Albert Weinschenk

 

Weinschenk portraetKapellmeister, Soloflötist, Leiter der Musikfreunde Steyr

und Musikschule Steyr

(1890 – 1976)

  • Geboren am 9. Dezember 1890 in Wien
  • Gestorben am 26. April 1976 in Steyr

Albert Weinschenk kam 1930 nach Steyr und war hier Leiter der Musikschule und des Musikvereines Steyr. 1935 erhielt er den Ehrentitel „Professor“ verliehen. Nach dem 2. Weltkrieg war er Dirigent der Stadtkapelle Steyr, Mitbegründer und Obmann des OÖ. Blasmusikverbandes.

Aus den biografischen Daten von Regiowiki:

Albert Weinschenk studierte an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst (Flöte), wo er 1910 auch ein „Prämium“ erhielt. Von 1913 bis zum Zweiten Weltkrieg war er Soloflötist des Wiener Tonkünstler-Orchesters. Er wirkte bei diversen Orchestern mit, unter anderem beim Kurorchester Baden, wie ein Zeitungsbericht erzählt.

 

1914 Juni 3 Badener Zeitung Kurkonzerte floetist weinschenk

1914 Badener Zeitung vom 3.6.1914: Soloflötist Albert Weinschenk (Quelle: anno.onb.ac.at)

1920 bis 1930 in Znaim:

1920 Znaimer Tagblatt April 23 Weinschenk neu

1920 Znaimer Tagblatt vom 23.4.1920:  „Musikdirektor Albert Weinschenk ist gestern in Znaim eingetroffen“ (Quelle: anno.onb.ac.at)

1920 April 28 Znaimer Tagblatt Konzert weinschenk

1920 Znaimer Tagblatt vom 28.4.1920: Bericht über das Symphoniekonzert des Znaimer Musikerbundes mit den „zwei erstklassigen Wiener Künstlern Karl Berla und Albert Weinschenk“  (Quelle: anno.onb.ac.at)

 

Auch in dem 1918 von Arnold Schönberg gegründeten Verein für musikalische Privataufführungen spielte Weinschenk als Solist.Von 1921 bis 1930 wirkte er in Znaim, wo er den Znaimer Musikverein sowie den Chor der Hl. Kreuz-Kirche leitete.

1930 kam Weinschenk nach Steyr, wo er die dortige Musikschule bis zu seiner Pensionierung leitete. Daneben war er von 1930 bzw. 1931 bis 1939 und von 1948 bis 1962 musikalischer Leiter der Gesellschaft der Musikfreunde Steyr und von 1932 bis 1943 sowie von 1948 bis 1961 Dirigent der Stadtkapelle Steyr.

 

1930 Reichspost Dez 19. Konzert Albert Weinschenk neu

1930 Reichspost vom 19.12.1930: Bericht über das Nachmittagskonzert in Steyr mit Musikdirektor Albert Weinschenk (Quelle: anno.onb.ac.at)

1948 wurde Weinschenk als Obmann-Stellvertreter in den Vorstand des neu gegründeten Oberösterreichischen Blasmusikverbandes aufgenommen; nach dem Tod des damaligen Obmannes Hans Scheichl wurde Weinschenk zum 1952 Obmann ernannt. In seine Amtszeit fiel unter anderem der erste oberösterreichische Komponistenwettbewerb im Jahr 1953, der Aufbau der Bezirksorganisationen und die Einrichtung von Ehrungen für verdiente Kapellmeister. 1970 übergab Weinschenk das Amt des Obmannes an Sepp Achleitner.

 

Ehrungen
• 1935: Berufstitel Professor
• Ehrenpräsident des Oberösterreichischen Blasmusikverbandes
• Ehrenpräsident des Niederösterreichischen Blasmusikverbandes
• Ehrenmitglied der Stadtkapelle Steyr
• Ehrenmitglied des Männergesangsvereines „Sängerlust“ Steyr

Straßenname 1991: 

Die Prof. Albert Weinschenk-Straße in Steyr wurde nach Weinschenk benannt. Der Beschluss war 1991; der frühere Name „Mannlicherstraße“ wurde durch „Prof.Albert Weinschenk-Straße“ geändert.  (http://www.steyr.at/Strassennamen_W_3)

 

1971-02 - Amtsbl(02-03) - Prof.Weinschenk

Amtblatt Steyr 1971: Ehrung von Prof. Albert Weinschenk anlässlich seines 80. Geburtstages

 

Zur Stadtkapelle Steyr: 

Die alte Stadtkapelle wurde zunächst in den Musikverein (Gesellschaft der Musikfreunde) integriert und stand 1946–48 unter der Leitung von Franz Teleu und 1948–61 unter jener von Albert Weinschenk; 1962–88 folgte Rudolf Nones. Seit 1965 bestehen Stadtkapelle (Kpm.: Gerald Reiter 1988–92, Fritz Neuböck jun. 1992–95, Günter Hagauer 1995/96, Wolfram Rosenberger 1996–98, Helmut Schiffl 1998–2000, Reinhard Nowak 2000–05, Johann Grabner seit 2005) (Quelle: : https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_S/Steyr.xml)

 

1966 Ehrungen Musikkapellmeister LH

1966: rechts neben Landeshauptmann Gleißner sitzt Blasmusikpräsident Albert Weinschenk. Link zur Veröffentlichung dieses Bildes und Bildtextes: http://www.musikneukirchen.at/verein/ehrungen?id=226:ehrung1&catid=37

1966 Ehrungen Musikkapellmeister LHtextjpg

 

Advertisements
Veröffentlicht unter Künstler, Musiker, Persönlichkeiten | Kommentar hinterlassen

Josef Wokral

 

Josef.Wokral

(1875 – 1926)

Josef Wokral wurde am 26. Jänner 1875 in Wien geboren und war ursprünglich Privatbeamter. 1908 kam er als Sekretär des Metallarbeiterverbandes nach Steyr, wo seine politische Karriere begann. 1911 wurde er in den Gemeinderat aufgenommen und 7 Jahre später als Vizebürgermeister gewählt und in den Landtag delegiert. Am 9. Mai 1919 wurde er zum Bürgermeister gewählt (SPÖ). 1926 endete Josef Wokrals Karriere als Bürgermeister, da er unerwartet starb.
Ihm zu Ehren wurde die Josef-Wokral-Straße auf der Ennsleite benannt.

Quelle:
Steyrer Kalender, 1926
http://www.ris.at/homes/magsteyr/strassen/W.htm

Aus: Manfred Brandl, Neue Geschichte von Steyr, S.170
Wahl von Bürgermeister Josef Wokral 1919
„Das Blatt hatte sich zur sozialdemokratischen Seite gewendet. Nachdem Bürgermeister Gschaider am 26. März 1919 die Konsequenzen gezogen und der Landesregierung seine Abdankung übermittelt hatte – am 28. März wurde er auch beurlaubt – wählte der Gemeinderat in der konstituierenden Sitzung vom 7. April 1919 Josef Wokral zum provisorischen Bürgermeister.
In neuerlicher konstituierender Sitzung am 25. Mai 1919 wurde Wokral definitiv Bürgermeister.“

Zur Biografie heißt es bei Brandl:

„Der am 26. Jänner 1875 in Wien geborene wurde das erste sozialdemokratische Stadtoberhaupt. Er erlernte das Gürtlergewerbe, wurde Krankenkassenbeamter, Gewerkschaftssekretär des Metallarbeiterverbandes und war als solcher seit 1908 in Steyr. Deutschnationale Ideen vertrat er einmal 1908 bei einer Versammlung. Am 19. September 1909 sprach er sogar zu einer christlichen Metallarbeiterversammlung.
Im März 1911 wurde er in den Gemeinderat gewählt. 1911 war er auch Reichsrats-Kandidat. Am 23. November 1918 wurde er Vizebürgermeister. Seine Sachlichkeit belegt bereits die Wahlannahmsrede vom 7. April 1919 nach seiner Wahl zum Bürgermeister. Er war auch beim politischen Gegner hoch angesehen.
1919 wurde er Landtagsabgeordneter.
Er starb am 2. April 1926 und wurde in Wien eingeäschert. Der Gemeinderat hat am 3. Juli 1926 ihm zu Ehren die Ennsleitenstraße in „Wokralstraße“ umbenannt.“

 

Aus der Geschichte Steyrs 1919-1926:
1918 – 1923 Streiks und Unruhen in Steyr vor allem wegen der Arbeitslosigkeit
1919 Mit Josef Wokral (bis 1926) wird zum ersten Mal ein Sozialdemokrat Bürgermeister von Steyr
Bild: Aufnahme zwischen 1920 und 1922, Josef Wokral (vorne) neben Ferdinand Hanusch (links), ein bekannter Sozialreformer.
1923 Steyr hat 22.111 Einwohner
1923 Gemeinderatswahlen in Steyr
1924 Wohnungsanforderung in Steyr (leer stehende Zweitwohnungen an Wohnbedürftige)
Quelle: http://www.steyr.spoe.at/27022.html Juni 2011

 


Anlässlich des Gedenkjahres 1918 – 2018 „100 Jahre Gründung der 1. Republik Österreich“ wurde in Steyr am 12.2.2018 eine Gedenktafel für Bürgermeister Wokral enthüllt.

 

Schüler und Schülerinnen der HAK Steyr widmeten sich der Zeit von Josef Wokral in Steyr in der Teilnahme am „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten“ zum Thema „1918 – 1920“. Dabei erreichte die Projektgruppe den 1. Preis.
Link zum Projekt: https://geschichtswettbewerb.jimdo.com/

Veröffentlicht unter Bürgermeister, Persönlichkeiten | Kommentar hinterlassen

Ferdinand Freihofner

Direktor freihofner Lehrer Bundeslehranstalt Porträt

1870 – 1943

Direktor der Bundeslehranstalt HTL von 1924 – 1932, sozialdemokratischer Politiker 

  • Geboren am 3.Jänner 1870 in Wien VII, Mariahilferstraße 74
    Gestorben am 26. Juli 1943 in St. Ulrich, Grabstätte am Urnenfriedhof Steyr

Lebenslauf aus der Familienchronik von Elfriede Albertine Perchacki (Steyr)

Ausbildung:
Ferdinand Freihofner besuchte die 5klassige Volksschule und die Realschule mit Matura. In der Chronik von Perchacki heißt es:

„Wegen sozialdemokratischer Umtriebe fiel er bei der Matura durch, wurde also ein Jahr zurückgesetzt. Um sich das Studium an der TU in Wien leisten zu können, gab er Nachhilfeunterricht, wobei er stundenlange Fußmärsche quer durch Wien in Kauf nahm. Ein Jude, der sein Geschäft in der unmittelbaren Nachbarschaft hatte, gab ihm Geld für’s Studium. Vom übriggebliebenen Geld unterstütze er seine Eltern bis zu deren Ableben.“

Er beendet das Studium Maschinenbau mit dem Titel „Diplomingenieur“. Es folgte der Militärdienst zur Marineausbildung in Pola, wo er als Schiffsmaschineningenieur im Rang eines niederen Unteroffiziers abrüstete.
Danach folgte eine Anstellung im Technologischen Gewerbemuseum und war am Bau der II. Wiener Hochquellenleitung beteiligt.

Heirat: am 26. Juli 1903 heiratete er in der Pfarre Rudolfsheim, Wien XIV, Johanna Tobias. Sie hatten vier Kinder. 1920 heiratete er nach dem Tod seiner 1. Ehefrau die um 13 Jahre jüngere Rosa Novak. Sie hatten einen Sohn.

Steyr
1904 zog die Familie um nach Steyr, Neuschönau, Marienstraße 8. Er bekam die Stelle eines Professors an der Technischen Versuchsanstalt in der Schwimmschulstraße. Er war auch zeitweise Leiter der Anstalt.
1916 übernahm er die provisorische Leitung der „Bundeslehranstalt für Eisen- und Stahlbearbeitung und für Elektrotechnik“ in der Schwimmschulstraße  (Schule ab 1923 in der Schlüsselhofstraße).

 

1916-09-27 - Ferd.Freihofner.kexx

1918: Steyrer Kalender: Am 27.9.1916 wird Professor Ferd. Freihofner Leiter der k.k. Fachschule und Versuchsanstalt in Steyr

 

Während des Ersten Weltkriegs (1914 – 1918) wurde er auf der Schießstätte im Wehrgraben zur Überprüfung der Gewehre eingesetzt und zusätzlich im Hauptwerk der Waffenfabrik.
Er wurde zum zweiten Vizebürgermeister der Gemeinde St. Ulrich gewählt und seine Unterschrift findet sich auf dem damals herausgegebenen Notgeld.

1924 wurde er Direktor der Bundeslehranstalt und Leiter der Fortbildungsschule für Lehrlinge und erhielt somit eine Leiterwohnung neben der Schule.
Im selben Jahr wurde die Abteilung Stahlschnitt von Prof. Gerstmayr, einem Schüler des Stahlschnittmeisters Blümelhuber, zur „Blümelhuberschule“ umbenannt. Gerstmayr war ein guter Freund von Ferdinand Freihofner.

 

Freihofner und Gerstmayr um 1920

Prof. Gerstmayr und Direktor Ferdinand Freihofner .- Foto: Privat (Chronik Perchacki)

 

Direktor freihofner Lehrer Bundeslehranstalt

 

1932 ging Ferdinand Freihofner in Pension. Er übersiedelte mit der Familie in das neue Altenheim in St. Ulrich.

Politische Tätigkeit und Verdienste
Er war von Jugend an ein überzeugter Sozialdemokrat in Taten wie in Worten. Sein Vater, von Beruf Sicherheitswachmann, sah das so: “Bua, wann i di auf di Barrikadn dawisch, muaß i di a mitnehma!“ Auf Grund seiner politischen Einstellung stieß er immer wieder auf Schwierigkeiten (siehe oben Beispiele Matura oder Direktorsposten in der Technischen Versuchsanstalt). Es war aber auch gerade diese, die ihn nach Steyr, in die von Not geplagte Arbeiterstadt, übersiedeln ließ, weil er dort das Potential und das dazugehörige Umfeld für seine politischen Ideen zu finden wusste.
Er hielt Reden an die Arbeiterschaft, wobei ihm die Lokalität völlig unwichtig war, also auch an Straßenecken. Im Wirtshaus hatte er immer ein großes Herz für arme Schlucker, sehr zum Leidwesen seiner Ehefrau Rosa, die die Finanzen überhatte.
Seine Reden wurden auf roten Plakaten angekündigt. Mit schwarzer Schrift stand darauf:
„Heute spricht Prof. Freihofner zu den Arbeitern über…“ Er war ein guter Redner. Er bereitete seine Reden aus dem Kopf vor, ohne Zettel oder sonstige Unterlagen, indem er in seinem Arbeitszimmer auf und ab ging und gestikulierend vor sich hindeklamierte.

Kaum in Steyr sesshaft geworden, nahm er Teil an sämtlichen Versammlungen, um sozialdemokratisches Gedankengut vermitteln zu können. Er war Mitglied der Organisation für die „Freie Schule“, die sich besonders gegen den kirchlichen Einfluss verwehrte. Er war Gründungsmitglied und Obmann des „Vereines der Beamten, Lehrer und Pensionisten“ und Gründungsmitglied der „Sozialistischen Vereinigung geistiger Arbeiter“ und Gründungsmitglied der „Flamme“, des Ersten Alpenländischen Feuerbestattungsvereins.
Natürlich war, politisch gesehen, die Angst sein ständiger Begleiter. Die Angst, dass sie ihn eines Tages holen würden. Sorge und Ohnmacht gegenüber der wachsenden Macht des Nationalsozialismus erfüllten ihn und Trauer darüber, dass keines seiner Kinder sein politisches Erbe antrat.

Zu seiner Berufskarriere als Lehrer, Leiter und Direktor an Steyrer Schulen:
Wie oben erwähnt, war ihm der Direktorsposten in der Technischen Versuchsanstalt verwehrt worden.
Als Leiter bzw. Direktor der Bundeslehranstalt und Gewerblichen Fachschule konnte er viele Neuerungen am Schulsektor miterleben und mitvollziehen. Steigende Schülerzahlen erforderten die Einrichtung eines Heimes. Der langgehegte Wunsch, eine Elektrotechnische Abteilung zu errichten, ging in Erfüllung. Die Abteilung Graveure und Ziseleure erfuhr eine Erweiterung durch den künstlerischen Stahlschnitt durch Prof. Gerstmayr. Erstmals wurden in diese Abteilung auch Mädchen aufgenommen. 1923 erfuhr der Schulkomplex eine Erweiterung durch die Installierung einer Gewerblichen Fortbildungsschule, wo im Sinne der dualistischen Ausbildung gelehrt wurde. Um den Erhalt der Schule zu sichern, sah sich die in Geldnöten befindliche Stadtgemeinde gezwungen, die ganze Anlage an den Bund zu verkaufen. Dadurch erfolgte auch die Umbenennung in „Bundeslehranstalt …“. Der Ausgestaltung der Schule folgte der Titel eines Regierungsrates für den Direktor.

Aus: Manfred Brandl, Neue Geschichte von Steyr
Seite 196:
. . . Für die Organisation der „Freien Schule“, welche sich hauptsächlich gegen kirchlichen Einfluss auf die und in der Schule wandte, gab es am 20. November 1904 eine Volksversammlung, wobei Winarsky aus Wien als Redner auftrat. Allerdings wollte dieser Verein nicht nur Sozialdemokraten ansprechen. Über die Generalversammlung am 8. Jänner 1910 berichtete die Steyrer-Zeitung, dass der Lehrer Langoth Obmann war. Dieser war national eingestellt; die Versammlung war aber zumeist von Arbeitern besucht. Es erschienen auch Fachschulprof. Freihofner, Steueroffizial Zacek und Wokral. . .
. . . Am 17. April 1909 war Gründende Versammlung des den Sozialdemokraten nahe stehenden „Vereines der Beamten, Lehrer und Pensionisten“. Obmann des vorbereitenden Ausschusses und Vorsitzender des Vereins nach der Gründung war Prof. Ferdinand Freihofner von der Fachschule. …
Seite 197:
. . . 1920 wurde eine Ortsgruppe der „Sozialistischen Vereinigung geistiger Arbeiter“ geschaffen; Mitarbeiter in ihr waren u.a. Prof. Ziegler, Dir. Ferdinand Freihofner, Oberoffizial Rußmann, Bürgerschuldir. Alois Lebeda, Redakteur Emanuel Januschka vom „Steyrer Tagblatt“. …
Seite 238:
. . . Als Leiter bzw. Direktoren (der “Bundeslehranstalt für Eisen-und Stahlbearbeitung und für Elektrotechnik“) standen folgende Männer der Schule vor: … Ing. Rudolf Pawlicka (13.1.1864 – 5.1.1916) … Nach seinem Tode übernahm Prof. Ferdinand Freihofner die provisorische Leitung. Im April 1919 wurde Ing.Karl Wolf … zum Direktor ernannt…

 

Aus dem „Steyrer Tagblatt“

(Auszeichnungen) Der Bundespräsident hat dem Direktor der „Bundeslehranstalt für Eisen-und Stahlbearbeitung und für Elektrotechnik“ in Steyr Ing. Ferdinand Freihofner den Titel eines Studienrates … verliehen.

In der Familienchronik heißt es:

Er war mehrerer Sprachen kundig: Französisch, Latein, Alt-Griechisch und Hebräisch.
Seine Hobbies waren Sprach- und Philosophiestudien. Seine Lieblingsphilosophen waren Kant, Schopenhauer und Deussen.

Familienbild Freihofner

Familienbild Freihofner um 1900

Bundeslehranstalt Lehrkörper Freihofner Gerstmayr

Lehrkörper der Bundeslehranstalt für Eisen- und Stahlbearbeitung und Elektrotechnik in  Steyr.- Direktor Freihofner in 1. Reihe dritter von rechts, links daneben Prof. Gerstmayr

 

1920 - St.Ulrich - Notgeld

Notgeld aus St. Ulrich mit der Unterschrift von Vizebürgermeister F. Freihofner (rechts)

 

Veröffentlicht unter Persönlichkeiten, Politiker, Techniker | Kommentar hinterlassen

Michael Haas

 

Totenbild_1866 Michael HaasBuchdrucker und Gemeinderat

(1781 ? – 1866)

  • geboren: vermutlich in Wels 1781
  • gestorben: 21. Dezember 1866 in Steyr 49

 

1866.Totenbuch Stadtpfarre Michael Haas

Totenbuch Stadtpfarre Steyr 306/1866: Eintrag von Michael Haas, 85 Jahre, Todesursache: Wassersucht

Nachruf zum Tod von Michael Haas:

Quelle: Gemeinde-Zeitung: unabhängiges politisches Journal 29.12.1866 (eingelesen: Anno.onb.ac.at)
„Michael Haas, Gemeinderat und Buchdruckereibesitzer hier, ist am 21.d.M. im 85. Lebensjahr gestorben. Wie sehr er von der Bürgerschaft geliebt war, zeigte sich besonders bei seinem Leichenbegängnisse, wo fast kein Bürger und kein Beamter der Stadt fehlte. Im Jahre 1816 übernahm er die Großmairische Buchdruckerei in Wels, wo der Neu-Gründer der österreichischen Staatsdruckerei in Wien, Hofrath von Auer, in den Dreißiger Jahren die Typografie erlernte. Im Jahre 1851 übergab er das Geschäft seinem Sohne Johann. Er aber übersiedelte nach Steyr, wo er die Goirs´sche Buchdruckerei ankaufte. Von seiner Thätigkeit zeigt, daß er noch in den letzten Jahren selbst gesetzt hat. Er hinterlässt 2 Söhne und 6 Töchter.“

 

1848 Wiener zeitung Anzeige vom 11.4.1848

1848:  Anzeige in der „Wiener Zeitung“ vom 11. April 1848 über die Publikation von „Zwanglosen Blättern“ in Steyr nach Aufhebung der Zensur (aus: Anno.onb.ac.at)

 

1855 veröffentlicht Michael Haas den „Alpenboten“. In Zeitungen finden sich Hinweise darauf. Beispiel „Linzer Abendbote vom 5.10.1855“:

Quelle: Linzer Abendbote: Zeitschrift für Stadt und Land vom 5.10.1855, S.2 (anno.onb.ac.at)

„Wie man vernimmt, wird in Steyr im Verlage von Michael Haas, noch im heurigen Jahre ein nichtpolitisches Wochenblatt erschienen, welches den Titel „Der Alpenbote von Steyr und Hall“ führen und jeden Donnerstag ausgegeben werden soll.“

1855 Alpenbote angekuendigt

Linzer Alpenbote 5.10.1855 Seite 2 (Kopie: anno.onb.ac.at)

 

1857 Alpenbote 2

Linzer Abendbote: 19.12.1856, S. 4 (aus: anno.onb.ac.at)

„Linz, 12. April 1863: Rückwirkungen eines Press-Prozesses.

Bekanntlich kam bei dem in Steyr verhandelten Pressprozesses gegen Dr. Pierer und gegen den Redacteur des „Alpenboten“ Michael Haas, der Umstand zur Sprache, dass der Präsident des dortigen Kreisgerichtes, Dr. Weigl, den Redacteur Haas persönlich zur Aufnahme von einschneidenden Artikeln über die Missbräuche in der Gemeindeverwaltung zu Steyr aufgefordert und dass der Bezirksvorsteher Schulz das genannte Blatt einer Präventivcensur unterzogen habe. Beide Beamte sind nunmehr von ihren leitenden Posten entfernt und erster zum Oberlandesgericht in Wien und letzterer zur hiesigen Statthalterei einberufen worden.-

  

Michael Haas führte von 1837-67 eine Druckerei, die das Lokalblatt „Der Alpen-Bote“ verlegte und eine stattliche Zahl von Gebet-, Erbauungsbüchern und Geschichtenbüchern druckte. M. Haas‘ Enkel Emil Haas (18.10.1842-30.5.1903) kam 1862 nach Steyr zu seinem Großvater und übernahm 1887 von Anna Haas und Therese Haas die Druckerei, die von 1867-87 „Michael Haas’sche Erben“ hieß, 1887 in „Emil Haas & Cie.“ umbenannt wurde. Am 1. Jänner 1900 übernahm sein Vetter, der Buchhändler Arther Fleischanderl die Druckerei samt dem bis dahin deutschfortschrittlichen (altliberalen) Alpen-Booten. Die Firmenbezeichnung lautete nun „Haas & Arthur Fleischanderl“. Hierauf führte Hugo Drahowsal die Druckerei von 1903 bis 1926, anfangs gemeinsam mit Johanna Drahowsal. In dieser Druckerei erschien seit 1906 die Monatsschrift „Evangelischer Gemeinde-Bote“. Langjähriger Geschäftsleiter und Teilhaber von Emil Haas & Cie. war Hermann Bachtrog. 

dazu: Link zu Emil Haas auf Steyrer Pioniere

 

1850ca - Kreuzweg.Druckerei Michael Haas Steyr

Zur Geschichte des „Steyrer Kalenders“ findet sich der Artikel von Erlefried Krobath in den angeführten Bildern

 

Veröffentlicht unter Persönlichkeiten, Unternehmer | Kommentar hinterlassen

Heinrich Schwarz

1984 - Bgm.Schwarz Heinrich

 (1932 – 2018)

Bürgermeister 1984 – 1991

Förderer der Jugend, sozialer Einrichtungen aber auch des wirtschaftlichen Gedeihens der Stadt. Verfechter der Toleranz im sozialen Zusammenleben.

Lebenslauf: Geboren am 28.5.1932, aufgewachsen in den Notjahren der Vorkriegs- und Weltkriegszeit, begann Heinrich Schwarz nach dem Ende der Schulpflicht die Lehre für Maschinenschlosser in den Steyr-Werken und schloss seine Berufsausbildung 1951 mit der Facharbeiterprüfung ab. Heinrich Schwarz trat 1952 in den Dienst des Arbeitsamtes Steyr, legte die B-Matura-Prüfung ab und stieg im Amt zum Abteilungsleiter dieser Behörde auf.
Aus der am 8.6.1957 geschlossenen Ehe mit Annemarie, geb. Liehs, entsprossen drei Kinder: Ursula, Gerhard (mit sieben Jahren tödlich verunglückt) und Thomas.
Politischer Werdegang: Geprägt von den Eindrücken der Kriegszeit, schloss sich Heinrich Schwarz schon in den ersten Nachkriegsjahren der sozialdemokratischen Jugendorganisation der Kinderfreunde an und wurde bald zum führenden Funktionär dieses Vereins in Steyr. 1967 wurde Heinrich Schwarz als Vertreter der SPÖ in den Gemeinderat der Stadt Steyr gewählt, 1973 Stadtrat sowie 1974 als Vizebürgermeister bestellt. Am 10. Jänner 1984 folgte Heinrich Schwarz dem bisherigen Bürgermeister Franz Weiss als Bürgermeister nach und übte das Amt des Stadtoberhaupts bis 1991 aus.
Sein besonderes Augenmerk galt der Förderung der Jugend im Bereich der Schule, der Berufsausbildung und auch des Sports wie auch der Unterstützung von Mitbürgern in Notlagen – so auch im Rahmen der Organisation der Österreichischen Volkshilfe. Geprägt von den Kindheitserlebnissen in der Zeit totalitärer Regime, war seine Amtsführung stets vom Gedanken der Toleranz, des Ausgleichs im städtischen Zusammenleben im Interesse aller Mitbürger getragen. So wurde er immer wieder zum Mahner gegen die Unmenschlichkeit vergangener Epochen.

Es war ihm auch ein hervorragendes Anliegen, dass die Steyr-Daimler-Puch A.G. im Standort Steyr eine neue Lehrwerkstätte errichtete, die somit nach wie vor den beruflichen Werdegang der Steyrer Jugend besonders unterstützt. Heinrich Schwarz trieb für leistbares Wohnen den sozialen Wohnbau weiter voran, und auch der Ausbau der Sportanlagen auf der Rennbahn wie auch in anderen Stadtteilen fällt in seine Amtszeit. Er behielt zur Förderung der wirtschaftlichen Prosperität der Stadt auch immer das Wohl der Steyrer Großbetriebe im Auge. In die Amtszeit von Bürgermeister Schwarz fiel auch die Fertigstellung des sog. „Wehrgrabentunnels“, der den städtischen Verkehrsring schloss und damit eine gravierende Verbesserung im städtischen Verkehr brachte. Auch im Bereich der Abwasserversorgung der Stadt wurden in der Ära Schwarz wesentliche Bauprojekte verwirklicht. Ebenso fällt in seine Amtszeit auch die Eröffnung des Museums Arbeitswelt, dessen Leitgedanke – Darstellung der Geschichte und Sorgen der arbeitenden Menschen – immer auch das Anliegen von Heinrich Schwarz blieb.

Neben seinem Amt als Bürgermeister war Heinrich Schwarz durch Jahrzehnte auch Bezirksstellenleiter der Österreichischen Roten Kreuzes, und war ihm die Förderung dieser Institution immer ein besonderes Anliegen.

Für seine umsichtige Amtsführung wurde Bürgermeister a.D. Heinrich Schwarz neben weiteren Auszeichnungen am 15.3.1992 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Steyr ausgezeichnet, und er war auch Träger der Victor-Adler-Plakette, der höchsten Würdigung durch die SPÖ.

Gezeichnet von seiner langjährigen Krankheit, verschied Heinrich Schwarz am 9.Februr 2018 im Alter von 85 Jahren. Die Verabschiedung fand am 16.Februar unter reger Anteilnahme der Bevölkerung sowie großer Delegationen des Roten Kreuzes, der Freiwilligen Feuerwehr und der Österreichischen Kinderfreunde in der Feuerhalle des Krematoriums von Steyr statt. Die Trauerrede hielt der Bürgermeister der Stadt Steyr, Gerald Hackl. Unter den Trauergästen fanden sich auch der emeritierte Bischof der Diözese Linz, Maximilian Aichern, wie auch Vertreter anderer Parteien der Stadt ein. Die Urne des Verstorbenen wurde im Urnenhain von Steyr beigesetzt.

(Zusammenstellung:  Heinz Kern)

 

Presseaussendung „SPÖ trauert um Alt-Bürgermeister Schwarz“ auf e-Steyr.com (10.2.2018) (http://www.e-steyr.com/steyr-news/newsblog/7190-spoe-trauert-um-alt-buergermeister-schwarz)

STEYR. Die SPÖ trauert um Bürgermeister in Ruhe Heinrich Schwarz. Er starb am 9. Februar im Alter von 85 Jahren. „Heinrich Schwarz war eine verdienstvolle, von Humanismus und Bescheidenheit geprägte Persönlichkeit. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Anni und der Familie“, so SPÖ-Bezirksparteivorsitzender Nationalratsabgeordneter Markus Vogl.

Bürgermeister Gerald Hackl sagt: „Heinrich Schwarz bleibt als eine der angesehensten Persönlichkeiten unserer Stadt in Erinnerung. Er widmete sich mit ganzem Herzen den Anliegen der Bevölkerung.

Heinrich Schwarz wurde am 28. Mai 1932 in Steyr geboren. Bereits mit 13 Jahren war er in sozialdemokratischen Jugendorganisationen aktiv. 1967 zog er für die SPÖ in den Gemeinderat ein. 1973 wurde der leidenschaftliche Kommunalpolitiker Stadtrat und 1974 Vize-Bürgermeister. Am 10. Jänner 1984 erfolgte die Wahl zum Bürgermeister. Dieses Amt übte er bis 1991 mit der ihm eigenen Toleranz und mit Verständnis für die Anliegen der Steyrerinnen und Steyrer aus.

Heinrich Schwarz war Steyrer Ehrenbürger. Die SPÖ würdigte sein Wirken und sein vorbildliches Engagement mit der Verleihung der Victor-Adler-Plakette, der höchsten Auszeichnung der Sozialdemokratie. Er war zudem Träger hoher Auszeichnungen.

In Steyr setzte sich Heinrich Schwarz während seiner Amtszeit besonders für Schulen, Sport und Kultur ein. So entstand die Bezirkssportanlage am Rennbahnweg während seiner Ära, ebenso wurden die anderen Sportstätten saniert.
Die in seine Amtszeit fallenden wirtschaftlichen Veränderungen in den damaligen Steyr-Werken, dem Leitbetrieb in der Region, veranlassten Heinrich Schwarz, sich vehement und erfolgreich für die Errichtung der Lehrwerkstätte beim Nachfolgebetrieb Steyr-Nutzfahrzeuge einzusetzen.

Ebenso engagierte er sich ehrenamtlich, unter anderem für die Kinderfreunde, deren Bezirksvorsitzender er war, und für den ASKÖ-Verein ASV Bewegung.

 

Veröffentlicht unter Bürgermeister, Persönlichkeiten, Politiker | Kommentar hinterlassen

Karl Wessely

1946 Totenbild portraet

1861 – 1946

Lehrer und Regenwurmforscher

  • Geboren am 2. September 1861  in Linz
  • Gestorben am 26. Jänner 1946 in Steyr

Bedeutendster Sammler von Regenwürmern 

Aussstellungstext 2017 im Schlossmuseum Linz: 

Karl Wessely begründete die Erforschung der Regenwürmer in Österreich und leistete so einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kompostierung und natürlichen Bodenverbesserung. Er hatte breite naturkundliche Interessen, so sammelte und bearbeitete er unter anderem auch Schnecken. Er absolvierte zunächst eine technische Ausbildung in Prag und Wien und studierte dann an der Universität Wien Chemie und Naturwissenschaften. Von 1896 bis 1899 leitete er das Welser Gaswerk. Ab 1904 arbeitete er als Lehrer, zunächst an der Realschule, dann an der Handelsakademie in Linz, wo er bis zu seiner Pensionierung 1934 tätig war. Als Mitglied des Vereins für Naturkunde Österreich ob der Enns begann er mit der Erforschung der Regenwürmer und baute ab 1889 die Sammlung der Lumbriciden (Regenwürmer) im Oö. Landesmuseum auf. Sie enthält 2 400 Exemplare 50 verschiedener Arten, von denen 40 in Oberösterreich vorkommen. Auch Fotografien und zum Teil kolorierte Diapositive von Regenwürmern sind Teil dieser Sammlung.

Quelle: Lebenslauf aus der Personendatenbank des Landesmuseums Linz  https://www.zobodat.at/personen.php?id=4274&bio=on

Karl WESSELY wurde am 2. September 1861 in Linz geboren, er legte 1878 die Reifeprüfung an der Oberrealschule in Salzburg ab und studierte dann an der deutschen Technischen Hochschule (techn. Fachschule) in Prag. Erst im reiferen Mannesalter veranlasste ihn sein Bildungseifer zu weiteren Studien an der Technischen Hochschule in Wien. Zugleich belegte er die Fächer Chemie und Naturwissenschaften an der philosophischen Fakultät der Universität. Namhafte Gelehrte, wie Karl GROBBEN, Carl [FriedrichWilhelm] CLAUS und Richard von WETTSTEIN, beeinflussten dort seine weitere Entwicklung, Studien am Naturhistorischen Museum Wien vervollständigten sein Wissen.
Nach der Militärzeit begann WESSELY sein Berufsleben als Chemiker bei der Firma Victor ADLER in Wien, setzte seine Praxis bei J. John RUSTOW in Swijan-Podol (Tschechoslowakei) bis 1896 fort und war dann Gaswerksleiter in Wels bis 1899 und schließlich Direktor des Gaswerkes in Bielitz-Biala bis 1903. Nach dieser Zeit begann er seine Lehrtätigkeit zuerst als Probekandidat an der Realschule in Linz, später als Professor an der Linzer Handelsakademie, an der er bis zu seiner Pensionierung 1934 wirkte. Er unterrichtete in den Lehrfächern Zoologie und Botanik, Chemie, chem. Technologie und Warenkunde. Noch im Ruhestand war er – mit Ausnahme der letzten zwei Kriegsjahre – bis in seine letzten Tage im OÖ. Landesmuseum und beim Verein für Naturkunde am Werk. Laut KERSCHNER & SCHADLER (1933: 454) übernahm WESSELY trotz seiner großen Inanspruchnahme als Schulmann zwischen 1902-1907 das zoologische Referat von Andreas REISCHEK. Am 26. 1. 1946 starb er als Reg.-Rat und Professor a. D. hochbetagt in Steyr.

Karl Wessely Landesmuseum Linz

Karl Wessely wird bei der Sonderausstellung des OÖ Landesmuseums 2017 präsentiert

 

Nachruf für Karl Wessely

(aus: Hamann H. H. F., 1951: Karl Wessely. In: Zwei Pioniere heimischer Naturwissenschaft. – OÖ. Kulturber. 36: 1 S.)
Im ersten Nachkriegsjahr ist mit Professor Karl Wessely ein aufrechter Mann voll wahrer Hilfsbereitschaft von uns gegangen, der abhold jeder Äußerlichkeit war und sich manchmal sogar rau gab, wie es einem gerechten Menschen oft eigentümlich ist. Seine Liebe galt der Arbeit und der Heimat, sein Streben war der Wissenschaft gewidmet. Aber seine Bescheidenheit hinderte ihn, seine Erkenntnisse auf forscherischem Gebiet herauszustellen. Und dieser Zurückhaltung ist es zuzuschreiben, dass wir teilweise die Auswertung seiner Arbeit vermissen, für deren Fülle der umfangreiche Nachlass im Oberösterreichischen Landesmuseum zeugt.
Wesselys Lebenslauf war durch eine vielseitige und eingehende wissenschaftliche Ausbildung gelenkt. Am 2. September 1861 in Linz geboren, legte er 1878 die Reifeprüfung an der Oberrealschule in Salzburg ab, und studierte sodann an der deutschen Technischen Hochschule (technische Fachschule) in Prag. Zu seinen Lehrern zählten dort Gietl und Krell. Erst im reiferen Mannesalter veranlasste ihn sein Bildungseifer zu weiteren Studien an der Technischen Hochschule in Wien. Zugleich belegte er die Fächer Chemie und Naturwissenschaften an der philosophischen Fakultät der Universität. Namhafte Gelehrte wie Grobbon, Claus, Wiesner, Neumayer und Wettstein beeinflussten dort seine weitere Entwicklung, Studien am Wiener Hofnuseum vervollständigten sein Wissen.
Nach der Militärzeit, die er als Leutnant der Reserve im 14. k. k. Infanterie-Regiment beendete, begann er sein Berufsleben als Chemiker bei der Firma Victor Adler in Wien. Er setzte seine Praxis bei J. John Rustow in Swijan-Podol (in der heutigen Tschechoslowakei) bis 1896 fort und war dann Gaswerksleiter in Wels bis 1899, schließlich Direktor des Gaswerkes in Bielitz-Biala bis 1903. Nach dieser Zeit begann er seine Lehrtätigkeit zuerst als Probekandidat an der Realschule in Linz, später als Professor an der Linzer Handelsakademie, an der er bis zu seiner Pensionierung wirkte. Er unterrichtete in den Lehrfächern Zoologie und Botanik, Chemie, chemische Technologie und Warenkunde. Mit gütiger Nachsicht übersah er die Ignoranz seiner Schüler in wissenschaftlichen Dingen, aber die Zugänglichen unterwies er über den Lehrplan hinaus in Histologie, praktischer Chemie und mikroskopischer Technik. Als Mann der Praxis war er in den Notjahren des ersten Weltkrieges, als es an den kleinsten Dingen mangelte, allen seinen Mitmenschen ein wertvoller Ratgeber und stets mit tätiger Hilfe zur Hand. Noch im Ruhestand war er – mit Ausnahme der letzten zwei Kriegsjahre – bis in seine letzten Tage im Oberösterreichischen Landesmuseum am Werk. Am 26. Jänner 1946 starb er hochbetagt in Steyr.

Wessely war ein hervorragender Lichtbildner, zu einer Zeit, als die Fertigkeit im Fotografieren noch in der Entwicklung stand. Ein reichhaltiges Material von einigen Tausend Negativen, zum Teil kolorierten Diapositiven und Abzügen aus den Gebieten der Botanik, Pflanzensoziologie, Technologie, Paläontologie, Mineralogie, Geologie und Zoologie harrt noch der Verarbeitung und Auswertung. Als Jäger und eifriger Bergsteiger war er viel im Gebirge, kleinere Reisen führten ihn zu den Küsten der Adria.
In der Landesfaunistik ist ihm die beachtliche Behandlung zweier Gebiete zu danken, die sich sonst nur spärlich vorhandener Sachbearbeiter erfreuen. Das eine ist das Gebiet der Gastropoden, und das Ergebnis dieser Forschungsarbeit ist eine umfangreiche Sammlung determinierter Schnecken und Muscheln der oberösterreichischen Land- und Süßwasserfauna. Wessely arbeitete im Kontakt mit dem auf gleichem Gebiet bekannt gewordenen Pater Anselm Pfeiffer, und das zusammengetragene Material bildete überhaupt erst den Grundstock der Musealsammlung. Aber vielleicht von noch höherem Wert sind, wissenschaftlich gesehen, Wesselys Arbeiten und Beobachtungen über die heimischen Regenwürmer (Lumbriciden), die bis zu seiner Zeit keinen Bearbeiter gefunden hatten, so bedeutungsvoll sie auch im Haushalt der Natur seit jeher sind.
Erstmalig untersuchte Wessely, gestützt auf eine verschwindend geringe Literatur, in Korrespondenz mit dem einzigen Forscher dieser Art, dem Italiener Dr. Rosa, Turin, die Verhältnisse im Lande und stellte nach mehrmaliger Revision des Materials zuletzt zirka 30 Arten fest, von denen mehrere (insbesondere Octolasium montanum W., Dendrobaena filiformis W. und Lumbricus pusillus W.) von ihm neu beschrieben wurden und die er hinsichtlich ihrer Verbreitung in peregrine, orientalisch-zentrale und alpine Arten einteilte. Folgende Publikationen berichten über dieses Thema:
1. Die Lumbriciden Oberösterreichs, 34. Jahrbuch des Vereines für Naturkunde (1905), mit zwei Revisionsschriften dazu, und zwar:
a) Bericht über das Vorkommen und die Verbreitung von Lumbriciden in Oberösterreich und Salzburg, Manuskript (Linz 1934);
b) Beobachtungen über das Vorkommen und die Verbreitung von Lumbriciden in Oberdonau und Salzburg sowie angrenzenden Gebietsteilen, Manuskript (Linz 1943).
2. Die Lumbriciden der Sammlung des Oberösterreichischen Laudesmusemns, 78. Bericht des Oberösterreichischen Musealvereines (Linz 1920).
3. Beschreibung von für Oberösterreich neuen Regenwürmern nach den oberösterreichischen Fundstücken, 79. Bericht des Oberösterreichischen Musealvereines (Linz 1921).

Nur selten sonst ließ sich Wessely zu öffentlichen Vorträgen bestimmen (so zu seinem Vortrag über „Pflanzengemeinschaften“ mit Bildern eigener Aufnahmen, Linzer Tages-Post Nr. 24 vom 31.1.1906). Dagegen hatte zu jener Zeit der Verein für Naturkunde seine Belebung und Aktivität vorwiegend Wesselys internen Vorträgen zu verdanken. An der Handelsakademie hatte er eine umfangreiche Lehr-und Schausammlung aufgebaut, die heute nicht mehr in dieser Form besteht. Im übrigen liebte der Verstorbene die Stille und Abgeschiedenheit wie so mancher besinnliche Mensch. Sein Ansehen und die Ergebnisse seines Wirkens aber leben weiter. Und viele Menschen danken ihm wesentliches Wissen und seelische Bereicherung.
aus Hamann H. H. F., 1951: Karl Wessely. In: Zwei Pioniere heimischer Naturwissenschaft. – OÖ. Kulturber. 36: 1 S.

Landesmuseum 2017 Wessely Regenwurmforscher

Karl Wessely, einer der bedeutenden Forscher Oberösterreichs, wird bei der Ausstellung im OÖ. Landesmuseum 2017 präsentiert

1946 Totenbild

Totenbild von Karl Wessely,  von der Personendatenbank des Landesmuseums Linz

Links zu Karl Wessely:

Veröffentlicht unter Persönlichkeiten, Wissenschafter | 1 Kommentar

Joseph Löw

K1024_Loew 1830 Wehrgrabentableau

(1770 – 1842)

Maler und Zeichner, Zeichenlehrer in Linz und Steyr

  • geboren am 14. April 1770 in Linz
  • gestorben am 26. Oktober 1842 in Steyr

Am 2. September 1806 heiratete er am Sonntagberg Genovefa Querer (geb. 22.8.1782) aus Brunn bei Pöchlarn, Tochter des hochfürstlichen Hofschreibers (Regensburg) Joseph Querer und seiner Gattin Genovefa geb. Stöger. In Linz kam am 20. Februar 1808 ihr Sohn Joseph Anton zur Welt. Von 1809 bis 1825 erteilte er Zeichenunterricht an der Normalschule in Linz. Ab 1830 war er Mal- und Zeichenmeister in der k. k. Kreishauptschule in Steyr. Zu dieser Zeit wohnte die Familie Löw am Michaelerplatz Nr. 6, wo er am 26. Oktober 1842 starb und zwei Tage später am Steyrer Renaissance-Friedhof begraben wurde.

Bilder aus dem Schematismus 1831 für die Kreishauptschule Steyr: „Joseph Löw, Zeichnungslehrer“ (Quelle: google.books)

Arbeiten in Steyr:

Er war Mitarbeiter an der „Kirchlichen Topographie“ und Mandatar im Traunkreis des Vereins zur Bildung eines vaterländischen Museums für Österreich ob der Enns und Salzburg. Er zeichnete Ansichten von wichtigen Ereignissen, von den Städten Linz u. Steyr, von Christkindl, Losenstein, dem Kefermarkter Altar, dem Traunfall usw.

1830 zeichnete er 11 sehr wichtige kolorierte Tuschbilder von den Werksanlagen im Steyrer Wehrgraben.

1832 zeichnete er das Marmordenkmal am Langseppenberg im Aichet (heute Sierninger Str. 126), welches 1489 vom Nürnberger Handelsmann Kunz Horn gespendet wurde.

Zum Wehrgraben-Tableau gibt es von Prof. Roman Sandgruber eine Beschreibung in der Reihe „Wirtschaft und Verkehr“:

„Der vorliegende Plan wurde 1830 von dem an der k.k.Kreishauptschule Steyr wirkenden Zeichenmeister Joseph Löw angefertigt und gibt die Situation des Wehrgrabens vor dem Beginn der großen Umgestaltungen durch die Gründung und Expansion der Steyrer Waffenfabrik wieder. Im Detail finden sich in der Legende folgende Signaturen, die im Plan selbst mit roter Tinte vermerkt sind, aber teilweise bereits vergilbt und schwer lesbar sind:

  • AB: Erste Zeugstätte, Eisenhammer und Heindlmühle (4.Zeugstätte, Mittermühle, Badgasse 7/8)
  • CD: Zweite Zeugstätte, Schleifmühlen beim Segel (3.Zeugstätte, Wehrgrabengasse 4/6)
  • no: Segelgarten
  • p: Kohlanger
  • EF: Dritte Zeugstätte (2.Zeugstätte): Jocher´scher Kupferhammer (Fabrikstraße 27), Pfannenhammer dees Hr. Ries und Deuterpapiermühle (Altmühle, Wehrgrabengasse 12/14)
  • GH: Vierte Zeugstätte (1. Zeugstätte), Aichet-Eisenhammer (Fabrikstraße 31/33/35), Papiermühle Hofmann und Vogel (Wehrgrabengasse 30/32/34), Stampf-, Mahl- und Schleifmühlen (Fabrikstraße 37/39)
  • q: Drahtzug des Hr. Körbler,
  • r: Weinstabl Cotton- und Manchester Fabrik (Wehrgrabengasse 45/47)
  • s: Schlosswasserleitungsturm
  • t: Gsangsteg
  • u: in der Gsang
  • v: Teufelsbach
  • w: des Kaufmann May Schlössel
  • x: Große Falle oder Schleuse
  • z: alter Wehrdamm (heute Kugelfangwehr)
  • aa: Annakapellenwehr
  • bb: Annakapelle
  • cc: Herrenhaus, Kalkofen
  • ee: Pestkreuz
  • ff: der neue Dammbau im Jahre 1830 (Steinkasten)
  • gg: Kruglwehr
  • hh: Kruglbrücke
  • kk: Kanal
  • ll, mm, nn: k.k. Rohrhämmer
  • oo: Pfarrkirche Christkindl

 

Straßen in Steyr (Quelle: http://www.steyr.at/Strassennamen_L)

  • Joseph-Löw-Straße

Aufschließungsstraße auf den „Knogler-Gründen“.
Beschluss: Juni 1999
Joseph Löw (1770 – 1842) ist der Schöpfer von interessanten Aquarellen. Er beschäftigte sich vor allem mit dem Steyrer Wehrgraben. Von ihm stammt auch die „Topographisch-statistisch-technische Beschreibung“ dieses Stadtteils. Er fand sogar Würdigung im Österreichischen Biographischen Lexikon.

1842 Sterbebuch St.Michael Steyr Tod Loew

1842 Eintrag im Sterbebuch St.Michael-Steyr: Tod von „Joseph Löw, Zeichnungslehrer an der k.k. Kreishuptschule, in Linz gebürtig“, am 26.10.1842, Ursache: Entkräftung. Alter: 65 Jahre.

Biographisches Lexikon Österreich:

Löw Joseph, Maler und Zeichner. * Linz a. d. D., 14. 4. 1770; † Steyrdorf (O.Ö.), 26. 10. 1842. Erteilte von 1809–25 als Nachfolger J. Poestions an der Normalschule in Linz Zeichenunterricht, wirkte dann in gleicher Funktion an der Kreishauptschule in Steyr. War Mitarbeiter an der „Kirchlichen Topographie“ und schuf mehrere figurenreiche Darstellungen von hist. Ereignissen in Linz. Seine aquarellierten Tuschfederzeichnungen, die Radierungen und die zwischen 1830 und 1835 in der Linzer Offizin J. Hafners (s. d.) gedruckten großformatigen Lithographien sind zwar dilettant. Arbeiten, doch von topograph., hist. und volkskundlicher Bedeutung.

Werke:

  • Abbildung des feyerlichen Empfangs . . . Franz I. am 13. Juni 1814, 1816, Der Triumphbogen für Franz I. 1814, 1821, Der Fahnenschwur vom . . . Linien-Inf.-Rgt. Baron v. Hrabowszky, 1841, alle drei kolorierte Tuschzeichnungen, Stadtmus., Linz;
  • Ansichten von Linz, Steyr, Losenstein, Christkindl, Darstellungen des Traunfalls, des Kefermarkter Altars etc., Oberösterr. Landesmus., Stadtmus., beide Linz, und Heimathaus, Steyr.
  • Manuskript: Beschreibung von Losenstein und Umgebung, 1832, Stadtarchiv, Steyr.

Literatur:

  • Oberösterr. Heimatbll., Jg. 9, 1955, S. 3 ff.;
  • Kunstjb. der Stadt Linz, 1969, S. 28 f.;
  • Schmidt, Linzer Kunstchronik, Tl. 1, 1951, S. 67, 151 (irrig Johann L.);
  • Giordani, Die Linzer Hafner-Offizin, 1962, S. 154 ff.;
  • Die Hafner-Offizin im biedermeierlichen Linz (Katalog), 1962, S. 10 f., n. 3, 5;
  • Zöhrer, Alt-Linz, 1942, S. 113;
  • Neweklowsky, Die Schiffahrt und Flößerei im Raume der oberen Donau, Bd. 2, 1954, S. 323 ff. (irrig Jakob und Josef L.);
  • Schmidt, Linz in alten Ansichten, 1965, S. 41, 281 f., 311;
  • Marks, O.Ö. in alten Ansichten, 1965, S. 60 f.;
  • Schenk, Festschrift der Bundeslehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt in Linz, 1926, S. 64 f. (Wacha)
  • PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 23, 1971), S. 283f.

Bilder aus der Fotosammlung von H. Kern:

Veröffentlicht unter Künstler, Maler | Kommentar hinterlassen