Ludwig Werndl

Werndl Portraet

(1847  – 1890)

Bruder von Josef Werndl, Unternehmer

  • Geboren am 6. Juli 1847
  • Gestorben am 14.4.1890

Er wurde als 14. von 17 Kindern des Ehepaares Leopold und Josefa Werndl geboren und  war somit auch ein Bruder des Gründers und späteren Direktors der Österreichischen Waffenfabriks-gesellschaft Josef Werndl.

Leben und berufliche Tätigkeit:

Nach dem Tod der Mutter und solange die Firma J. F. Werndl bestand (1867 – 1869) war Ludwig Werndl Compagnon seines  Bruders Josef 1)

1868 reiste Ludwig Werndl nach Nordamerika und Kuba. In Hartford/Connecticut arbeitete er sieben Monate in einer Maschinenfabrik, um sich technisch auszubilden. 1870 besuchte er mit seinem Freund Millner den deutsch-französischen Kriegsschauplatz (Straßburg, Weißenburg u. Saarbrücken), und 1871 führte ihn eine Reise mit demselben Gefährten über Italien, Ägypten bis nach Indien (Bombay, Kalkutta) und zum Himalaya. Nach acht Monaten kehrten die beiden Reisenden über den Suezkanal und Konstantinopel wieder in die Heimat zurück. 2) 

Von 1872 bis 1874 war Ludwig Werndl  auch Major des uniformierten, bewaffneten Bürgerkorps der Stadt Steyr.  2) 

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1873 erwarb Ludwig Werndl in Steyr-Zwischenbrücken die sog. „Heindlmühle“ mit deren Wasserwerken und errichtete dort gemeinsam mit Robert Schött (ehem. Bürochef der Waffenfabrik und Schwiegersohn Josef Werndls) eine  Messerfabrik. 1874 erwarb er dazu auch noch  das daneben befindliche „Wasserkunstgebäude“ und 1875 den Wasserturm 3). Zu dieser Messerfabrik gehörte dann auch noch die sog. „Dritte Zeugstätte“ im Wehrgraben (später Waffenfabrik-Objekt XI, nunmehr Gebäude des Museums Arbeitswelt). 1) 3)

Die Wasserkraft für die Werksanlagen bei der Dritten Zeugstätte stammte aus zwei Fludern, die Ludwig Werndl 1877 erwarb und zu einem großen Fluder vereinigte. 1)

Nach dem Tod des Teilhabers Schött (1879) wurde diese Firma liquidiert. 1)

1882 wurde Ludwig Werndl vom k.k. Handelsministerium u. königl.-ungarischen Ministerium für Ackerbau, Industrie u. Handel  für die Dauer von fünf Jahren ein Privilegium auf sein Verfahren und für die Apparate zum Walzen von Sensen und Sicheln aus einem Stück erteilt. 1)

Ludwig Werndl zog sich 33jährig 1880 ins Privatleben zurück. Er besaß neben anderen Liegenschaften auch die Villa Garstnerstraße Nr.5, die aus dem ehemaligen Kapuzinerkloster hervorgegangen war und später als „Werndlvilla“ bekannt wurde. Diese Villa erbte nach Ludwig Werndls Tod dessen erst 4jähriger Sohn Leopold Werndl, nach dem heute die Leopold-Werndl-Straße benannt ist. 1)     Heute befinden sich an Stelle der Werndlvilla die Bundesschulgebäude (Gymnasium, Handelsakademie und Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe/HLW).

1890 - Leopold Werndl.Vormundschaft

1886 wurde Ludwig Werndl  als Vertreter der liberalen (deutschfortschrittlichen) Partei in den Gemeinderat der Stadt Steyr gewählt, legte jedoch dieses Mandat vor Ablauf der Funktionsperiode zurück.

Familie:

Ludwig Werndl schloss am 3.7.1883 die Ehe mit Caroline Trenner  (25.6.1859 – 15.6.1888; sie verstarb nur neun Tage nach der Geburt des zweiten Kindes,  der Tochter Marie).

Aus der Ehe entstammten zwei Kinder: Leopold, geb. 7.2.1886  und die oben genannte Tochter Marie, geb. 6.6.1888.  Das Mädchen verstarb bereits im Alter von 10 Monaten am  18.4.1889.

Ludwig Werndl  litt längere Zeit an einer Lungenkrankheit und suchte Besserung bei mehreren Kuraufenthalten, zuletzt  in Arco am Gardasee. Er verstarb am 14.April 1890, wenige Tage nachdem er in hoffnungslosem Zustand  nach Steyr zurückgebracht worden war.

Sein einziger  lebender Nachkomme, Leopold Werndl,  beschritt nach der Matura am Steyrer Realgymnasium die militärische Berufslaufbahn als einjährig Freiwilliger, lebte sodann als Privatier vom Erbe seines Vaters. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges fiel er als Leutnant der k.u.k. Infanterie im Oktober 1914 bei Jaroslau/Galzien.

Ludwig Werndl  zeigte sich auch als Förderer der Hilfsbedürftigen Steyrs. Im Nachruf des Steyrer „Alpen-Boten“  wird seine schon zu Lebzeiten gezeigte Wohltätigkeit hervorgehoben. Insbesondere beteiligte er sich auch an der Arbeiterstiftung seines Bruders Josef Werndl  mit 50.000 Gulden.  Ebenso wird in  diesem Bericht auch seine Unterstützung für den Wiederaufbau des Stadtpfarrturmes und für den Bau der Steyrtalbahn erwähnt.  2)

Testamentarisch vermachte er in Legaten dem Armenfond der Stadt Steyr 30.000 Gulden (davon 10.000 fl  für die Verpflegung der Armen im Siechen- und Unterstandshaus, 10.000 fl zur Errichtung einer Stiftung für verarmte Bürger und Bürgerswitwen in Steyr und 10.000 fl zur Errichtung einer Stiftung für verarmte Waisen der Stadt (ohne Rücksicht auf deren Konfession)).

Dem Verein der Schulfreunde vermachte er für die Suppenanstalt 4.000 Gulden und zur Anschaffung von Lehrmitteln, Kleidern und Wäsche für arme, brave Kinder 4.000 Gulden, der Kleinkinder-Bewahranstalt 10.000 Gulden, dem Institut der Kreuzschwestern in der Berggasse 4.000 Gulden und endlich 2.000 Gulden zur sofortigen Verteilung an die Armen der Stadt. 2) 

Die Familiengruft Ludwig Werndls befindet sich im Arkadengang des 2. Abschnittes des Steyrer Friedhofes, unmittelbar hinter dem Ehrengrab seines Bruders Josef Werndl. Die Bronzeskulptur über der Grabstätte nimmt einen deutlichen, berührenden Bezug auf die Leidensgeschichte Ludwig Werndls: Sie zeigt Christus, der seine heilenden Hände auf die Brust des in Schmerzen Daniederliegenden legt.

 

 

Zusammenstellung: Heinz Kern

Quellen:

1)   Hans Stögmüller, „Josef Werndl und die Waffenfabrik in Steyr“ (2010), S.59 – 60

2)   Der Alpen-Bote, 17.4.1890

3)  Manfred Brandl, „Neue Geschichte von Steyr“ (1980), S.44 u. 80

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