Ferdinand Freihofner

Direktor freihofner Lehrer Bundeslehranstalt Porträt

1870 – 1943

Direktor der Bundeslehranstalt HTL von 1924 – 1932, sozialdemokratischer Politiker 

  • Geboren am 3.Jänner 1870 in Wien VII, Mariahilferstraße 74
    Gestorben am 26. Juli 1943 in St. Ulrich, Grabstätte am Urnenfriedhof Steyr

Lebenslauf aus der Familienchronik von Elfriede Albertine Perchacki (Steyr)

Ausbildung:
Ferdinand Freihofner besuchte die 5klassige Volksschule und die Realschule mit Matura. In der Chronik von Perchacki heißt es:

„Wegen sozialdemokratischer Umtriebe fiel er bei der Matura durch, wurde also ein Jahr zurückgesetzt. Um sich das Studium an der TU in Wien leisten zu können, gab er Nachhilfeunterricht, wobei er stundenlange Fußmärsche quer durch Wien in Kauf nahm. Ein Jude, der sein Geschäft in der unmittelbaren Nachbarschaft hatte, gab ihm Geld für’s Studium. Vom übriggebliebenen Geld unterstütze er seine Eltern bis zu deren Ableben.“

Er beendet das Studium Maschinenbau mit dem Titel „Diplomingenieur“. Es folgte der Militärdienst zur Marineausbildung in Pola, wo er als Schiffsmaschineningenieur im Rang eines niederen Unteroffiziers abrüstete.
Danach folgte eine Anstellung im Technologischen Gewerbemuseum und war am Bau der II. Wiener Hochquellenleitung beteiligt.

Heirat: am 26. Juli 1903 heiratete er in der Pfarre Rudolfsheim, Wien XIV, Johanna Tobias. Sie hatten vier Kinder. 1920 heiratete er nach dem Tod seiner 1. Ehefrau die um 13 Jahre jüngere Rosa Novak. Sie hatten einen Sohn.

Steyr
1904 zog die Familie um nach Steyr, Neuschönau, Marienstraße 8. Er bekam die Stelle eines Professors an der Technischen Versuchsanstalt in der Schwimmschulstraße. Er war auch zeitweise Leiter der Anstalt.
1916 übernahm er die provisorische Leitung der „Bundeslehranstalt für Eisen- und Stahlbearbeitung und für Elektrotechnik“ in der Schwimmschulstraße  (Schule ab 1923 in der Schlüsselhofstraße).

 

1916-09-27 - Ferd.Freihofner.kexx

1918: Steyrer Kalender: Am 27.9.1916 wird Professor Ferd. Freihofner Leiter der k.k. Fachschule und Versuchsanstalt in Steyr

 

Während des Ersten Weltkriegs (1914 – 1918) wurde er auf der Schießstätte im Wehrgraben zur Überprüfung der Gewehre eingesetzt und zusätzlich im Hauptwerk der Waffenfabrik.
Er wurde zum zweiten Vizebürgermeister der Gemeinde St. Ulrich gewählt und seine Unterschrift findet sich auf dem damals herausgegebenen Notgeld.

1924 wurde er Direktor der Bundeslehranstalt und Leiter der Fortbildungsschule für Lehrlinge und erhielt somit eine Leiterwohnung neben der Schule.
Im selben Jahr wurde die Abteilung Stahlschnitt von Prof. Gerstmayr, einem Schüler des Stahlschnittmeisters Blümelhuber, zur „Blümelhuberschule“ umbenannt. Gerstmayr war ein guter Freund von Ferdinand Freihofner.

 

Freihofner und Gerstmayr um 1920

Prof. Gerstmayr und Direktor Ferdinand Freihofner .- Foto: Privat (Chronik Perchacki)

 

Direktor freihofner Lehrer Bundeslehranstalt

 

1932 ging Ferdinand Freihofner in Pension. Er übersiedelte mit der Familie in das neue Altenheim in St. Ulrich.

Politische Tätigkeit und Verdienste
Er war von Jugend an ein überzeugter Sozialdemokrat in Taten wie in Worten. Sein Vater, von Beruf Sicherheitswachmann, sah das so: “Bua, wann i di auf di Barrikadn dawisch, muaß i di a mitnehma!“ Auf Grund seiner politischen Einstellung stieß er immer wieder auf Schwierigkeiten (siehe oben Beispiele Matura oder Direktorsposten in der Technischen Versuchsanstalt). Es war aber auch gerade diese, die ihn nach Steyr, in die von Not geplagte Arbeiterstadt, übersiedeln ließ, weil er dort das Potential und das dazugehörige Umfeld für seine politischen Ideen zu finden wusste.
Er hielt Reden an die Arbeiterschaft, wobei ihm die Lokalität völlig unwichtig war, also auch an Straßenecken. Im Wirtshaus hatte er immer ein großes Herz für arme Schlucker, sehr zum Leidwesen seiner Ehefrau Rosa, die die Finanzen überhatte.
Seine Reden wurden auf roten Plakaten angekündigt. Mit schwarzer Schrift stand darauf:
„Heute spricht Prof. Freihofner zu den Arbeitern über…“ Er war ein guter Redner. Er bereitete seine Reden aus dem Kopf vor, ohne Zettel oder sonstige Unterlagen, indem er in seinem Arbeitszimmer auf und ab ging und gestikulierend vor sich hindeklamierte.

Kaum in Steyr sesshaft geworden, nahm er Teil an sämtlichen Versammlungen, um sozialdemokratisches Gedankengut vermitteln zu können. Er war Mitglied der Organisation für die „Freie Schule“, die sich besonders gegen den kirchlichen Einfluss verwehrte. Er war Gründungsmitglied und Obmann des „Vereines der Beamten, Lehrer und Pensionisten“ und Gründungsmitglied der „Sozialistischen Vereinigung geistiger Arbeiter“ und Gründungsmitglied der „Flamme“, des Ersten Alpenländischen Feuerbestattungsvereins.
Natürlich war, politisch gesehen, die Angst sein ständiger Begleiter. Die Angst, dass sie ihn eines Tages holen würden. Sorge und Ohnmacht gegenüber der wachsenden Macht des Nationalsozialismus erfüllten ihn und Trauer darüber, dass keines seiner Kinder sein politisches Erbe antrat.

Zu seiner Berufskarriere als Lehrer, Leiter und Direktor an Steyrer Schulen:
Wie oben erwähnt, war ihm der Direktorsposten in der Technischen Versuchsanstalt verwehrt worden.
Als Leiter bzw. Direktor der Bundeslehranstalt und Gewerblichen Fachschule konnte er viele Neuerungen am Schulsektor miterleben und mitvollziehen. Steigende Schülerzahlen erforderten die Einrichtung eines Heimes. Der langgehegte Wunsch, eine Elektrotechnische Abteilung zu errichten, ging in Erfüllung. Die Abteilung Graveure und Ziseleure erfuhr eine Erweiterung durch den künstlerischen Stahlschnitt durch Prof. Gerstmayr. Erstmals wurden in diese Abteilung auch Mädchen aufgenommen. 1923 erfuhr der Schulkomplex eine Erweiterung durch die Installierung einer Gewerblichen Fortbildungsschule, wo im Sinne der dualistischen Ausbildung gelehrt wurde. Um den Erhalt der Schule zu sichern, sah sich die in Geldnöten befindliche Stadtgemeinde gezwungen, die ganze Anlage an den Bund zu verkaufen. Dadurch erfolgte auch die Umbenennung in „Bundeslehranstalt …“. Der Ausgestaltung der Schule folgte der Titel eines Regierungsrates für den Direktor.

Aus: Manfred Brandl, Neue Geschichte von Steyr
Seite 196:
. . . Für die Organisation der „Freien Schule“, welche sich hauptsächlich gegen kirchlichen Einfluss auf die und in der Schule wandte, gab es am 20. November 1904 eine Volksversammlung, wobei Winarsky aus Wien als Redner auftrat. Allerdings wollte dieser Verein nicht nur Sozialdemokraten ansprechen. Über die Generalversammlung am 8. Jänner 1910 berichtete die Steyrer-Zeitung, dass der Lehrer Langoth Obmann war. Dieser war national eingestellt; die Versammlung war aber zumeist von Arbeitern besucht. Es erschienen auch Fachschulprof. Freihofner, Steueroffizial Zacek und Wokral. . .
. . . Am 17. April 1909 war Gründende Versammlung des den Sozialdemokraten nahe stehenden „Vereines der Beamten, Lehrer und Pensionisten“. Obmann des vorbereitenden Ausschusses und Vorsitzender des Vereins nach der Gründung war Prof. Ferdinand Freihofner von der Fachschule. …
Seite 197:
. . . 1920 wurde eine Ortsgruppe der „Sozialistischen Vereinigung geistiger Arbeiter“ geschaffen; Mitarbeiter in ihr waren u.a. Prof. Ziegler, Dir. Ferdinand Freihofner, Oberoffizial Rußmann, Bürgerschuldir. Alois Lebeda, Redakteur Emanuel Januschka vom „Steyrer Tagblatt“. …
Seite 238:
. . . Als Leiter bzw. Direktoren (der “Bundeslehranstalt für Eisen-und Stahlbearbeitung und für Elektrotechnik“) standen folgende Männer der Schule vor: … Ing. Rudolf Pawlicka (13.1.1864 – 5.1.1916) … Nach seinem Tode übernahm Prof. Ferdinand Freihofner die provisorische Leitung. Im April 1919 wurde Ing.Karl Wolf … zum Direktor ernannt…

 

Aus dem „Steyrer Tagblatt“

(Auszeichnungen) Der Bundespräsident hat dem Direktor der „Bundeslehranstalt für Eisen-und Stahlbearbeitung und für Elektrotechnik“ in Steyr Ing. Ferdinand Freihofner den Titel eines Studienrates … verliehen.

In der Familienchronik heißt es:

Er war mehrerer Sprachen kundig: Französisch, Latein, Alt-Griechisch und Hebräisch.
Seine Hobbies waren Sprach- und Philosophiestudien. Seine Lieblingsphilosophen waren Kant, Schopenhauer und Deussen.

Familienbild Freihofner

Familienbild Freihofner um 1900

Bundeslehranstalt Lehrkörper Freihofner Gerstmayr

Lehrkörper der Bundeslehranstalt für Eisen- und Stahlbearbeitung und Elektrotechnik in  Steyr.- Direktor Freihofner in 1. Reihe dritter von rechts, links daneben Prof. Gerstmayr

 

1920 - St.Ulrich - Notgeld

Notgeld aus St. Ulrich mit der Unterschrift von Vizebürgermeister F. Freihofner (rechts)

 

Über redtenbacher

Redtenbacher Fan
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