Christian Brittinger

(1795 – 1869)

Apotheker und Naturforscher aus Steyr

  • Geboren am 30. 4.1795 in Friedberg, Hessen
  • Gestorben am 15.1.1869 in Steyr
  • Quelle: Amtsblatt der Stadt Steyr 1973 (Dr. Josef Ofner)

Um 1824 wollten die Apotheker Anton Sedlazeck aus Linz und später Franz Xaver Rity in Steyrdorf eine Apotheke eröffnete. Dieses Vorhaben vermochten jedoch die städtischen Apotheker Anton Michel Stigler (Stadtapotheke) und Johann Baptist Goeppel (Löwenapotheke) stets zu verhindern. In umfangreichen Eingaben an den Magistrat erklärten sie, dass eine dritte Apotheke „unnotwendig und mit schädlichen Folgen“ verbunden sei. Sie sammelten auch Unterschriften der Bürger und legten diese Listen ihren Gesuchen bei. Erst dem Apotheker Christian Brittinger, der am 8. Juli 1825 seine Bittschrift einreichte, war Erfolg beschieden. Am 30. März 1826 genehmigte die hohe Landesstelle die Errichtung einer Apotheke in Steyrdorf. Trotz erheblicher Schwierigkeit konnte sich Brittinger in Steyr durchsetzen und wurde bald Vorsteher der Apotheker des Traunkreises. So richtete er im Jahre 1834 als Kreisvorsteher an das Apotheker-Gremium in Linz eine Protestschreiben, weil „Materialisten und Spezerey Händler unerlaubter weise, sowohl in der Kreisstadt, als auch im Kreise, an Orten wo Apotheken bestehen, spanische Kräutertee, Eibisch und Brusttee, Goldpulver, Margrafenpulver, Kropfpulver, Stephans Körner, Rhebarbarapulver, Saleppulver, Senfmehl, Jallepapulver, Glauber- und Bittersalz, Lebensessenzen, Geister, Theriak, und Sielberglettessig, Pferd und Hornviehpulver, Lebens und Nießpulver“ die den Apotheken vorbehalten sind sowohl in Kleinem als Großen verkaufen. Endlich ist auch die Allgemeine Klage der Herrn Apotheker der Kreisstadt selbst, dass die Wundärzte, unerlaubterweise selbst Medizin, in der Stadt so wie in den Vorstädten, und der nähen Umgebung an Kranke abgeben, und selbst bereit, oder selbe aus den Apotheken, mit dem Beysatz ad rationes meas aus den Apotheken nehmen, und selbe wieder mit erhöhtem Preis an Kranke verkaufen; diesem Umfang, wodurch das Publikum schädlich übervorteilt wird, dürfte doch einmal ein Ende gemacht werden“. Solche, von den Apothekern schon in früheren Jahrhunderten oftmals vorgebrachten Beschwerden blieben meist erfolglos.

Apotheker Brittinger, zu Friedberg in Hessen-Darmstadt am 30. April 1795  geboren, hatte, ehe er nach Steyr kam, durch neun Jahre eine Apotheke in Urfahr (Linz) geführt. Von der Regierung erhielt er „die Befugnis, eine Chemische Fabrik errichten zu dürfen“. Er hatte sich außerdem dem Studium der Botanik gewidmet und eine „Pflanzen Sammlung“ angelegt. Da er auch als Entomologe und Ornithologe wertvolle Arbeit leistete, zählt er zu den hervorragendsten Naturforschern Oberösterreichs im 19. Jahrhundert. Im Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaft in Wien aus dem Jahre 1851 veröffentlichten Bittinger die Abhandlung „Die Schmetterlinge des Kronlandes Österreich ob der Enns“, in der er 684 Arten anführt. Ebenso bedeutend waren die Publikationen „Flora von Oberösterreich oder systematische Übersicht aller in diesem Land wildwachsenden oder im Freien gebaute Samenpflanzen (1862). Von seinen Aufsätzen seien erwähnt: „Die herzblätterige Javquineie“ (1840) und „Ein Alpenausflug auf den Pyhrgas bei Spital a.P.“ (1843). Zu den wissenschaftlichen Mitarbeitern Bittingers zählten der Regimentsarzt Dr. Edler von Zimmermann in Wels und Kooperator Ferdinand Greil von Gaspoltshofen.

Brittinger verschied am 15. Jänner 1869.

Die Apotheke zum „Heiligen Geist“ übernahm sein Sohn Alfred. Die Schmetterlingssammlung erhielt die Bürgerschule auf der Promenade, die wertvolle Vogeleiersammlung das Oberösterreichische Landesmuseum. An die entomologische Forschungsarbeit des Apothekers erinnert ein von ihm entdeckter Falter. So hieß eine „schwärzliche Form von Pranassius apollo L. ab. Brittingeri“. Das an die Apotheke grenzende, 1843 demolierte Stadttor trug die Bezeichnung „Brittingertor“.

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