Joseph Grünpeck

(vermutlich 1473 –  vermutlich 1529)

Historiograph von Kaiser Maximilian I. und  Astrologe der Stadt Steyr

 

  • Geboren um 1473 in Burghausen
  • Gestorben um 1529 (letzte Archivmeldungen)

Doktor Joseph Grünpeck

  • Quelle: Amtsblatt der Stadt Steyr 1970 (Dr. Josef Ofner)

 

Am 12. April 1518 verlieh Kaiser Maximilian I. (1493-1519) seinem Kaplan Dr. Joseph Grünpeck für seinen „langweilig dinst“ zu einem Leibgeding Mühldienstzinse und Gülten in Steyr.

Wie Ladislaus Suntheim, Jakob Manlius und Johann Stabius gehörte seit 1497 auch Grünpeck zu den Historikern am kaiserlichen Hof. Bekanntlich brachte Maximilian der Geschichtsschreibung größtes Interesse entgegen, bezeichnet er doch „die Historie als magistrae vitae“.

Der in Burghausen, vermutlich um 1473 geborene Doktor Grünpeck dürfte in Ingolstadt studiert haben, und zwar neben humanistischen Fächern auch Theologie und Medizin. Im Jahre 1495 wirkte er in dieser Stadt als Lateinprofessor, im nächsten Jahre unterrichtete er in Augsburg. Auf dem Reichstag zu Freiburg i.B. erfolgte 1498 seine Krönung zum Dichter. Damit erwarb er den Titel „Magister der freien Künste“. In der Folgezeit hielt sich der Humanist vorübergehend in Regensburg, Nürnberg, Einsiedeln und in Landshut auf.

Werke:

  • Er verfasste historische, medizinische, humanistische und astrologische Abhandlungen.
  • Mit der Komödie „Streit zwischen Virtus und Fallacicaptrix vor Maximilians Richterstuhl“ vermochte er die Aufmerksamkeit des Kaisers auf sich zu lenken.
  • Historische Schriften: „Gesta Maximiliani Romanorum Regis“ und „Historia Friderici III. et Maximiliani I.“
  • „Zeichen, Wunder, Missgeburten und Ungeheuer, welche sich im Zeitalter Maximilians zutrugen und wie sie ähnlich auch zu anderen Zeiten auftraten“, illustriert von Marx Reichlich. Linz 25.Dezember 1502 Linz(Universitätsbibliothek Innsbruck)

 

Grünpeck in Steyr:

1518 wurden ihm vom Kaiser die Mühldienstleistungen von der am linken Steyrufer, gegenüber der ehemaligen Spitalskirche (Vorstadtpfarrhof) gelegene Hofmühle (zerstört durch Bomben) gegeben. Früher schon – vermutlich nach 1508 – erhielt er vom Kaiser die „Fischlhub mit Wiesen, Äcker und andere Stuck“.

Ganz ungestört aber konnte Grünpeck in Steyr, besonders in den Jahren 1518, 1519 sein Pfründendasein nicht genießen. Der angesehene Bürger Hanns Moser, vermutlich Stadtkammeramt verwaltet, machte ihm den Besitz der Fischlhub streitig.

Grünpeck betätigte sich in Steyr als Arzt und kam dadurch in Konflikt mit Siegmund, Müller zwischen den Brücken und dem reichen Handelsherrn Hanns Prantstetter, dessen Frau er geheilt hat. Von diesen Patienten hatte er Honorare zu fordern. „Doktor Joseph“, wie ihn die Steyrer nannten, suchte Schutz bei der Stadtobrigkeit, beim Landeshauptmann und beim Kaiser.

 

Grünpeck betätigte sich als Astrologe in Steyr. Zwei von ihm erstelle Horoskope sind erhalten. Gegen Ende 1507 verfasste er eine astrologische Prognose für die Festsetzung eines städtischen Wahltermins.

Während seines dauernden Aufenthaltes in Steyr nach 1518 dürfte der „kaiserliche Pfründner“ das von Franz X. Pritz in seiner Stadtgeschichte veröffentlichte Horoskop der Stadt Steyr ausgearbeitet haben.  Über die Gründung der Stadt Steyr sagte Grünpeck folgendes:

„Im Jahre 980 wurde zwischen den zwei Wassern Enns und Steyr den 24.Tag des Monats August in der zwölften Stunde zu bauen angefangen. Just zu selben Stund stieg mitten an dem Himmel auf der 10te Grad Leonis und die Sonn hatte ihren Stand mit vollkommenen Glanz, den sie auf das Erdreich warf. Darinnen besteht Saturnus, stundte aber in dem 19. Grad der Waag, Jupiter mitten an dem Himmel bei der Sonn, Mars im 3ten Grad des Stiers, Venus im 14ten Grad des Scorpions, der Mond im 16ten Grad des Stiers.“

Die aus der Planetenkonstellation abgeleiteten Ergebnisse sind recht dürftig. Was Grünpeck z.B. über den Charakter der Bürger sagte, könnte ebenso gut heute und auch für Bewohner anderer Orte gelten.

 

Im Jahre 1524 wurden die Hofmühle und die Gülten an den Bürger Fuchsperger vergeben. Über den Historikus, der vermutlich eine „laufende Provision“ erhielt, berichten die Archivalien letztmalig im Jahre 1529. Wann und wo sein Leben endete, ist nicht bekannt.

 

Bewertung:

Wenn Doktor Grünpeck ob seiner ärztlichen und astrologischen Betätigung nicht selten als Wahrsager und Quacksalber hingestellt wird, so darf nicht übersehen werden, dass gerade am Ausgang des Mittelalters und noch in den folgenden Jahrhunderten die Menschen sich eingehend mit sterndeuterischen Spekulationen befassten. Sicherlich war Grünpeck stark beeinflusst von dden astrologischen Studien des Würzburger Abtes Johannes Trithemius. Dieser hatte sogar mit dem Kaiser Maximilian astrologische Probleme erörtert.

Wilflingseder:

„Es ist bekannt, dass die zahlreichen Traktate und Schriften astrologischer und prophetischer Art, wie sie auch Grünpeck verfasste und durch den Druck verbreiten ließ, trotz ihres dürftigen Inhaltes einen immerhin erheblichen Einfluss auf die Bevölkerung des Reiches ausübten und besonders für die Wegbereitung der Reformation nicht zu unterschätzen waren.“

 

Literatur von Dr. J. Ofner:

  • Archivalien im Stadtarchiv
  • A.Czerny, Der Humanist und Historiograph Kaiser Maximilians I.Joseph Grünpeck. 1888
  • V.Preuenhueber, Annales Styrenses, 1740
  • F.X.Pritz, Beschreibung .. Steyr 1837
  • K.Eder, Deutsche Geisteswende zwischen Mittelalter und Neuzeit, 1937
  • O.Benesch, E. Auer, die Historia Friderici et Maximiliani, 1957
  • H.Wiesflecker, Joseph Grünpecks Commentaria und Gesta Maximiliani Romanorum Regis, 1965
  • F.Wilflingseder, Joseph Grünpcke und Marx Reichlich, 1966

 

Tipp:

Digitale Sammlung von 15 Werken von Joseph Grünpeck:

http://www.digitale-sammlungen.de/index.html?c=autoren_index&l=de&ab=Gr%FCnpeck,+Joseph

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Über redtenbacher

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