Karl Wessely

1946 Totenbild portraet

1861 – 1946

Lehrer und Regenwurmforscher

  • Geboren am 2. September 1861  in Linz
  • Gestorben am 26. Jänner 1946 in Steyr

Bedeutendster Sammler von Regenwürmern 

Aussstellungstext 2017 im Schlossmuseum Linz: 

Karl Wessely begründete die Erforschung der Regenwürmer in Österreich und leistete so einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kompostierung und natürlichen Bodenverbesserung. Er hatte breite naturkundliche Interessen, so sammelte und bearbeitete er unter anderem auch Schnecken. Er absolvierte zunächst eine technische Ausbildung in Prag und Wien und studierte dann an der Universität Wien Chemie und Naturwissenschaften. Von 1896 bis 1899 leitete er das Welser Gaswerk. Ab 1904 arbeitete er als Lehrer, zunächst an der Realschule, dann an der Handelsakademie in Linz, wo er bis zu seiner Pensionierung 1934 tätig war. Als Mitglied des Vereins für Naturkunde Österreich ob der Enns begann er mit der Erforschung der Regenwürmer und baute ab 1889 die Sammlung der Lumbriciden (Regenwürmer) im Oö. Landesmuseum auf. Sie enthält 2 400 Exemplare 50 verschiedener Arten, von denen 40 in Oberösterreich vorkommen. Auch Fotografien und zum Teil kolorierte Diapositive von Regenwürmern sind Teil dieser Sammlung.

Quelle: Lebenslauf aus der Personendatenbank des Landesmuseums Linz  https://www.zobodat.at/personen.php?id=4274&bio=on

Karl WESSELY wurde am 2. September 1861 in Linz geboren, er legte 1878 die Reifeprüfung an der Oberrealschule in Salzburg ab und studierte dann an der deutschen Technischen Hochschule (techn. Fachschule) in Prag. Erst im reiferen Mannesalter veranlasste ihn sein Bildungseifer zu weiteren Studien an der Technischen Hochschule in Wien. Zugleich belegte er die Fächer Chemie und Naturwissenschaften an der philosophischen Fakultät der Universität. Namhafte Gelehrte, wie Karl GROBBEN, Carl [FriedrichWilhelm] CLAUS und Richard von WETTSTEIN, beeinflussten dort seine weitere Entwicklung, Studien am Naturhistorischen Museum Wien vervollständigten sein Wissen.
Nach der Militärzeit begann WESSELY sein Berufsleben als Chemiker bei der Firma Victor ADLER in Wien, setzte seine Praxis bei J. John RUSTOW in Swijan-Podol (Tschechoslowakei) bis 1896 fort und war dann Gaswerksleiter in Wels bis 1899 und schließlich Direktor des Gaswerkes in Bielitz-Biala bis 1903. Nach dieser Zeit begann er seine Lehrtätigkeit zuerst als Probekandidat an der Realschule in Linz, später als Professor an der Linzer Handelsakademie, an der er bis zu seiner Pensionierung 1934 wirkte. Er unterrichtete in den Lehrfächern Zoologie und Botanik, Chemie, chem. Technologie und Warenkunde. Noch im Ruhestand war er – mit Ausnahme der letzten zwei Kriegsjahre – bis in seine letzten Tage im OÖ. Landesmuseum und beim Verein für Naturkunde am Werk. Laut KERSCHNER & SCHADLER (1933: 454) übernahm WESSELY trotz seiner großen Inanspruchnahme als Schulmann zwischen 1902-1907 das zoologische Referat von Andreas REISCHEK. Am 26. 1. 1946 starb er als Reg.-Rat und Professor a. D. hochbetagt in Steyr.

Karl Wessely Landesmuseum Linz

Karl Wessely wird bei der Sonderausstellung des OÖ Landesmuseums 2017 präsentiert

 

Nachruf für Karl Wessely

(aus: Hamann H. H. F., 1951: Karl Wessely. In: Zwei Pioniere heimischer Naturwissenschaft. – OÖ. Kulturber. 36: 1 S.)
Im ersten Nachkriegsjahr ist mit Professor Karl Wessely ein aufrechter Mann voll wahrer Hilfsbereitschaft von uns gegangen, der abhold jeder Äußerlichkeit war und sich manchmal sogar rau gab, wie es einem gerechten Menschen oft eigentümlich ist. Seine Liebe galt der Arbeit und der Heimat, sein Streben war der Wissenschaft gewidmet. Aber seine Bescheidenheit hinderte ihn, seine Erkenntnisse auf forscherischem Gebiet herauszustellen. Und dieser Zurückhaltung ist es zuzuschreiben, dass wir teilweise die Auswertung seiner Arbeit vermissen, für deren Fülle der umfangreiche Nachlass im Oberösterreichischen Landesmuseum zeugt.
Wesselys Lebenslauf war durch eine vielseitige und eingehende wissenschaftliche Ausbildung gelenkt. Am 2. September 1861 in Linz geboren, legte er 1878 die Reifeprüfung an der Oberrealschule in Salzburg ab, und studierte sodann an der deutschen Technischen Hochschule (technische Fachschule) in Prag. Zu seinen Lehrern zählten dort Gietl und Krell. Erst im reiferen Mannesalter veranlasste ihn sein Bildungseifer zu weiteren Studien an der Technischen Hochschule in Wien. Zugleich belegte er die Fächer Chemie und Naturwissenschaften an der philosophischen Fakultät der Universität. Namhafte Gelehrte wie Grobbon, Claus, Wiesner, Neumayer und Wettstein beeinflussten dort seine weitere Entwicklung, Studien am Wiener Hofnuseum vervollständigten sein Wissen.
Nach der Militärzeit, die er als Leutnant der Reserve im 14. k. k. Infanterie-Regiment beendete, begann er sein Berufsleben als Chemiker bei der Firma Victor Adler in Wien. Er setzte seine Praxis bei J. John Rustow in Swijan-Podol (in der heutigen Tschechoslowakei) bis 1896 fort und war dann Gaswerksleiter in Wels bis 1899, schließlich Direktor des Gaswerkes in Bielitz-Biala bis 1903. Nach dieser Zeit begann er seine Lehrtätigkeit zuerst als Probekandidat an der Realschule in Linz, später als Professor an der Linzer Handelsakademie, an der er bis zu seiner Pensionierung wirkte. Er unterrichtete in den Lehrfächern Zoologie und Botanik, Chemie, chemische Technologie und Warenkunde. Mit gütiger Nachsicht übersah er die Ignoranz seiner Schüler in wissenschaftlichen Dingen, aber die Zugänglichen unterwies er über den Lehrplan hinaus in Histologie, praktischer Chemie und mikroskopischer Technik. Als Mann der Praxis war er in den Notjahren des ersten Weltkrieges, als es an den kleinsten Dingen mangelte, allen seinen Mitmenschen ein wertvoller Ratgeber und stets mit tätiger Hilfe zur Hand. Noch im Ruhestand war er – mit Ausnahme der letzten zwei Kriegsjahre – bis in seine letzten Tage im Oberösterreichischen Landesmuseum am Werk. Am 26. Jänner 1946 starb er hochbetagt in Steyr.

Wessely war ein hervorragender Lichtbildner, zu einer Zeit, als die Fertigkeit im Fotografieren noch in der Entwicklung stand. Ein reichhaltiges Material von einigen Tausend Negativen, zum Teil kolorierten Diapositiven und Abzügen aus den Gebieten der Botanik, Pflanzensoziologie, Technologie, Paläontologie, Mineralogie, Geologie und Zoologie harrt noch der Verarbeitung und Auswertung. Als Jäger und eifriger Bergsteiger war er viel im Gebirge, kleinere Reisen führten ihn zu den Küsten der Adria.
In der Landesfaunistik ist ihm die beachtliche Behandlung zweier Gebiete zu danken, die sich sonst nur spärlich vorhandener Sachbearbeiter erfreuen. Das eine ist das Gebiet der Gastropoden, und das Ergebnis dieser Forschungsarbeit ist eine umfangreiche Sammlung determinierter Schnecken und Muscheln der oberösterreichischen Land- und Süßwasserfauna. Wessely arbeitete im Kontakt mit dem auf gleichem Gebiet bekannt gewordenen Pater Anselm Pfeiffer, und das zusammengetragene Material bildete überhaupt erst den Grundstock der Musealsammlung. Aber vielleicht von noch höherem Wert sind, wissenschaftlich gesehen, Wesselys Arbeiten und Beobachtungen über die heimischen Regenwürmer (Lumbriciden), die bis zu seiner Zeit keinen Bearbeiter gefunden hatten, so bedeutungsvoll sie auch im Haushalt der Natur seit jeher sind.
Erstmalig untersuchte Wessely, gestützt auf eine verschwindend geringe Literatur, in Korrespondenz mit dem einzigen Forscher dieser Art, dem Italiener Dr. Rosa, Turin, die Verhältnisse im Lande und stellte nach mehrmaliger Revision des Materials zuletzt zirka 30 Arten fest, von denen mehrere (insbesondere Octolasium montanum W., Dendrobaena filiformis W. und Lumbricus pusillus W.) von ihm neu beschrieben wurden und die er hinsichtlich ihrer Verbreitung in peregrine, orientalisch-zentrale und alpine Arten einteilte. Folgende Publikationen berichten über dieses Thema:
1. Die Lumbriciden Oberösterreichs, 34. Jahrbuch des Vereines für Naturkunde (1905), mit zwei Revisionsschriften dazu, und zwar:
a) Bericht über das Vorkommen und die Verbreitung von Lumbriciden in Oberösterreich und Salzburg, Manuskript (Linz 1934);
b) Beobachtungen über das Vorkommen und die Verbreitung von Lumbriciden in Oberdonau und Salzburg sowie angrenzenden Gebietsteilen, Manuskript (Linz 1943).
2. Die Lumbriciden der Sammlung des Oberösterreichischen Laudesmusemns, 78. Bericht des Oberösterreichischen Musealvereines (Linz 1920).
3. Beschreibung von für Oberösterreich neuen Regenwürmern nach den oberösterreichischen Fundstücken, 79. Bericht des Oberösterreichischen Musealvereines (Linz 1921).

Nur selten sonst ließ sich Wessely zu öffentlichen Vorträgen bestimmen (so zu seinem Vortrag über „Pflanzengemeinschaften“ mit Bildern eigener Aufnahmen, Linzer Tages-Post Nr. 24 vom 31.1.1906). Dagegen hatte zu jener Zeit der Verein für Naturkunde seine Belebung und Aktivität vorwiegend Wesselys internen Vorträgen zu verdanken. An der Handelsakademie hatte er eine umfangreiche Lehr-und Schausammlung aufgebaut, die heute nicht mehr in dieser Form besteht. Im übrigen liebte der Verstorbene die Stille und Abgeschiedenheit wie so mancher besinnliche Mensch. Sein Ansehen und die Ergebnisse seines Wirkens aber leben weiter. Und viele Menschen danken ihm wesentliches Wissen und seelische Bereicherung.
aus Hamann H. H. F., 1951: Karl Wessely. In: Zwei Pioniere heimischer Naturwissenschaft. – OÖ. Kulturber. 36: 1 S.

Landesmuseum 2017 Wessely Regenwurmforscher

Karl Wessely, einer der bedeutenden Forscher Oberösterreichs, wird bei der Ausstellung im OÖ. Landesmuseum 2017 präsentiert

1946 Totenbild

Totenbild von Karl Wessely,  von der Personendatenbank des Landesmuseums Linz

Links zu Karl Wessely:

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Eine Antwort zu Karl Wessely

  1. marie-christine somer schreibt:

    Gutentag,
    Ich habe eine kalendermedaille 1965 (Saturne). Wünschen sie ein Bild ?
    Entschuldigen mich für die Fehler, die .ich bin französich

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