Caspar Thierfelder

 

Titel Thierfelder Rechenbuch 1587

Um 1525 – um 1594

Schul- und Rechenmeister in Steyr

 

Bild: Gedrucktes Rechenbuch 1587 von Thierfelder

  • Geboren angeblich 1525
  • Gestorben wahrscheinlich 1594 in Steyr

Kurze Biografie nach den Angaben auf Wikipedia (eingesehen Mai 2017): Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Caspar_Thierfelder

Über Thierfelders Leben ist wenig bekannt, er wirkte zur Mitte des 16. Jahrhunderts als Rechenmeister in Freiberg. Im Jahre 1564 veröffentlichte Thierfelder zusammen mit einem weiteren Freiberger Rechenmeister, Oswald Ullmann, bei Bärwald in Leipzig ein Rechenbuch. Wenig später verließ Thierfelder die sächsische Bergstadt und ging nach Österreich. Als Grund für den Weggang benannte er seinen fehlenden Unterhalt wegen des Wegsterbens der meisten Schüler.

Im März 1567 wurde Thierfelder zum Schul- und Rechenmeister zu Steyr bestellt. Neben einem festen Sold gewährte ihm die Stadt eine freie Wohnung und Beholzung sowie zwei Stuben zur Schulhaltung. Viele seiner Rechenaufgaben bezogen sich praxisnah auf den Verkauf von Eisenwaren aus Steyr nach Venedig.[2] Die letzte Erwähnung Caspar Thierfelders datiert von 1594, es wird angenommen, dass er in diesem Jahre verstarb.

Caspar Thierfelder hatte zwei Söhne, die in die Fußstapfen des Vaters traten. Daniel und Basilius Thierfelder waren bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts in Oberösterreich als Schul- und Rechenmeister tätig. 1594 fertigte Daniel Thierfelder für den Linzer Bürger Linhard Wasserbeck einen Steckkalender.[3] Wahrscheinlich verließen seine Nachkommen Oberösterreich nach der Gegenreformation.

Publikationen:

  • Oswald Ulmanns und Caspar Thierfelders Newes Kunst=Rechenbuch auf der Linie und Feder, Freybergk 1564, gedruckt bey Jakub Bärwald in Leipzig
  • Caspar Thierfelder: Arithmetica oder Rechenbuch auff den Linien und Ziffern, Nürnberg 1587. Link zum online-Buch

Valentin Preuenhueber in: Annales Styrenses: sammt dessen übrigen historisch- und genealogischen Schriften.- Nürnberg 1740 (online: https://books.google.at/books?redir_esc=y&hl=de&id=aBZPAAAAcAAJ&q=thierfelder#v=snippet&q=thierfelder&f=false )

Hier heißt es:

1567

„Es wurde auch in diesem Jahr (1567) eine Teutsche Schul-Ordnung, durch gemeldtes Ministerium gestellt, und darauf in Monath Martio Caspar Thierfelder, der berühmte Rechnemeister von Freyburg aus Meissen aufgenommen zu einem teutschen Schulhalter und Rechenmeister. Deme nach dem Tod sein beyden Söhne Daniel und Basilius in solchem Schuld-Dienst gefolget sind.“

Aus dem Artikel von Alfred Hoffmann, Linz (1979)

  • Alfred Hoffmann: Das Rechenbuch des Steyrer Rechenmeisters Caspar Thierfelder vom Jahre 1587 als wirtschaftsgeschichtliche Quelle. In: Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte. 1, 4, ISSN 0723-5461, S. 678–693.

„Angesichts der weitreichenden Handelsbeziehungen mussten die Steyrer Bürger auf eine gute Ausbildung ihrer Söhne in den kaufmännischen Fächern bedacht sein. Einen besonderen Aufschwung erlebte das Schulwesen im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Protestantismus, der bis in die Wende um 1600 das Glaubensleben der Stadt fast völlig beherrschte.“

Die Berufung von Thierfelder 1567 nach Steyr geht auf den neuen Prediger Basilius Camerhoffer in Steyr zurück, der seinen „Gevatter“ Caspar Thierfelder, der ebenfalls aus der gleichen Stadt wie Camerhofer stammt, nämlich aus Freiberg in Sachsen, bei den Steyrern empfahl. Im Schuldienst war auch Frau Thierfelder für Mädchen tätig und später deren Söhne Daniel und Basilius. Noch ein Verwandter fand Aufnahme in der Steyrer Schule, das war der Schwager Christoph Ullmann, der „trotz schlechter Schrift“ in Steyr angestellt wurde.

Thierfelder galt als „berühmt“ (nach dem Chronisten Valentin Preuenhueber), weil er literarisch tätig war und Rechenbücher erstellte. Schon bevor er nach Steyr kam, veröffentlichte er zusammen mit seinem Schwager Oswald Ulmann ein Rechenbuch, gedruckt in Freiberg. (Link: https://books.google.at/books?id=cxtaAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false )

1587 veröffentlichte er „Ein neues Rechenbuch auf den Linien und Ziffern…“ gedruckt in Nürnberg, das genau auf die Landesverhältnisse (in Steyr) abgestimmt war, wie er in der Vorrede bemerkte. Für dieses Werk gibt es noch zwei handschriftliche Versionen von 1584. Nach Thierfelders Tod veröffentlichte der Sohn Basilius Thierfelder 1614 ein Rechenbuch nach den Vorgaben seines Vaters.

1564 rechenbuch Oswald Ulmann und Caspar Thierfelder

1564: Titel des Rechenbuches von Oswald Ulman und Casparum Thierfelder, gedruckt in Freiberg

1567 Preuenhueber Eintrag Thierfelder S.281

Valentin Preuenhueber: Annales, S. 281 (Erwähnung Thierfelder als Lehrer in Steyr)

Titel Thierfelder Rechenbuch 1587

1587 Titelbild der Arithmetica oder Rechenbuch 

 

Aus: Steyrer Kalender 1952: „Schulen in Steyr 16. Jahrhundert“ – Die Protestantische Lateinschule – „Schule am Perg“ und „Die Neutorschule“

„Im Hause Berggasse 46 (Langensteiner), das einst auch die mittelalterliche Stadtschule beherbergte, befand sich höchstwahrscheinlich bis nach 1560 die protestantische Lateinschule. Als 1559 Kaiser Ferdinand die Ruinen des 1522 abgebrannten Dominikanerklosters der Stadt übergeben hatte, sorgte diese für den Wiederaufbau desselben und verlegte in dieses Gebäude die Lateinschule. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts erlebte Steyr wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die alten Schulmeister Perger und Fraidler waren den Anforderungen der Zeit wohl nicht mehr gewachsen, wahrscheinlich auch nicht der 1567 erwähnte Schulhalter Sebald Ruffer. Man verlangte daher einen Schulmeister, der auch einen guten Rechenunterricht erteilen konnte. Durch die Vermittlung des Pastors Basilius Kammerhofer wurde vom Rate der berühmte Schul- und Rechenmeister Kaspar Thierfelder nach Steyr berufen. „Sterbensläuste“ zwangen ihn, Freiberg in Meissen zu verlassen. Thierfelder, der damals bereits auf eine vierzehnjährige Schuldienstzeit zurückblicken konnte, verlangte für seine schulmeisterliche Tätigkeit zwei Stuben, eine für Knaben und eine für die Mädchen. Auch seine Frau, so berichtet er in seinem sauber geschriebenen Gesuch vom 17. März 1567, unterrichte schon acht Jahre und könne die Mädchen im Lesen und Schreiben unterweisen. Er würde diese Lehrgegenstände neben Arithmetik und Geometrie bei den Knaben übernehmen. Der neue Schulmeister bezog die Räume der alten Stadt- bzw. Lateinschule. Im Dezember 1576 war das uralte Gebäude schon so baufällig, dass es gepölzt werden musste. Es war dies ein unhaltbarer Zustand, der für die Bürgerschaft zum Gegenstand des Spottes wurde und die Stadtbehörde zwang, andere Schulräume ausfindig zu machen. Infolge der hohen Schuldenlast der Stadt konnte die auf 1500 Gulden geschätzte Instandsetzung des Gebäudes nicht vorgenommen werden. Man wollte daher im Hause eine Schulwohnung mieten. Da aber auch dieses Vorhaben zu große Unkosten verursacht hätte, wurde in der Ratssitzung vom 29. März 1577 die Verlegung der Bergschule in das Neutorgebäude beschlossen und im Sommer die Übersiedlung vollzogen. “

Die Neutorschule

„Das große Hochwasser des Jahres 1572 zerstörte zahlreiche Gebäude am linken Ennsufer, u.a. auch die Lateinschule und die zwei oberen Tore. Aus Wien wurden die kaiserlichen Baumeister Bernhard Camada und Merth Hager herbeigeholt und um ihr Gutachten für den Wiederaufbau der eingestürzten Häuser und Befestigungsanlagen befragt. Etwas später als die Lateinschule, sie konnte im November 1575 wieder bezogen werden, dürfte das mächtige Neutor, ein Doppeltor fertiggestellt worden sein. Als „obristen“ Baumeister nennen die Ratsprotokolle Jakob Späz.

Im Jahre 1577 ließ der Rat im Obergeschoß des wuchtigen Torgebäudes an der oberen Brücke die Schulwohnung von Kaspar Thierfelder einrichten. Das Brückengeländer wurde bis zum ersten Joch hinaus beiderseits mit Latten eng vernagelt und dem Torhüter ernstlich befohlen, keine Kinder auf die Brücke hinauszulassen. Der Schulmeister wurde beauftragt, die Schüler bei ihrem Weggang nach dem Unterricht zu beaufsichtigen und sie heimzuschaffen. Die Schonung der Schulzimmereinrichtung, vor allem der Oefen, legte man ihm besonders nahe, „sonst khunde man es hernach von gemainer Statt wegen nit wider machen lassen.“

Als besonders befähigter Mathematiker begann Thierfelder schon 1570 mit der Abfassung eines arithmetischen Lehrbuches, das 1587 bei Leonhard Heußler in Nürnberg gedruckt wurde. Der Verfasser widmete dieses mit zahlreichen praktischen Rechenbeispielen versehene Lehrbuch den Edlen, Ehrnvesten, Fürsichtigen, Ehrsamen und Weysen Herren, Bürgermeystern, Richter und Rat, der löblichen Statt Steyer im Ertzhertzogthumb Oesterreich ob der Enns gelegen“

Vermutlich im Jahre 1594 starb Kaspar Thierfelder, der bedeutendste deutsche Schulmeister der Stadt Steyr in der Reformationszeit. Bis 1596 dürfte sein Sohn Daniel vorübergehend den Unterricht an der Neutorschule geleitet haben. Ende Juli 1596 wurde vom Rate sein Bruder Basilius mit diesem Schuldienst betraut. Der Schulmeister Konrad Franck und der Maler Adam Dorninggs, die sich ebenfalls um diese Lehrstelle beworben bemühten, wurden von der Stadtobrigkeit abgewiesen.  (aus: Steyrer Kalender 1952)

Präsentation des Schulprojektes HAK Steyr und HAK Villach am 28. Juni 2017 im Stadtmuseum Steyr Innerberger Stadel:

Filmbericht RTV Steyr: Link: http://www.regionaltv.at/mediathek/beitrag/132714

Biografie Caspar Thierfelder Präsentation:

„Die Handelskarte“:

Rechenbeispiele:

„Arithmetische Folgen“

Il Regula di tri (Schlussrechnungen):

Wurzelziehen:

Rechenbrett:

Videos:  Addition –  https://youtu.be/LYtwmejHpcI   und Multiplikation mit Rechenbrett – https://youtu.be/qkYDGicXafI

Präsentation „Schule im Mittelalter“

 

 

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