Josef Hack

(1893 – 1964)
Hack-Messererzeugung:  Erfinder des Wellenschliffs und des rostfreien Bestecks

Die Hack Werke stellen, ebenso wie die Steyr Werke, einen bedeutenden Betrieb in der Neuen Geschichte von Steyr dar. Auch wenn die Angestellten- und Arbeiterzahl der Hack Werke, verglichen mit den Steyr Werken, nicht so groß war, so prägte der Betrieb trotz alledem, aufgrund des langen Bestehens, die Stadt.
Wie eigentlich für die Steyrer eisenverarbeitende Wirtschaft typisch, waren die Hack Werke im Wehrgraben angesiedelt, der ja seit jeher als Produktionsstätte von den Steyrer Messerern und Sensenherstellern Betrieben genutzt worden war, was hauptsächlich auf das Wassers zurückzuführen ist, welches zuerst billige mechanische Kraft und später Strom lieferte.
Im Jahr 1875 beginnt die Geschichte des Betriebes. Josef Hack erwarb, nachdem er eine Weile in anderen Steyrer Messererbetrieben ausgebildet worden war und gearbeitet hatte, ein kleines Geschäft in der Sierningerstrasse. Johann Hack, der Bruder von Josef Hack, stieg in das Geschäft seines Bruders ein und die beiden eröffneten eine Klingenschmiede. Bis zum Ende des 19.Jahrhunderts wurden stetig neue Gebäude hinzugekauft, um die Produktionshallen auszudehnen und so das Produktionsvolumen steigern zu können, denn die Nachfrage nach Qualitätswaren, war groß. Nach dem Erwerb einer eigenen Schleife für den Betrieb, konnte man ab dem Jahr 1882 in großem Stil Messer anfertigen.
Aufgrund stetig steigender Nachfrage konnten die Gebrüder Hack im Jahr 1900 schon cirka 25 Arbeiter beschäftigen. Am 25.Oktober 1906 starb Josef Hack, doch die Hack Werke bestanden weiter, denn seine Frau Josefa führte den Betrieb erfolgreich weiter. Der wirtschaftliche Aufstieg des Unternehmens wurde allerdings durch den Beginn des 2.Weltkrieges beendet. Während der Kriegsjahre war der Betrieb komplett geschlossen, denn beide Söhne, Josef und Gustav, hatten Wehrdienst zu leisten. Nach Kriegsende konnte die Wiederaufnahme der Produktion erfolgreich durchgeführt werden. Man beschloss, sich besonders auf die Produktion von qualitativ hochwertigen Messern zu spezialisieren, also Luxuswaren zu produzieren und verfolgte dieses Konzept auch bis 1928. Obwohl diese Vorgehensweise natürlich ein Risiko in sich barg, denn es konnte nicht davon ausgegangen werden, dass man tatsächlich mit Luxuswaren mehr Gewinn erwirtschaften könne als mit billiger Massenware, produzierten und verkauften die Hack Werke sehr erfolgreich ihre Waren und konnten im Gegensatz zu anderen Betrieben im Wehrgraben die Krisenzeiten überdauern. Der Vorteil war, dass die ausländische Nachfrage nach Luxuswaren rasch anstieg und
die Hack Werke so durch die ansteigenden Exporte, die geringe inländische Nachfrage gut verkraften konnten.
Daher übernahmen die Hack Werke auch mehrere andere kleinere Werkzeugfabriken im Wehgraben. So zum Beispiel 1921 die Werkzeugfabrik „Heller“, die zuvor in Konkurs gegangen war. Durch derartige Übernahmen gingen mehr und mehr Gebäude in den Besitz der Hack Werke über und die Familie Hack erwarb auf diese Weise die Gebäude Fabrikstr.1 und Badgasse 6,7 und 9. Noch im Jahr 1921 übergab Josefa Hack den Betrieb an ihre Söhne, wobei Gustav 45% und Josef 55% des Stammkapitals erhielt. Zur gleichen Zeit wurden die Werke in eine Ges.m.b.H. umgewandelt.
Im Jahr 1922 am 7.April wurde in den Hack Werken die Gründung des „Fachverbandes der Messerindustriellen Deutsch-Österreichs“ durchgeführt, eine Art Verband aller Messererzeuger Deutsch-Österreichs (= Österreich). Daß diese Gründung in den Hack Werken durchgeführt wurde, zeigt welchen großen Stellenwert der Betrieb unter den Messererzeugern hatte.
Durch die Anwendung modernster Technologien konnte der Betrieb stets auf sich aufmerksam machen und das Interesse ausländischer Kunden wecken. So produzierte man im Jahr 1923 die ersten rostfreien Klingen Österreichs.
Diese fortschrittlichen Methoden ließen die Hack Werke stets die aktuellen Krisen überstehen. So auch im Jahr 1925, als am 26.Februar der „Fachverband der Messerindustriellen Deutsch-Österreichs“, aufgrund von großen Schwierigkeiten und Finanzproblemen der Mitglieder, also der Messererzeuger, seine letzte Generalsversammlung abhielt. Zu dieser Zeit starben viele messererzeugende Betriebe aus, doch die Hack Werke bestanden fort. Dieser Zusammenbruch des Verbandes bedeutete für die verbliebenen Messerindustriellen einen schweren Schlag, denn ohne einen Fachverband im Rücken war es schwierig, wichtige Verhandlungen (z.B.: mit der österreichischen Regierung) zu führen und eine Neugründung schien unrealistisch, da die Anzahl der Messerindustriellen zu klein geworden war, um solch einen Fachverband zu organisieren und zu finanzieren.
Im Dezember 1928 machte man mit den Steyr Werken ein Geschäft, welches den Betrieb erneut vergrößerte. Man kaufte den so genannten „Millnerhammer“, eine Schmiede, welche sich von den Gebäuden Wehgraben 1-7 erstreckte, und konnte durch diesen Zukauf die Produktionsstrukturen neu einrichten und verbessern und natürlich erneut das Werk vergrößern.
Obwohl auch die Hack Werke von der weltweiten Wirtschaftskrise von 1929-1933 erfasst wurden, konnten sie sich dennoch erstaunlich gut regenerieren. Schon im Jahr 1935, dem Jahr in dem die Hack Werke Ges.m.b.H. ihr 60 jähriges Bestehen feierte, erreichte die Produktion einen neuen Höchststand. Neben den ständigen Aufträgen der Krupp-Werke aus Berndorf, deren alleiniger Klingenlieferant die Hack Werke waren, kamen noch zahlreiche Aufträge aus anderen Ländern hinzu.
Durch Aufträge aus Holland, Belgien, Schweiz, Italien, Jugoslawien, Norwegen, Schweden, England und aus den USA konnte die Tagesproduktion auf die Zahl von 36.000 Klingen, Löffel und Gabeln erhöht werden, eine, für diese Zeit, sehr große Anzahl, da man nur begrenzt in Massenproduktion erzeugen konnte. Die Hack Werke waren damit einer der bedeutendsten und bekanntesten Betriebe dieser Branche.
Bis zum Jahr 1938, dem Jahr des Anschlusses, konnte ein Großteil der Kunden behalten und somit der Betrieb auf Erfolgskurs gehalten werden. Aufgrund dieser günstigen Auftragslage beschäftigte man im Jahr 1938 etwa 180 Arbeiter.
Während des 2.Weltkrieges wurden die Hack Werke nicht geschlossen. Mit Hilfe von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen wurden, unter national-sozialistischer Führung Kriegsgüter erzeugt. So kommt es auch, dass die Hack Werke im Bericht einer Historikerkommission der Österreichischen Regierung für Zwangsarbeit behandelt werden.

Text aus: Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Steyr in der 1.Republik von Johannes Wolfsgruber bei Professor Trautwein (Fachbereichsarbeit aus Geschichte, BRG Steyr, März 2002)

Quellen: Steyr Zeitung 12. 1973
Steyr Kalender, 1921
DDr. Manfred Brandl: Neue Geschichte von Steyr
Steyr Zeitung 39. 1963
Steyr Kalender, 1926

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