge ist die Schau bis 31. Oktober zugänglich. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag von 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Nachruf:  Dr. Heinrich Seidl

Am 28. September 1962 haben wir auf dem Steyrer Friedhof einen Mann zu seinem Grabe begleitet, dessen Andenken in den Herzen aller, die ihn kannten, stets wach bleiben wird: Dr. Heinrich Seidl. Am 23. September, einen Tag nach Vollendung seines 78. Lebensjahres, hat der Tod diesem allem Schönen und Edlen gewidmeten Leben ein Ende bereitet, das von seiner Geburt bis zu seinem Tod seiner Vaterstadt Steyr verbunden war.

Heinrich Seidl wurde am 22. September 1884 als Sohn eines Steyrer Kaufmannes geboren. Er besuchte die Steyrer Oberrealschule, an der er 1903 maturierte, um sodann, dem Zuge seines Herzens folgend, nachdem er seiner Militärpflicht Genüge getan hatte, zuerst an der Universität in Wien und dann in Graz Naturwissenschaften zu studieren. Nachdem er 1910 auf Grund seiner Dissertation über die zentralasiatischen Trikladen zum Dr. phil. Promoviert worden war und die Lehramtsprüfung abgelegt hatte, kehrte er an seine alte Mittelschule zurück, um an ihr, die später in ein Bundesrealgymnasium umgewandelt wurde, als Professor seinen Schülern die Geheimnisse der Natur zu erschließen. Seine ihn sein ganzes Leben begleitende Liebe zur Natur ließ ihn nicht nur immer tiefer in deren geheimnisvolles Walten eindringen, sondern auch bald erkennen, wie notwendig es ist, sie gegen ihre aus Gedankenlosigkeit oder Gewinnsucht verübte Entstellung zu schützen. Seit 1910 war er im Naturschutz tätig und wurde Korrespondent des Denkmalamtes. Den ersten Weltkrieg machte er als Artillerieoffizier mit und widmete sich nach seiner Rückkehr wieder, außer seinen Lehr- und Erziehungsaufgaben, dem Natur- und Landschaftsschutz im Verein Heimatpflege in Steyr. Die Belange des Naturschutzes unseres Landes hätten keinen würdigeren Anwalt finden können als Dr. Heinrich Seidl. Er wurde im Jahre 1946 mit der Aufgabe des Naturschutzbeauftragten für das Land Oberösterreich betraut und konnte in dieser Stellung gerade in dem ihm besonders am Herzen liegenden Ennstal eine ungemein segensreiche Tätigkeit entfalten.

Dr. Heinrich Seidl hat in zahlreichen kulturellen Vereinigungen sein reiches Wissen zur Verfügung gestellt und hat auch an den Bestrebungen der Arbeitsgemeinschaft für Heimatpflege im Oö. Volksbildungswerk regen Anteil genommen. In zahlreichen Vorträgen hat er als feinsinniger Redner seine Gedanken stets seinen Zuhörern nahegebracht. Allen Teilnehmern an der Tagung für Denkmalschutz und Heimatpflege in Mauerkirdien wird sein Vortrag unvergesslich bleiben.

Dr. Heinrich Seidl entfaltete auch eine rege wissenschaftliche schriftstellerische Tätigkeit. Seine bis zum Jahre 1953 veröffentlichte Bibliographie (Biographisches Lexikon von Oberösterreich) verzeichnet 102 Aufsätze, welche die Gebiete der Naturwissenschaft, des Naturschutzes und der Denkmalpflege umfassen. Außerdem hat er an einer Reihe von Sammelwerken mitgearbeitet und für Schul- und Volksbildungszwecke zahlreiche Diareihen und Lehrtafeln verfasst. In Anerkennung seiner Tätigkeit hat ihn 1957 die Oö. Landesregierung zu ihrem Wissenschaftlichen Konsulenten ernannt und ihm 1958 der Bundespräsident das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Längst hatte er seine Tätigkeit als Naturschutzbeauftragter niedergelegt, aber immer noch war er um die Erhaltung des Kulturgutes der Heimat besorgt.

Obwohl er schon längst seinen Siebziger überschritten hatte, fuhr er noch mit seinem Moped, seiner Suche nach Marterln nachgehend. Dabei kam er vor zwei Jahren zum Sturz und von da an erholte er sich nicht mehr richtig. Ebenso schrieb er mir in jener Zeit, wohl schon schwer durch einen erlittenen Schlaganfall behindert, über den Seilspurfelsen bei Losenstein, jenes Stück einer Felswand, an der die Zugseile der Treiberzüge an der Enns in ihrer jahrhundertelangen Benützung des Treppelweges eine tiefe Rille ausgescheuert hatten. In mühevoller Arbeit, zu der er seine Mitarbeiter begeistert hatte, konnte ein Herzenswunsch Seidls erfüllt und der Felsen mit der Seilspur aus der Felswand herausgesägt werden, bevor ihn der Stau des Ennskraftwerkes mit Wasser bedeckte. Jetzt steht der Felsblock mit der Seilspur im Steyrer Heimatmuseum als eine Erinnerung an die alte Ennsschifffahrt, aber auch als ein Denkmal für Dr. Heinrich Seidl.

Man würde Dr. Heinrich Seidl nicht gerecht werden, wenn man nicht auch seine künstlerische Tätigkeit würdigte. Das biographische Lexikon des Landes Oberösterreich verzeichnet 163 graphische Werke aus seiner Künstlerhand, die er von 1921 bis 1957 geschaffen hat, darunter zahlreiche Exlibris und Glückwunschblätter, in denen immer wieder sein feinfühlendes Naturempfinden zum Ausdruck kommt. Jedes Jahr hat er auch mich mit einem solchen entzückenden Weihnachtsgruß erfreut.

Heuer werde ich keinen mehr erhalten . . .

Linz, im Dezember 1962

Dr. Ernst N e w e k l o w s k y t

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