Jakob Zetl

(vermutlich  1580 – 1660)

Färbermeister, Ratsherr und Stadtchronist

Ratsherr Jakob Zetl

  •  Quelle: Amtsblatt der Stadt Steyr 1966 (Dr. Josef Ofner)
  • Im Jahre 1878 veröffentlichte Ludwig Edlbacher im 33. Jahresbericht des OÖ.Musealvereines die von 1612-1635 reichende „Chronik der Stadt Steyer“ des Färbers Jakob Zetl.

Über die Jugendzeit des Chronisten sind wir nicht unterrichtet, wir kennen nicht einmal seinen Geburtsort. Vermutlich kam er um 1613 als Färbergeselle nach Steyr. Er hatte in Salzburg gearbeitet. Im Jahre 1612 gehörte er eine Zeitlang zu den Soldaten des Erzbischofs Wolf Dietrich. In der Eisenstadt vermählte sich seine Schwester Katharina am 22.8.1614 mit dem Ratsbürger Leonhard Radlmayr, der aber schon Ende Jänner 1615 starb. Die Witwe spendete zur Pfarrkirche ein Messkleid und einen Weihkessel aus Zinn.

Am 11. Jänner 1616 wurde Zetl das Bürgerrecht verliehen. Er musste ein Bürgergeld von 6 Taler bezahlen und sich mit Muskete und Seitenwehr (Säbel) ausrüsten. Als Handwerkermeister war er Mitglied der seit 1569 im Lande ob der Enns bestehenden Färberzunft mit Hauptlade in Linz.

Zetl war zweimal verheiratet. Die zweite Ehe wurde im Herbst 1635 geschlossen. Der Stadtrat, dem er ein Hochzeits-Ladschreiben zusandte, ließ ihm aus diesem Anlass durch einen Ratsfreund sechs Reichstaler überreichen. Aus beiden Ehen stammen 6 Kinder. Sein Sohn Markus befand sich 1647 auf Wanderschaft, die Tochter Maria Susanna vermählte sich im August 1657.

Wohnhaus:

Nach F. Berndt bewohnte Zetl das Haus Haratzmüllerstraße 14. An der unteren Ennsleite besaß er einen Stadel, den er 1647 an Wolf Rothueber verkaufte.

In der Zeit der politischen Gegenreformation wurde der Färbermeister als katholischer Bürger in die Stadtverwaltung berufen. Er war als Viertelmeister tätig, verwaltete das Bruderhaus und das Herrenhaus in der Sierninger Straße. Er gehörte zu den wenigen Handwerkern, die durch viele Jahre – von 1625 bis 1660 – in den Ratskörperschaften Sitz und Stimme hatten. Im Jahre 1657 vermerken die Ratsprotokolle:

„Herr Jakob Zetl allda ganz baufällig.“

Jedenfalls war er schon sehr gebrechlich und konnte nicht mehr jede Ratssitzung besuchen. Er starb im Alter von 80 Jahren im Spätherbst 1660. Am 30. November wurde er begraben.

1647 verfasste er ein Testament. Darin bedachte er die Stadtpfarrkirche, das Armenlazarett bei der Steyr, die Dominikaner und die Kapuziner mit je einer Silberkrone. Ferner bestimmte er, dass seine Frau Susanne bei seinem Begräbnis den armen Leuten nach Belieben ein Almosen „auf die Hand“ geben möge.

Stadtchronik von Zetl:

Der im öffentlichen Leben stehende Handwerksmeister, ein Zeitgenosse der Lokalhistoriker Valentin Preuenhueber und Wolfgang Lindner, verzeichnet in seiner Chronik persönliche Erlebnisse, Stadtereignisse und bedeutsame politische Begebenheiten im europäischen Raum.

Mit den im Jahre 1626 in Steyr lagernden protestantischen Bauern Stephan Fadingers kam Zetl mehrmals in Konflikt, obgleich er ihnen nach Möglichkeit aus dem Weg ging. So entzog er sich z.B. einer von dem Bauernführer angeordneten Vereidung der Bürgerschaft.

„Den 1. Tag Juni als Montag der Pfingsten ließ der Stephan Fadinger mit Trommel und Pfeifen umschlagen, sowohl auch durch die Viertlmeister ansagen, dass sich die ganze Burgerschaft und alle Inwohner auf das Rathaus verfügen sollen. Wie sie nun alldorten zusammen, ist ihnen in Namen des Oberhauptmanns Stephan Fadingers und der gesamten Bauernschaft durch ihren Feldschreiber vorgetragen worden, dass die ganze Burgerschaft und dero Inwohner mit Aufreckung zweier Finger denen Bauern einen Eid schwören sollen, dass sie bei der Bauernschaft ihr Leib und Leben, Gut und Blut zusetzen und in allen untertänig sein wollen. Ich Zetl und etliche katholische Bürger aber haben unrecht verstanden und sind diesen Tag in der Frühe auf die Seiten gegangen, damit wir nicht haben schwören dürfen.“

Im August 1626 geriet der Ratsherr aber doch in die Hände der Bauern, die ihm ob seiner politischen und religiösen Gesinnung, den Kopf zerspalten und die Nase und die Ohren abschneiden wollten.

„Ich aber bat, sie sollten mir nur die Nase stehen lassen, die Ohren will ich gerne hergeben. Der Leibschütze des Bauernhauptmannes Neumüller aber zog sein Messer aus, wetzet solches, nahm mich bei dem Arm und wollte mir gleich die Ohren abschneiden.“

Es kam aber nicht dazu, doch musste Zetl in den Arrest. Am nächsten Tag erwirkten die Stadtrichter Hans Himmelberger und Abraham Schröffl seine Entlassung.

Der Chronist Zetl berichtet nicht nur ausführlich über die Bauern-Invasion, sondern auch über Ratswahlen, Einquartierungen, Pest, Hungersnot, Inflation, über das Eisenwesen, kirchliche Angelegenheiten, Gespenster und Zauberer. Die Hauptereignisse des Dreißigjährigen Krieges, wie z.B. die Eroberung Magdeburgs, die Schlacht von Lützen, Wallensteins Ermordung, werden weitläufig dargestellt.

1635 beendet der Färbermeister Zetl die „Steyrische Chronik“, von der in der Folgezeit mehrere Abschriften angefertigt werden.

 

Abschriften der Zetl-Chronik:

Der Welser Arzt Dr. Philipp Dillmetz (Tillmetz) (1718-1746) schrieb Zetls Aufzeichnungen zusammen und hat sie vermutlich geringfügig ergänzt. Dillmetz war ein Sohn des Steyrer Apothekers Maximilian Dillmetz.

Bedeutung:

  • Die Bedeutung von Zetls Werk wurde von namhaften Historikern wie Kurz, F.X. Pritz, Kaltenbäck, Edlbacher bereits erkannt.
  • Nach Univ.Prof. K. Eder ist es „bedeutend als Quelle für die Geschichte des Bauernkrieges und als Arbeit eines lebenskundigen Bürgers bemerkenswert.“
  • Hingewiesen soll auf den Steyrer Volksroman von Enrica Handel-Mazzetti, „Die arme Margret“, in dem Jakob Zetl zu den Hauptgestalten zählt.

Literaturverzeichnis von J.Ofner:

  • Stadtarchiv: Testamente, Ratsprotokolle
  • E.Krobath: Die Bürgermeister der Stadt Steyr und ihre Zeit, 1961
  • L.Edlbacher: Die Chronik der Stadt Steyr von Jakob Zetl. 1878
  • K.Eder: Ein Reformationshistoriker – Valentin Preuenhueber, 1937
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