Franz Keller

 

Franz Keller porträt

(1877 – 1951)

Färbereibesitzer und Kommandant der Feuerwehr Steyr 

Nachruf für Ehrenkommandant Franz Keller +

  • aus: Zeitschrift der österreichischen Feuerwehren 1951 (eingelesen über anno.onb.ac.at)

Nach langem, schwerem Leiden ist am 22. August 1951 der verdienstvolle Ehrenkommandant Franz Keller im 64. Lebensjahr verschieden.

Seit dem Jahre 1906 im aktiven Feuerwehrdienst galt Kellers Mühen und Sorgen neben seinen Pflichten als Familienvater und Inhaber eines Färbereibetriebes einzig und allein der Freiw. Feuerwehr Steyr.

Es gab keinen Einsatz, bei dem Franz Keller nicht an Ort und Stelle gewesen wäre und leitend, helfend und beispielgebend seinen getreuen Wehrmännern zur Seite stand, zu jeder Tages- und Nachtzeit, in Sturm und Regen, bei Feuer und Hochwasser, bei Straßenhilfen und sonstigen Katastrophenfällen.

Franz Keller´s Verdienste in der Steyrer Feuerwehr:

  • Vollständige Motorisierung der Wehr
  • Neubau der Zeugstätte II
  • Leitung der Feuerwehr

Ehrung:

  • Goldene Plakette der Stadt Steyr überreicht anlässlich des Ausscheidens aus dem aktiven Dienst am 17. März 1951.
  • Ernennung zum Ehrenkommandanten nach dem Ausscheiden am 17.März 1951
  • Auszeichnungen mit den Medaillen für 15-, 25- und 40jährige Feuerwehrdienstzeit
  • Ehrenzeichen vom Roten Kreuz

„Franz Keller war die Bescheidenheit selbst, er frug nie nach Dank für seine Leistungen und fand es als selbstverständliche Pflicht, den Mitmenschen in Not und Gefahr zu helfen, ein Feuerwehrmann durch und durch.“

Das Begräbnis war Ausdruck der Wertschätzung.

Den Kondukt eröffnete die Feuerwehrkapelle St. Ulbrich, dem ein Ehrenzug der Stadtfeuerwehr unter dem Kommando des Abschnittsfeuerwehrkommandanten Erwin Hasenleithner folgte. Sodann fuhren ein Tankwagen und ein Rüstwagen, über und über mit Kränzen bedeckt, diesen folgte die große Drehleiter, auf deren Plattform die sterbliche Hülle des Verewigten, bedeckt mit der grün-weißen Fahne der Stadt Steyr, ruhte.

Landesfeuerwehrkommandant Landesrat Hartl, Regierungsrat Dr. Krüfe vom Amt der oö. Landesregierung, das Bezirkskommando Steyr Land mit Bezirkskommandant Hack, das Bezirkskommando Steyr Stadt mit Bezirkskommandant Perkounigg, Abschnittskommandant Wiltsch, die Zugskommandanten der Stadtfeuerwehr und sämtliche dienstfreien Wehrmänner der Stadtfeuerwehr sowie starke Abordnungen der Werksfeuerwehr der Steyr-Daimler-Puch AG, der Feuerwehren Sierning, Sierninghofen, Neuzeug, Bad Hall, Garsten, Dietach, Saaß, Trattenbach, St. Ulrich und Pichlern schlossen sich dem Zug an.

Es folgten die Vertreter der Stadt, des Rudervereins, dessen Präsident er lange war und sehr viele Trauergäste und die Gefolgschaft der Firma.

„Das Leichenbegängnis Franz Keller hat gezeigt, welcher Wertschätzung sich der Verewigte erfreute und es kann nur gesagt werden, nicht einer der Besten, sondern der Beste ist für immer von uns gegangen. Was Franz Keller für die Stadtfeuerwehr Steyr geleistet hat, ist unvergänglich, seine Einsatzbereitschaft wird der Stadtfeuerwehr für immerwährende Zeiten beispielgebend sein!“

1951 Tod FFZeitung

1951: Nachruf in der Zeitschrift der österreichischen Feuerwehren

1951 Tod 2.Seite FF Zeitung

1951: zweiter Teil des Nachrufs in der österreichischen Feuerwehrzeitung

  • Aus: Brandl, Neue Geschichte von Steyr, S. 312

Liste der Feuerwehrkommandanten in Steyr:  Franz Keller war 13 Jahre Kommandant

1864 – 1866 Dr. Johann Reinhard
1866 – 1869 Leopold Haller
1869 – 1874 Eduard Zinkl
1874 – 1875 Carl Edelbauer
1875 – 1891 Wilhelm Klein
1891 – 1907 Franz Lang
1907 – 1918 Franz Vogl
1918 – 1932 Hans Wolfartsberger
1931 – 1938 Franz Keller
1938 – 1945 Franz Aichinger
1945 – 1951 Franz Keller
1951 – 1953 Josef Hack
1953 – 1963 Karl Sommerhuber
1963 – 1973 Erwin Hasenleitner
1973 – 1998 Gottfried Wallergraber
  Gerhard Praxmarer

 

 

  • Aus: Fluchtspuren von Waltraud und Georg Neuhauser, Steyr 1998,  S.40

Dolfi Uprimny erzählte:

„1938. Vater Eduard Uprimny wurde im Juli 1938 das erste Mal verhaftet und ins Steyrer Gefängnis gebracht, wo er zwei Tage bleiben musste. Er kam zurück und wurde kurz darauf wieder verhaftet. Diesmal brachten sie ihn nach Linz, wo er einige Tage in Haft war. Als er freikam, tauchte er in Wien unter. Dort wohnte sein Bruder Karl, der ihm half, als Packer die „Lifts“ – so nannte man die Speditionsbehälter – für jüdische Auswanderer vorzubereiten. Er kam ab und zu nach Steyr, meistens kam er am Abend an und fuhr sehr früh wieder weg. Meiner Mutter schickte er Geld, um unser Überleben zu ermöglichen. In Steyr hätte er keine Arbeit mehr gekriegt. Nur Herr K., der im Wehrgraben eine Färberei besaß, ließ ihn nicht im Stich. Die Hauptarbeit in der Färberei war damals die  Produktion von Hakenkreuzfahnen. Mein Vater lehnte dieses Angebot natürlich ab und zog es vor, in Wien zu arbeiten.“

  • Eduard Uprimny, geb. 1891 in Steyr, Malermeister, war 1938 – 1939 in Wien gemeldet, wurde in Polenn umgebracht. Er war verheiratet mit Margarethe, geb. 1893 in Oberhaid, Böhmen, war das erste Halbjahr 1942 in Wien und wurde mit den kleinen Kindern Heinrich und Mirjam nach Minsk gebracht und dort ermordet. (aus: Vergessene Spuren. Die Geschichte der Juden in Steyr. Steyr 1993)

 

1925 Tod Franz Keller sen

1925: Linzer Volksblatt. Tod von Franz Keller sen. am 13. August 1925

1931 Einbruch Färberei Keller

1931: Einbruch und Diebstahl in der Färberei Keller

1938 Lohnerhöhung Färberei Keller

1938: Lohnerhöhung auch in der Färberei Keller

 

Zeitungsbericht 1949:

Seit 150 Jahren Färberei im Wehrgraben

„Hier ist das Herz des Werkes“, erklärt Franz Keller, der Besitzer der Färberei Keller in der Wehrgrabengasse, indem er mich in einen Raum führt, in welchem sich die Räder ddrehen, die blitzenden Kolben der Dampfmaschine unermüdlich hin-  und herbewegen, die mit 70 Pferdekräften die Maschinen und Pumpanlagen treibt, elektrischen Strom erzeugt und mit ihrem Abdampf, der in gut isolierten Rohren ins ganze Werk hinausgeleitet wird, die Trockenanlagen heizt. Freilich braucht sie monatlich etwa 150 Tonnen Kohle.

In der Färberei läuft gerade ein Stoffballen von einer Rolle ab durch eine Wanne, in der sich ein Farbbad befindet, hindurch und wieder auf eine andere Rolle hinauf. Nachdem der ganze etwa 500 Meter lange Stoffstreifen vier- bis sechsmal durch die Farbe gelaufen ist und die entsprechende Tönung angenommen hat, läuft er durch ein Wasserbad und kommt dann in den Trockenraum, in dem hochsommerliche Hitze herrscht. Er wird zunächst in einer Trockenmaschine, die in der Hauptsache aus acht großen, dampfgeheizten Blechtrommeln besteht, vollständig getrocknet, geht anschließend durch eine zweite Trockenmaschine, in der er mit Seifenlösung befeuchtet wird, um ihn geschmeidig zu machen, wird auf dem elektrischen Spannrahmen seitlich auseinandergespannt und zum Schluss noch einmal vollständig getrocknet.

In der Bügelmaschine (Kalander), die aus einer geheizten Mittelwalze und zwei elastischen Walzen besteht, wird er geplättet und ist nun fertig zum Versand.

Alle Stoffe müssen vor dem Färben, bzw. Bedrucken, gebleicht werden. Die Ware wird in der Bleich mit Chemikalien genetzt, läuft als Strang durch eine Porzellanöse und bleibt aufgestapelt 24 Stunden liegen. Die Schlichte verwandelt sich während dieser Zeit in Zucker. Dieser wird nun herausgewaschen und der Stoff in den Kessel, 6 Stunden unter 2 Atmosphären Druck in Essnatronlauge gekocht. Nach dem Kochen läuft er wieder durch ein Wasserbad, wird mit Chlor behandelt und mit Schwefelsäure gesäuert, bis er rein weiß ist. Eine Maschine öffnet nun den Strang, der anschließend getrocknet wird. Der Stoff ist nun fertig, bzw. fertig zur weiteren Behandlung.

In einem eigenen Raum im Erdgeschoß stehen zwei Raumaschinen, welche Barchent und Flanell erzeugen. Die 36 (bzw. 24) Walzen der Maschinen sind über und über mit kleinen Stahlhäkchen bedeckt, die das darüber laufende Gewebe aufrauen, sodass es weich wird wie Samt.

Im Obergeschoß arbeiten zwei Rouleaux-Druckmaschinen, welche Blaudrucke in Breiten bis zu 130 bzw. 80 cm herstellen. Außerdem steht dort eine Reliefdruckmaschine, die jedoch heute als veraltet nur mehr selten verwendet wird. Das Kostbarste und Empfindlichste an den Maschinen ist die Kupferwalze, auf der das Muster eingraviert ist. Eine Gummiwalze nimmt die Farbe aus der Flotte auf und überträgt sie auf die Kupferwalze. Von dieser schabt ein Messer alle Farbe von den erhabenen Stellen ab, sodass nur in den Vertiefungen Farbstoff zurückbleibt und auf das Gewebe zurückbleibt und auf das Gewebe als Muster aufgedruckt wird. Das Stoffband läuft nun, da es auf der bedruckten Stelle, sodass es nass ist, mit nichts in Berührung kommen darf, direkt in einen Trockenraum und dort solange herum, bis es vollständig trocken ist und abgelegt werden kann. Will man den Stoff mehrfarbig bedrucken, nimmt man mehrere Walzen – bis zu zwei auf der einen bis zu vier auf der anderen Maschine – und kann auf diese Weise bunten Stoff herstellen. Die bedruckten Stoffe kommen in den Dämpfer, in dem die aufgedruckte Farbe auf dem Stoff fixiert wird. Nachher wird der Stoff in Wasserstoffkupferoxid gewaschen, wodurch der Druck erst seine endgültige Farbe annimmt.

Die Bereitung der Farben ist für die Laien eine geheimnisvolle Angelegenheit. So wird den Indanthren-Farben zunächst der Sauerstoff entzogen, dadurch werden sie wasserlöslich und nehmen eine ganz andere Farbe an als die ursprüngliche. Im gelösten Zustand werden sie auf den Stoff gebracht. Um sie nun wieder unlöslich zu machen, d.h. waschecht, muss man ihren Sauerstoff zuführen, wodurch sie ihre ursprüngliche Farbe zurückerhalten.

Schwierigkeiten macht heute die Beschaffung der Farben, die ja fast ausschließlich aus dem Ausland bezogen werden müssen, so ist, wie Fabrikant Keller erwähnt, gegenwärtig kein blauer Farbstoff vorhanden. Die große Indigomaschine, an der zwei Mann täglich 800 m Stoff blau färben, steht. Die Stoffe für Arbeitsanzüge werden braun gefärbt.

Im Stofflager liegen Warenballen in rauen Mengen, Stoffe für Sommer- und Winterdirndl, für Bettzeug, Unterwäsche, Arbeitsanzüge usw.

„Insgesamt sind es etwa 100.000 m² Stoff“, versichert uns der Firmeninhaber, „das ergibt wenn man den Meter Stoff zu 10 Schilling rechnet, 1 Million Schilling; außerdem befinden sich in der Fabrik mindestens 60.000 bis 70.000 m Stoff, sodass wir im allgemeinen Ware im Wert von 2 bis 3 Millionen Schilling hier liegen haben. Mit meinen 16 Arbeitskräften färbe ich im Tag etwa 5000 bis 6000 m Stoff. Druckware erfordert mehr Arbeitsgänge, sodass nur etwa 4000 m täglich bedruckt werden können.“

Als ich Fabrikant Keller, der auch Kommandant der Steyrer Feuerwehr ist, frage, wie lange die Fabrik schon bestehe, meint er: „Das Werk besteht schon seit 150 Jahren. Ein gewisser Weinstabt baute das Haus im Jahre 1797. Seither ist die Fabrik ununterbrochen im Betreib. Freilich war damals der Arbeitsgang z.B. das Trocknen umständlich.“

„Das Fabriksgebäude ist übrigens eines der ältesten Häuser hier an der Steyr herunten. Das Eysnfeld war damals noch bedeckt von Wiesen und Feldern und auch hier rundum war freies Gelände. Der Grund, warum das Werk gerade hier errichtet wurde, ist die Flussnähe. Zu ihrer Arbeit brauchen die Färbe viel Wasser, das lässt sich hier aus der Steyr bequem entnehmen.“

Keller (1)

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Joseph Greis

greiscover

Buchdrucker

Grünmarkt 7 (alte Nummer: Stadt 48)
Bekannt geworden durch das Auffinden eines Druckes von 1827 (vermutlich) mit dem „Stille Nacht“ Lied (von 1818)

aus der  Website:  https://www.stillenacht.at/en/news/erster-stille-nacht-textdruck-in-steyr-vor-1832-bewiesen 

Das Titelblatt enthält auch die Herkunft: „Steyr, gedruckt und zu haben bei Joseph Greis.“, eine Jahreszahl scheint nicht auf. Die Flugschrift mit dem Liedtext ist der früheste bekannte Textdruck des Liedes – 200 Jahre, nachdem Joseph Mohr 1816 das Gedicht in Mariapfarr schrieb. Neben dem Exemplar in einem Wiener Antiquariat befindet sich ein zweites Exemplar im Oberösterreichischen Volksliedarchiv.
Wer war Joseph Greis?
Joseph Greis war im Haus Steyr, Grünmarkt 7, das schon lange (und weiter bis 1926!) eine Buchdruckerei beherbergte, als Setzer bei Franz Joseph Medter beschäftigt. Er erwarb das Haus 1804 und eröffnete im September 1827 im knapp 200 m entfernten Haus Stadtplatz 23 (muss: Stadtplatz 33 heißen. Kommentar Ulbrich) die erste Buchhandlung in Steyr, nun waren Drucke bei ihm auch „zu haben“. Im Heiratsvertrag mit seiner zweiten Gattin vom Jänner 1827 wurde bestimmt, dass das Haus Grünmarkt 7 im Fall seines Todes an seinen Sohn aus erster Ehe Joseph jun. übergehen sollte. Joseph sen. starb 1835 im 62. Lebensjahr. Sein Sohn veräußerte das „Haus samt Gerechtigkeit“ 1837 an Michael Haas.
Wenn „Vier schöne neue Weihnachts-Lieder“ mit „gedruckt und zu haben bei Joseph Greis.“ bezeichnet sind, verweist das wohl auf den nun auch als Buchhändler tätigen Buchdrucker. Es ist also anzunehmen, dass diese nicht datierte Flugschrift nicht vor 1827, dem Jahr der Eröffnung der Buchhandlung, und vor 1832 entstand: Aus den letzten Jahren sind von Joseph Greis, der 1835 starb, keine datierten Drucke mehr vorhanden.

weihnachtslieder joseph greis

Grünmarkt_007.Foto Pabinger

Heutige Ansicht des einstigen Buchdruckerhauses Grünmarkt 7 (Foto: Pabinger 2017)

Aus den Matriken der Stadtpfarre Steyr: 

1804 Trauungsbuch Stadtpfarre Steyr
1. Ehe:
Joseph Greis, bürgerlicher Buchdrucker, Stadt Nr. 48, 29 Jahre alt, katholisch, ledig
Heiratet am 3. Juli 1804:
Eva Maria Jixmayr, katholisch, 38 Jahre alt, ledig. Geboren am 17.8.1765, Taufbuch Stadtpfarre Steyr

1804 Trauungsbuch Joseph greis

3. Juli 1804: Trauungsbuch Stadtpfarre Steyr. 1. Ehe von Joseph Greis, bürgerlicher Buchdrucker

2. Ehe:
Joseph Greis, Buchdrucker, Stadt Nr. 48, 52 Jahre alt, Witwer
Heiratet am 5. Februar 1827:
Theresia Weiß, 38 Jahre, katholisch, ledig. Dienstbotin; Tochter von Johann Weiß, gewester Hafnermeister zu Burgstall in Unterösterreich, selig und dessen Gattin Maria Anna, geborene Gleich, noch am … eheliche Tochter.
Trauzeugen: Bernard Benedikt, bürgerlicher Fragner; Alois Redtenbacher, bürgerlicher Kaufmann; Franz Wittibschläger, bürgerlicher Hutmacher.

1827 2.Trauung Josef Greis und Theresia.

5. Februar 1827: Trauungsbuch Stadtpfarre Steyr.  2.Ehe von Joseph Greis, bürgerlicher Buchdrucker

Der Sohn Joseph Greis, geb. 1809, heiratet am 1. Juli 1839 und ist Händler und Hausbesitzer am Wieserfeld. Er führt das Geschäft nicht weiter.

Tod von Joseph Greis, Buchdrucker, am 24. Juni 1835 im Alter von 62 Jahren.
Seine 2. Ehefrau Theresia Greis führt das Geschäft als Witwenbetrieb: sie stirbt am 17.1.1869 im Alter von 80 Jahren. Todesursache: Altersschwäche.

1835 Totenbuch Joseph Greis

24. Juni 1835: Totenbuch der Stadtpfarre Steyr. Joseph Greis, bürgerlicher Buchdrucker, starb im Alter von 62 Jahren an Lungenentzündung

1869 Totenbuch Theresia Greis Witwe

17. Jänner 1869: Totenbuch der Stadtpfarre Steyr. Die Witwe Theresia Greis, Buchdruckerswitwe, starb im Alter von 80 Jahren an Altersschwäche.

Aus Brandl, Neue Geschichte Steyr, S.127:
Joseph Greis und Theresia, geb. Weiss  (hier ist ein Fehler unterlaufen: es muss Eva Maria, geb. Jexmayr, heißen. Kommentar Ulbrich) erwarben 1804 käuflich das Haus Grünmarkt 7. Joseph Greis jun. verkaufte 1837 an Michael Haas, der es vorerst nur bis 1839 besaß. Von 1839 – 1843 ist seine Tochter Anna Besitzerin, von 1843 – 1867 hatte wieder Michael Haas das Haus samt der Buchhandlung inne. Er verlegte in größerem Umfang unter anderem Gebetstexte, religiöse Erbauungsliteratur und das Lokalblatt „Der Alpenbote“. Nach 1867 waren seine Kinder Anna und Theresia Haas als Erben Besitzer des Hauses, dann ging es an Karl Lintl über.

Aus: Brandl, Neue Geschichte Steyr, S. 126
Stadtplatz 33: Joseph Greis eröffnete am 26. September 1827 eine Buchhandlung im Haus Stadtplatz 33. 1849 erwarb Franz Sandbök, indem er Maria Strehle ehelichte, dieses Haus, dessen Alleinbesitzer er 1852 – 1872 war.

Joseph Greis und das Weihnachtslied „Stille Nacht“ 

Anfang 2016 tauchte im Wiener Antiquariatshandel ein Exemplar eines bei Joseph Greis in Steyr gedruckten „Stille-Nacht-Liedes“ auf. Daraufhin wurde intensiv geforscht. Schwierigkeiten bereitete, dass auf dem Druck keine Jahreszahl angeführt wurde.
Nach den Gesetzen und aus Zensurgründen musste auf jedem Druck der Erscheinungsort auf dem Deckblatt angegeben werden: „gedruckt bei Joseph Greis“. Das wird noch unterstrichen durch „bei“ und „zu haben“ . Das soll vermutlich auf den zunehmenden Konkurrenzkampf zwischen Buchproduzenten und Buchhändlern zurückgehen.
1809 druckte Joseph Greis in Steyr die „Betrachtungen auf alle Tage der heiligen Fasten“. Da findet sich der Hinweis „Gedruckt und zu finden bey Joseph Greis“
Zwischen den Formulierungen „zu finden bey“ und „zu haben bey“ besteht in allen Beispielen kein erkennbarer Unterschied.

„Während die weltweite Verbreitung des Stille-Nacht-Liedes ohne die verschiedenen Lieddrucke im nord- und mitteldeutschen Raum nicht denkbar wäre und die Forschung hier gesicherte Erkenntnisse darüber hat, wie die einzelnen Drucke in der Art eines Räderwerks ineinandergreifen, ist über die verbreitungsgeschichtliche Wirkung des Textdrucks aus Steyr noch wenig bekannt. Immerhin deutet die zweite verbesserte Auflage bei Joseph Greis´Nachfolger Michael Haas auf eine gewisse regionale Nachfrage hin. Und Haas war bemüht, einige der gravierendsten Textschwächen auszubessern. Insgesamt scheint den Steyrer Textdrucken kein wesentlicher Verbreitungserfolg beschieden gewesen sein, denn weitere Textfassungen, deren Stammbaum in der Regel durch den Nachweis von übernommenen Textfehlern zurückzuverfolgen ist, sind bisher nicht aufgetaucht. Angesichts seiner offensichtlichen Qualitätsmängel ist die Nichtverbreitung möglicherweise sogar als Glücksfall für die heutige Still-Nacht-Rezeption anzusehen.“

(Schlussbemerkung: aus: Ebeling, S.20)

Link zu Oberösterreichische Nachrichten: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/Erstdruck-von-Stille-Nacht-um-38-000-Euro-angeboten;art68,2401425

fasten 1809

1809: gedruckt und zu haben bei Joseph Greis Steyr.

 

Aus dem Online-Zeitungsarchiv anno.onb.ac.at unter „Suche: Joseph Greis“

1925 joseph greis in steyr Lieder

1925 Bericht in der Linzer Tagespost über „österreichische Volkslieder und Volkstänze“, darunter ein sehr bekanntes Lied, das bei Joseph Greis in Steyr gedruckt wurde. Es hieß: „Lied vom Grenadier, der vier Jahre Schildwache stand.“

1849 ostdeutsche Zeitung Michael Johann Haas

1849: Ost-Deutsche-Post. Erhältlich bei Johann Haas in Steyr, Michael Haas in Wels

1843 Druckerei Greis

1843: Linzer Zeitung. Erhältlich bei „Greis in Steyr“

1841 Linzer zeitung Witwe Ther Greis

1841: Linzer Zeitung. „erhältlich bei Ther. Greis, Wittwe, in Steyr“

1840 theresia greis

1840: Linzer Zeitung. „ist erschienen, so wie zu haben bei Theresia Greis, Wittwe, in Steyr

1835 Wiener zeitung gesamtausschnitt

1835: Wiener Zeitung. „Erben und Gläubiger sollen sich melden“ nach dem Tod von Joseph Greis 1835

1830 wiener Zeitung erschienene Werke bei Greis

1830: Drucke von Joseph Greis in Steyr. Announce in der Wiener Zeitung vom 30.9.1830

1826 Bürgerblatt Greis druckt Pillewitzer Topografie

1826: Ankündigung über erhältliche Literatur des Vaterlandes bei Joseph Greis in Steyr. Werk von Pillewitzer.

1816 joseph greis steyr druck

1816: Ankündigung über ein Buch über die Landpfarrer bei Joseph Greis in Steyr

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Emil Haas


Haas Emil foto

(1842 – 1903)

Druckereibesitzer und Zeitungsverleger des „Alpenboten“

  • geboren am 18.10.1842
  • gestorben am 30.5.1903

Quelle: Manfred Brandl, Steyr, S.142

Emil Haas war der Enkel des Druckereigründers Michael Haas, der von 1837-1867 die Druckerei, das Lokalblatt „Der Alpenbote“ verlegte und eine stattliche Zahl von Gebet-, Erbauungsbüchern und Geschichtenbüchern druckte.

Link zu: Michael Haas

Emil Haas (1842-1903) kam 1862 nach Steyr zu seinem Großvater und übernahmt 1887 von Anna Haas (gestorben am 20.4.1892) und Theres Haas (gestorben 22.1.1899) die Druckerei, die von 1867 – 1887 „Michael Haas´sche Erben“ hieß. 1887 wurde sie in „Emil Haas & Cie“ umbenannt. Am 1. Jänner 1900 übernahm sein Vetter, der Buchhändler Arthur Fleischanderl (gestorben am 1.10.1902) die Druckerei samt dem bis dahin deutschfortschrittlichen, altliberalen „Alpen-Boten.“ Die Firmenbezeichnung lautete nun „Haas & Arthur Fleischanderl“. Hierauf führte Hugo Drahowsal (1879-1963) die Druckerei von 1903 bis 1926, anfangs gemeinsam mit Johanna Drahowsal. In dieser Druckerei erschien seit 1906 die Monatszeitschrift „Evangelischer Gemeinde-Bote“. Langjähriger Geschäftsleiter und Teilhaber von Emil Haas & Cie. war Hermann Bachtrog (gestorben 1932).

  • Quelle: „Alpenbote“ Mai 1903

Bericht über den Tod von Emil Haas:

Heute früh am 30. 5. 1903 verstarb Emil Haas, zuletzt Privat, gewesener Besitzer der Buchdruckerei und Lithographie Emil Haas & Cie. sowie langjährig gewesener Herausgeber und verantwortlicher Redakteur des „Alpen-Boten“, ist um 4 Uhr früh nach längerem Leiden in seinem 61. Lebensjahr unerwartet schnell sanft entschlafen. Hier folgt sein Lebenslauf:

Emil Haas wurde am 18. Oktober 1842 in Waidhofen an der Ybbs als Sohn von Medizinalrat August Haas geboren, studierte an der Unterrealschule, absolvierte hierauf die Oberrealschule in Linz und machte eine Anzahl Semester an der technischen Hochschule in Wien. Anfangs Oktober 1862 kam Emil Haas nach Steyr zu seinem Großvater Michael Haas, dem damaligen Besitzer unserer Großdruckerei, Grünmarkt Nr. 7, mit der Bestimmung, dereinst dieses Geschäft zu übernehmen. Er erlernte daselbst die Schriftsetzerei und war damals schon für den „Alpen-Boten“ schriftstellerisch tätig, indem er die lokale Berichterstattung besorgte.

In der 2. Hälfte der 60er Jahre begab sich Emil Haas zu seiner weiteren technischen Ausbildung nach Hannover und dann nach Leipzig, in welch letzterer Stadt er einige Zeit speziell als Buchdruckerei-Maschinenmeister praktizierte. Nach Steyr wieder zurückgekehrt übernahm er mit Neujahr 1871 die Stellung des verantwortlichen Redakteurs des „Alpen-Boten“. Von dieser Zeit erschien das Blatt in wöchentlich zweimaliger Ausgabe. Mit vielfachen Kenntnissen ausgerüstet, versah er seinen Beruf als Redakteur mit aller wünschenswerter Umsicht und Tatkraft. Unter seiner Fürsorge gestaltete sich der „Alpen-Bote“ immer mehr aus und er brachte denselben auf die Höhe eines angesehenen Provinzblattes, als welches er noch heute gilt.

 

 

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Albert Weinschenk

 

Weinschenk portraetKapellmeister, Soloflötist, Leiter der Musikfreunde Steyr

und Musikschule Steyr

(1890 – 1976)

  • Geboren am 9. Dezember 1890 in Wien
  • Gestorben am 26. April 1976 in Steyr

Albert Weinschenk kam 1930 nach Steyr und war hier Leiter der Musikschule und des Musikvereines Steyr. 1935 erhielt er den Ehrentitel „Professor“ verliehen. Nach dem 2. Weltkrieg war er Dirigent der Stadtkapelle Steyr, Mitbegründer und Obmann des OÖ. Blasmusikverbandes.

Aus den biografischen Daten von Regiowiki:

Albert Weinschenk studierte an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst (Flöte), wo er 1910 auch ein „Prämium“ erhielt. Von 1913 bis zum Zweiten Weltkrieg war er Soloflötist des Wiener Tonkünstler-Orchesters. Er wirkte bei diversen Orchestern mit, unter anderem beim Kurorchester Baden, wie ein Zeitungsbericht erzählt.

 

1914 Juni 3 Badener Zeitung Kurkonzerte floetist weinschenk

1914 Badener Zeitung vom 3.6.1914: Soloflötist Albert Weinschenk (Quelle: anno.onb.ac.at)

1920 bis 1930 in Znaim:

1920 Znaimer Tagblatt April 23 Weinschenk neu

1920 Znaimer Tagblatt vom 23.4.1920:  „Musikdirektor Albert Weinschenk ist gestern in Znaim eingetroffen“ (Quelle: anno.onb.ac.at)

1920 April 28 Znaimer Tagblatt Konzert weinschenk

1920 Znaimer Tagblatt vom 28.4.1920: Bericht über das Symphoniekonzert des Znaimer Musikerbundes mit den „zwei erstklassigen Wiener Künstlern Karl Berla und Albert Weinschenk“  (Quelle: anno.onb.ac.at)

 

Auch in dem 1918 von Arnold Schönberg gegründeten Verein für musikalische Privataufführungen spielte Weinschenk als Solist.Von 1921 bis 1930 wirkte er in Znaim, wo er den Znaimer Musikverein sowie den Chor der Hl. Kreuz-Kirche leitete.

1930 kam Weinschenk nach Steyr, wo er die dortige Musikschule bis zu seiner Pensionierung leitete. Daneben war er von 1930 bzw. 1931 bis 1939 und von 1948 bis 1962 musikalischer Leiter der Gesellschaft der Musikfreunde Steyr und von 1932 bis 1943 sowie von 1948 bis 1961 Dirigent der Stadtkapelle Steyr.

 

1930 Reichspost Dez 19. Konzert Albert Weinschenk neu

1930 Reichspost vom 19.12.1930: Bericht über das Nachmittagskonzert in Steyr mit Musikdirektor Albert Weinschenk (Quelle: anno.onb.ac.at)

1948 wurde Weinschenk als Obmann-Stellvertreter in den Vorstand des neu gegründeten Oberösterreichischen Blasmusikverbandes aufgenommen; nach dem Tod des damaligen Obmannes Hans Scheichl wurde Weinschenk zum 1952 Obmann ernannt. In seine Amtszeit fiel unter anderem der erste oberösterreichische Komponistenwettbewerb im Jahr 1953, der Aufbau der Bezirksorganisationen und die Einrichtung von Ehrungen für verdiente Kapellmeister. 1970 übergab Weinschenk das Amt des Obmannes an Sepp Achleitner.

 

Ehrungen
• 1935: Berufstitel Professor
• Ehrenpräsident des Oberösterreichischen Blasmusikverbandes
• Ehrenpräsident des Niederösterreichischen Blasmusikverbandes
• Ehrenmitglied der Stadtkapelle Steyr
• Ehrenmitglied des Männergesangsvereines „Sängerlust“ Steyr

Straßenname 1991: 

Die Prof. Albert Weinschenk-Straße in Steyr wurde nach Weinschenk benannt. Der Beschluss war 1991; der frühere Name „Mannlicherstraße“ wurde durch „Prof.Albert Weinschenk-Straße“ geändert.  (http://www.steyr.at/Strassennamen_W_3)

 

1971-02 - Amtsbl(02-03) - Prof.Weinschenk

Amtblatt Steyr 1971: Ehrung von Prof. Albert Weinschenk anlässlich seines 80. Geburtstages

 

Zur Stadtkapelle Steyr: 

Die alte Stadtkapelle wurde zunächst in den Musikverein (Gesellschaft der Musikfreunde) integriert und stand 1946–48 unter der Leitung von Franz Teleu und 1948–61 unter jener von Albert Weinschenk; 1962–88 folgte Rudolf Nones. Seit 1965 bestehen Stadtkapelle (Kpm.: Gerald Reiter 1988–92, Fritz Neuböck jun. 1992–95, Günter Hagauer 1995/96, Wolfram Rosenberger 1996–98, Helmut Schiffl 1998–2000, Reinhard Nowak 2000–05, Johann Grabner seit 2005) (Quelle: : https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_S/Steyr.xml)

 

1966 Ehrungen Musikkapellmeister LH

1966: rechts neben Landeshauptmann Gleißner sitzt Blasmusikpräsident Albert Weinschenk. Link zur Veröffentlichung dieses Bildes und Bildtextes: http://www.musikneukirchen.at/verein/ehrungen?id=226:ehrung1&catid=37

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Josef Wokral

 

Josef.Wokral

(1875 – 1926)

Josef Wokral wurde am 26. Jänner 1875 in Wien geboren und war ursprünglich Privatbeamter. 1908 kam er als Sekretär des Metallarbeiterverbandes nach Steyr, wo seine politische Karriere begann. 1911 wurde er in den Gemeinderat aufgenommen und 7 Jahre später als Vizebürgermeister gewählt und in den Landtag delegiert. Am 9. Mai 1919 wurde er zum Bürgermeister gewählt (SPÖ). 1926 endete Josef Wokrals Karriere als Bürgermeister, da er unerwartet starb.
Ihm zu Ehren wurde die Josef-Wokral-Straße auf der Ennsleite benannt.

Quelle:
Steyrer Kalender, 1926
http://www.ris.at/homes/magsteyr/strassen/W.htm

Aus: Manfred Brandl, Neue Geschichte von Steyr, S.170
Wahl von Bürgermeister Josef Wokral 1919
„Das Blatt hatte sich zur sozialdemokratischen Seite gewendet. Nachdem Bürgermeister Gschaider am 26. März 1919 die Konsequenzen gezogen und der Landesregierung seine Abdankung übermittelt hatte – am 28. März wurde er auch beurlaubt – wählte der Gemeinderat in der konstituierenden Sitzung vom 7. April 1919 Josef Wokral zum provisorischen Bürgermeister.
In neuerlicher konstituierender Sitzung am 25. Mai 1919 wurde Wokral definitiv Bürgermeister.“

Zur Biografie heißt es bei Brandl:

„Der am 26. Jänner 1875 in Wien geborene wurde das erste sozialdemokratische Stadtoberhaupt. Er erlernte das Gürtlergewerbe, wurde Krankenkassenbeamter, Gewerkschaftssekretär des Metallarbeiterverbandes und war als solcher seit 1908 in Steyr. Deutschnationale Ideen vertrat er einmal 1908 bei einer Versammlung. Am 19. September 1909 sprach er sogar zu einer christlichen Metallarbeiterversammlung.
Im März 1911 wurde er in den Gemeinderat gewählt. 1911 war er auch Reichsrats-Kandidat. Am 23. November 1918 wurde er Vizebürgermeister. Seine Sachlichkeit belegt bereits die Wahlannahmsrede vom 7. April 1919 nach seiner Wahl zum Bürgermeister. Er war auch beim politischen Gegner hoch angesehen.
1919 wurde er Landtagsabgeordneter.
Er starb am 2. April 1926 und wurde in Wien eingeäschert. Der Gemeinderat hat am 3. Juli 1926 ihm zu Ehren die Ennsleitenstraße in „Wokralstraße“ umbenannt.“

 

Aus der Geschichte Steyrs 1919-1926:
1918 – 1923 Streiks und Unruhen in Steyr vor allem wegen der Arbeitslosigkeit
1919 Mit Josef Wokral (bis 1926) wird zum ersten Mal ein Sozialdemokrat Bürgermeister von Steyr
Bild: Aufnahme zwischen 1920 und 1922, Josef Wokral (vorne) neben Ferdinand Hanusch (links), ein bekannter Sozialreformer.
1923 Steyr hat 22.111 Einwohner
1923 Gemeinderatswahlen in Steyr
1924 Wohnungsanforderung in Steyr (leer stehende Zweitwohnungen an Wohnbedürftige)
Quelle: http://www.steyr.spoe.at/27022.html Juni 2011

 


Anlässlich des Gedenkjahres 1918 – 2018 „100 Jahre Gründung der 1. Republik Österreich“ wurde in Steyr am 12.2.2018 eine Gedenktafel für Bürgermeister Wokral enthüllt.

 

Schüler und Schülerinnen der HAK Steyr widmeten sich der Zeit von Josef Wokral in Steyr in der Teilnahme am „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten“ zum Thema „1918 – 1920“. Dabei erreichte die Projektgruppe den 1. Preis.
Link zum Projekt: https://geschichtswettbewerb.jimdo.com/

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Ferdinand Freihofner

Direktor freihofner Lehrer Bundeslehranstalt Porträt

1870 – 1943

Direktor der Bundeslehranstalt HTL von 1924 – 1932, sozialdemokratischer Politiker 

  • Geboren am 3.Jänner 1870 in Wien VII, Mariahilferstraße 74
    Gestorben am 26. Juli 1943 in St. Ulrich, Grabstätte am Urnenfriedhof Steyr

Lebenslauf aus der Familienchronik von Elfriede Albertine Perchacki (Steyr)

Ausbildung:
Ferdinand Freihofner besuchte die 5klassige Volksschule und die Realschule mit Matura. In der Chronik von Perchacki heißt es:

„Wegen sozialdemokratischer Umtriebe fiel er bei der Matura durch, wurde also ein Jahr zurückgesetzt. Um sich das Studium an der TU in Wien leisten zu können, gab er Nachhilfeunterricht, wobei er stundenlange Fußmärsche quer durch Wien in Kauf nahm. Ein Jude, der sein Geschäft in der unmittelbaren Nachbarschaft hatte, gab ihm Geld für’s Studium. Vom übriggebliebenen Geld unterstütze er seine Eltern bis zu deren Ableben.“

Er beendet das Studium Maschinenbau mit dem Titel „Diplomingenieur“. Es folgte der Militärdienst zur Marineausbildung in Pola, wo er als Schiffsmaschineningenieur im Rang eines niederen Unteroffiziers abrüstete.
Danach folgte eine Anstellung im Technologischen Gewerbemuseum und war am Bau der II. Wiener Hochquellenleitung beteiligt.

Heirat: am 26. Juli 1903 heiratete er in der Pfarre Rudolfsheim, Wien XIV, Johanna Tobias. Sie hatten vier Kinder. 1920 heiratete er nach dem Tod seiner 1. Ehefrau die um 13 Jahre jüngere Rosa Novak. Sie hatten einen Sohn.

Steyr
1904 zog die Familie um nach Steyr, Neuschönau, Marienstraße 8. Er bekam die Stelle eines Professors an der Technischen Versuchsanstalt in der Schwimmschulstraße. Er war auch zeitweise Leiter der Anstalt.
1916 übernahm er die provisorische Leitung der „Bundeslehranstalt für Eisen- und Stahlbearbeitung und für Elektrotechnik“ in der Schwimmschulstraße  (Schule ab 1923 in der Schlüsselhofstraße).

 

1916-09-27 - Ferd.Freihofner.kexx

1918: Steyrer Kalender: Am 27.9.1916 wird Professor Ferd. Freihofner Leiter der k.k. Fachschule und Versuchsanstalt in Steyr

 

Während des Ersten Weltkriegs (1914 – 1918) wurde er auf der Schießstätte im Wehrgraben zur Überprüfung der Gewehre eingesetzt und zusätzlich im Hauptwerk der Waffenfabrik.
Er wurde zum zweiten Vizebürgermeister der Gemeinde St. Ulrich gewählt und seine Unterschrift findet sich auf dem damals herausgegebenen Notgeld.

1924 wurde er Direktor der Bundeslehranstalt und Leiter der Fortbildungsschule für Lehrlinge und erhielt somit eine Leiterwohnung neben der Schule.
Im selben Jahr wurde die Abteilung Stahlschnitt von Prof. Gerstmayr, einem Schüler des Stahlschnittmeisters Blümelhuber, zur „Blümelhuberschule“ umbenannt. Gerstmayr war ein guter Freund von Ferdinand Freihofner.

 

Freihofner und Gerstmayr um 1920

Prof. Gerstmayr und Direktor Ferdinand Freihofner .- Foto: Privat (Chronik Perchacki)

 

Direktor freihofner Lehrer Bundeslehranstalt

 

1932 ging Ferdinand Freihofner in Pension. Er übersiedelte mit der Familie in das neue Altenheim in St. Ulrich.

Politische Tätigkeit und Verdienste
Er war von Jugend an ein überzeugter Sozialdemokrat in Taten wie in Worten. Sein Vater, von Beruf Sicherheitswachmann, sah das so: “Bua, wann i di auf di Barrikadn dawisch, muaß i di a mitnehma!“ Auf Grund seiner politischen Einstellung stieß er immer wieder auf Schwierigkeiten (siehe oben Beispiele Matura oder Direktorsposten in der Technischen Versuchsanstalt). Es war aber auch gerade diese, die ihn nach Steyr, in die von Not geplagte Arbeiterstadt, übersiedeln ließ, weil er dort das Potential und das dazugehörige Umfeld für seine politischen Ideen zu finden wusste.
Er hielt Reden an die Arbeiterschaft, wobei ihm die Lokalität völlig unwichtig war, also auch an Straßenecken. Im Wirtshaus hatte er immer ein großes Herz für arme Schlucker, sehr zum Leidwesen seiner Ehefrau Rosa, die die Finanzen überhatte.
Seine Reden wurden auf roten Plakaten angekündigt. Mit schwarzer Schrift stand darauf:
„Heute spricht Prof. Freihofner zu den Arbeitern über…“ Er war ein guter Redner. Er bereitete seine Reden aus dem Kopf vor, ohne Zettel oder sonstige Unterlagen, indem er in seinem Arbeitszimmer auf und ab ging und gestikulierend vor sich hindeklamierte.

Kaum in Steyr sesshaft geworden, nahm er Teil an sämtlichen Versammlungen, um sozialdemokratisches Gedankengut vermitteln zu können. Er war Mitglied der Organisation für die „Freie Schule“, die sich besonders gegen den kirchlichen Einfluss verwehrte. Er war Gründungsmitglied und Obmann des „Vereines der Beamten, Lehrer und Pensionisten“ und Gründungsmitglied der „Sozialistischen Vereinigung geistiger Arbeiter“ und Gründungsmitglied der „Flamme“, des Ersten Alpenländischen Feuerbestattungsvereins.
Natürlich war, politisch gesehen, die Angst sein ständiger Begleiter. Die Angst, dass sie ihn eines Tages holen würden. Sorge und Ohnmacht gegenüber der wachsenden Macht des Nationalsozialismus erfüllten ihn und Trauer darüber, dass keines seiner Kinder sein politisches Erbe antrat.

Zu seiner Berufskarriere als Lehrer, Leiter und Direktor an Steyrer Schulen:
Wie oben erwähnt, war ihm der Direktorsposten in der Technischen Versuchsanstalt verwehrt worden.
Als Leiter bzw. Direktor der Bundeslehranstalt und Gewerblichen Fachschule konnte er viele Neuerungen am Schulsektor miterleben und mitvollziehen. Steigende Schülerzahlen erforderten die Einrichtung eines Heimes. Der langgehegte Wunsch, eine Elektrotechnische Abteilung zu errichten, ging in Erfüllung. Die Abteilung Graveure und Ziseleure erfuhr eine Erweiterung durch den künstlerischen Stahlschnitt durch Prof. Gerstmayr. Erstmals wurden in diese Abteilung auch Mädchen aufgenommen. 1923 erfuhr der Schulkomplex eine Erweiterung durch die Installierung einer Gewerblichen Fortbildungsschule, wo im Sinne der dualistischen Ausbildung gelehrt wurde. Um den Erhalt der Schule zu sichern, sah sich die in Geldnöten befindliche Stadtgemeinde gezwungen, die ganze Anlage an den Bund zu verkaufen. Dadurch erfolgte auch die Umbenennung in „Bundeslehranstalt …“. Der Ausgestaltung der Schule folgte der Titel eines Regierungsrates für den Direktor.

Aus: Manfred Brandl, Neue Geschichte von Steyr
Seite 196:
. . . Für die Organisation der „Freien Schule“, welche sich hauptsächlich gegen kirchlichen Einfluss auf die und in der Schule wandte, gab es am 20. November 1904 eine Volksversammlung, wobei Winarsky aus Wien als Redner auftrat. Allerdings wollte dieser Verein nicht nur Sozialdemokraten ansprechen. Über die Generalversammlung am 8. Jänner 1910 berichtete die Steyrer-Zeitung, dass der Lehrer Langoth Obmann war. Dieser war national eingestellt; die Versammlung war aber zumeist von Arbeitern besucht. Es erschienen auch Fachschulprof. Freihofner, Steueroffizial Zacek und Wokral. . .
. . . Am 17. April 1909 war Gründende Versammlung des den Sozialdemokraten nahe stehenden „Vereines der Beamten, Lehrer und Pensionisten“. Obmann des vorbereitenden Ausschusses und Vorsitzender des Vereins nach der Gründung war Prof. Ferdinand Freihofner von der Fachschule. …
Seite 197:
. . . 1920 wurde eine Ortsgruppe der „Sozialistischen Vereinigung geistiger Arbeiter“ geschaffen; Mitarbeiter in ihr waren u.a. Prof. Ziegler, Dir. Ferdinand Freihofner, Oberoffizial Rußmann, Bürgerschuldir. Alois Lebeda, Redakteur Emanuel Januschka vom „Steyrer Tagblatt“. …
Seite 238:
. . . Als Leiter bzw. Direktoren (der “Bundeslehranstalt für Eisen-und Stahlbearbeitung und für Elektrotechnik“) standen folgende Männer der Schule vor: … Ing. Rudolf Pawlicka (13.1.1864 – 5.1.1916) … Nach seinem Tode übernahm Prof. Ferdinand Freihofner die provisorische Leitung. Im April 1919 wurde Ing.Karl Wolf … zum Direktor ernannt…

 

Aus dem „Steyrer Tagblatt“

(Auszeichnungen) Der Bundespräsident hat dem Direktor der „Bundeslehranstalt für Eisen-und Stahlbearbeitung und für Elektrotechnik“ in Steyr Ing. Ferdinand Freihofner den Titel eines Studienrates … verliehen.

In der Familienchronik heißt es:

Er war mehrerer Sprachen kundig: Französisch, Latein, Alt-Griechisch und Hebräisch.
Seine Hobbies waren Sprach- und Philosophiestudien. Seine Lieblingsphilosophen waren Kant, Schopenhauer und Deussen.

Familienbild Freihofner

Familienbild Freihofner um 1900

Bundeslehranstalt Lehrkörper Freihofner Gerstmayr

Lehrkörper der Bundeslehranstalt für Eisen- und Stahlbearbeitung und Elektrotechnik in  Steyr.- Direktor Freihofner in 1. Reihe dritter von rechts, links daneben Prof. Gerstmayr

 

1920 - St.Ulrich - Notgeld

Notgeld aus St. Ulrich mit der Unterschrift von Vizebürgermeister F. Freihofner (rechts)

 

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Michael Haas

 

Totenbild_1866 Michael HaasBuchdrucker und Gemeinderat

(1781 ? – 1866)

  • geboren: vermutlich in Wels 1781
  • gestorben: 21. Dezember 1866 in Steyr 49

 

1866.Totenbuch Stadtpfarre Michael Haas

Totenbuch Stadtpfarre Steyr 306/1866: Eintrag von Michael Haas, 85 Jahre, Todesursache: Wassersucht

Nachruf zum Tod von Michael Haas:

Quelle: Gemeinde-Zeitung: unabhängiges politisches Journal 29.12.1866 (eingelesen: Anno.onb.ac.at)
„Michael Haas, Gemeinderat und Buchdruckereibesitzer hier, ist am 21.d.M. im 85. Lebensjahr gestorben. Wie sehr er von der Bürgerschaft geliebt war, zeigte sich besonders bei seinem Leichenbegängnisse, wo fast kein Bürger und kein Beamter der Stadt fehlte. Im Jahre 1816 übernahm er die Großmairische Buchdruckerei in Wels, wo der Neu-Gründer der österreichischen Staatsdruckerei in Wien, Hofrath von Auer, in den Dreißiger Jahren die Typografie erlernte. Im Jahre 1851 übergab er das Geschäft seinem Sohne Johann. Er aber übersiedelte nach Steyr, wo er die Goirs´sche Buchdruckerei ankaufte. Von seiner Thätigkeit zeigt, daß er noch in den letzten Jahren selbst gesetzt hat. Er hinterlässt 2 Söhne und 6 Töchter.“

 

1848 Wiener zeitung Anzeige vom 11.4.1848

1848:  Anzeige in der „Wiener Zeitung“ vom 11. April 1848 über die Publikation von „Zwanglosen Blättern“ in Steyr nach Aufhebung der Zensur (aus: Anno.onb.ac.at)

 

1855 veröffentlicht Michael Haas den „Alpenboten“. In Zeitungen finden sich Hinweise darauf. Beispiel „Linzer Abendbote vom 5.10.1855“:

Quelle: Linzer Abendbote: Zeitschrift für Stadt und Land vom 5.10.1855, S.2 (anno.onb.ac.at)

„Wie man vernimmt, wird in Steyr im Verlage von Michael Haas, noch im heurigen Jahre ein nichtpolitisches Wochenblatt erschienen, welches den Titel „Der Alpenbote von Steyr und Hall“ führen und jeden Donnerstag ausgegeben werden soll.“

1855 Alpenbote angekuendigt

Linzer Alpenbote 5.10.1855 Seite 2 (Kopie: anno.onb.ac.at)

 

1857 Alpenbote 2

Linzer Abendbote: 19.12.1856, S. 4 (aus: anno.onb.ac.at)

„Linz, 12. April 1863: Rückwirkungen eines Press-Prozesses.

Bekanntlich kam bei dem in Steyr verhandelten Pressprozesses gegen Dr. Pierer und gegen den Redacteur des „Alpenboten“ Michael Haas, der Umstand zur Sprache, dass der Präsident des dortigen Kreisgerichtes, Dr. Weigl, den Redacteur Haas persönlich zur Aufnahme von einschneidenden Artikeln über die Missbräuche in der Gemeindeverwaltung zu Steyr aufgefordert und dass der Bezirksvorsteher Schulz das genannte Blatt einer Präventivcensur unterzogen habe. Beide Beamte sind nunmehr von ihren leitenden Posten entfernt und erster zum Oberlandesgericht in Wien und letzterer zur hiesigen Statthalterei einberufen worden.-

  

Michael Haas führte von 1837-67 eine Druckerei, die das Lokalblatt „Der Alpen-Bote“ verlegte und eine stattliche Zahl von Gebet-, Erbauungsbüchern und Geschichtenbüchern druckte. M. Haas‘ Enkel Emil Haas (18.10.1842-30.5.1903) kam 1862 nach Steyr zu seinem Großvater und übernahm 1887 von Anna Haas und Therese Haas die Druckerei, die von 1867-87 „Michael Haas’sche Erben“ hieß, 1887 in „Emil Haas & Cie.“ umbenannt wurde. Am 1. Jänner 1900 übernahm sein Vetter, der Buchhändler Arther Fleischanderl die Druckerei samt dem bis dahin deutschfortschrittlichen (altliberalen) Alpen-Booten. Die Firmenbezeichnung lautete nun „Haas & Arthur Fleischanderl“. Hierauf führte Hugo Drahowsal die Druckerei von 1903 bis 1926, anfangs gemeinsam mit Johanna Drahowsal. In dieser Druckerei erschien seit 1906 die Monatsschrift „Evangelischer Gemeinde-Bote“. Langjähriger Geschäftsleiter und Teilhaber von Emil Haas & Cie. war Hermann Bachtrog. 

dazu: Link zu Emil Haas auf Steyrer Pioniere

 

1850ca - Kreuzweg.Druckerei Michael Haas Steyr

Zur Geschichte des „Steyrer Kalenders“ findet sich der Artikel von Erlefried Krobath in den angeführten Bildern

 

Rechnung (Sammlung E.Schimanko Steyr) von Michael Haas´Erben 1874:

M.Haas Erben Rechnung 1874

Druckerzeugnisse von Michael Haas 1852:

Michael Haas Druck2Michael Haas Druck

 

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