Prof. Hans Pontiller

(1887 – 1970)

Bildhauer

  • geb. 23. 2. 1887 in Jenbach
  • gest. 11.12.1970 in Innsbruck

Künstlerischer Werdegang:

Kunsttischler-Lehre in Schwaz/Tirol, zugleich Aneignung der Kenntnisse der Schnitzerei,  1909 Gewerbeschule Innsbruck, 1910 Eintritt in die Kunstgewerbeschule Wien.  1924 – 1928 freischaffender Künstler in Salzburg,  ab 1929 Lehrer für Bildhauerei an der Bundesgewerbeschule in Innsbruck.

Er heiratete am 14.1.1925 in Steyr Fr. Jenny Holzer aus Eppan/Südtirol

Pontiller  wirkte auch viel in Steyr und in Schmiedleiten b. Leonstein für die Hammerherren-Familie Zeitlinger.

Seine erste und größte Plastik fertigte Hans Pontiller 1915 in Steyr aus Eichenholz für die Österreichische Waffenfabriks-Gesellschaft: einen 4m hohen Waffenschmied. Diese Figur wurde beim Bombenangriff im April 1944 beschädigt und später wieder restauriert. Heute steht diese Arbeit in der neuen Lehrwerkstätte der MAN-Fahrzeugfabrik in Steyr (siehe Fotos aus 2006).

Brief von M. Blümelhuber an J. Gerstmayr vom 23.6.1915, wo die Tätigkeit von Pontiller erwähnt wird, der bei Blümelhuber wohnt. Link zur Transkription des Briefes:  Die Figur „Waffenschmied“ sollte nach dem Brief nur 2,60 Meter hoch sein!

Ein weiteres Werk von Hans Pontiller ist im Verkaufsraum der Bäckerei Fröhlich in Steyr, Stadtplatz Nr.28 zu sehen. Es besteht aus vier Wandplastiken (Stuck-Deckenreliefs), die vier Jahreszeiten darstellend.

In der Ortschaft Schmiedleiten sind noch einige Hausfassaden zu finden, die von Hans Pontiller gestaltet wurden.

(Quelle/Text: Ernst Schimanko)       .

Obwohl Pontillers Hauptwerke vorwiegend in Tirol und Salzburg entstanden, führten ihn viele Aufträge auch in den Bereich von Steyr.

In seinem Werkkatalog (siehe Buch „Hans Pontiller. Der Bildhauer. 1887 – 1970“ von Otto R. v. Lutterotti, Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien-München, 1971, ISBN 3-7022-1008-3)  sind folgende Aufträge für Steyr und Umgebung verzeichnet:

(Im genannten Werkkatalog nicht erwähnt: die Deckenreliefs im Haus Steyr, Stadtplatz Nr. 28)

Vor allem aber schuf er in den Jahren 1918 und 1919 auch eine Reihe von Werken für den damaligen Generaldirektor der Steyrer Österreichischen Waffenfabrik,  Dr. h.c. Georg GÜNTHER,

  •  St. Hubertus, Ebenholz 45 cm hoch, 1918
  • Anbetung der Könige, 1919
  • Kruzifix 120 cm, 1919

Von den Arbeiten, die Pontiller bei mehreren Aufenthalten in der ´Schmiedleiten´ b. Leonstein schuf, werden im Werkkatalog erwähnt:

  • Brunnenfigur (sitzender      Akt auf Sockel mit vier Masken), Kalkstein, lebensgroße, 1916/17,      Leonstein, OÖ., bei Rudolf Zeitlinger (ursprünglich Bestellung eines      steirischen Reichtstagsabgeordneten für den Garten seiner Marburger Villa)
  • Porträt des Sensenfabrikaten      Rudolf Zeitlinger. Terrakottabüste, lebensgroße, 1920, Leonstein OÖ
  • Porträt Frau Maria  Zeitlinger, Terrakottabüste, lebensgroße, 1920, Leonstein OÖ.
  • Porträt Frau Maria  Zeitlinger mit Kind, Gips, lebensgroß, 1920, Akademiearbeit Wien.      Zerstört.

Für Hinterstoder:

Madonna, Keramikrelief, 45 cm hoch, 1924. Entwurf für Kriegerdenkmal in Hinterstoder.

Bilderschau:  

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Aus der Literatur über Pontillers Leben und Werk:

„Während einer Kunsttischlerlehre in Schwaz eignete Pontiller sich Kenntnisse in der Holzschnitzerei an. In Schwaz lernte er den Innsbrucker Jugendstilmaler Emanuel Raffeiner (1881-1923) und den Bildhauer Ludwig Penz kennen, der ihn zur weiteren künstlerischen Betätigung ermunterte.

1909 trat er in die Gewerbeschule Innsbruck ein, 1910 in die Kunstgewerbeschule Wien und lebte zwischen 1924 und 1928 freischaffend in Salzburg. Anfang des Jahres 1929 wurde Pontiller Lehrer für Bildhauerei an der Bundesgewerbeschule in Innsbruck. Hier entfaltete sich seine Tätigkeit durch seinen Einfluss auf jüngere Bildhauer wie Herbert Albrecht, Albin Moroder oder Rudi Wach, der über die Grenzen Österreichs bekannt wurde.

Der Schwerpunkt seines bildhauerischen Werkes liegt im religiösen, christologischen Bereich, im Besonderen seine Pietàs, den Darstellungen Marias mit dem Leichnam Jesu Christi. Das berühmteste seiner Marienbilder, die Maria mit dem Kinde im Strahlenkranz von 1959 ist in der Bergiselgedächtniskapelle zu Innsbruck zu finden. Seine Werke zeichnen sich durch Zartheit und Entschlossenheit aus.“

(Quelle: Wikipedia,  http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Pontiller)

„1912/13 kam für kurze Zeit der junge Kokoschka als Lehrer für Aktzeichnen an die Wiener Kunstgewerbeschule. Pontiller erzählt von seiner lebhaften, neuen Unterrichtsmethode, die alle begeisterte, aber im offiziellen Wien kein Verständnis fand. Nach zwei Jahren ging der Kunsteleve (Pontiller) in die Fachklasse zu Franz Barwig. „Dort fand ich was ich suchte. Barwig war nicht nur ein großer Bildhauer, sondern auch ein sehr guter Lehrer und ein feiner Mensch, der seine Schüler wie Familienangehörige behandelte. Von allen Bildhauern jener Zeit sind im Museum nur Werke von Anton Hanak (1875 – 1934) und von Franz Barwig (1868 -1931) vertreten“, erinnert sich später Pontiller.

Trotzdem er auch Hanak als geniale künstlerische Persönlichkeit, „in diesem Jahrhundert bis jetzt wohl der stärkste Plastiker von Österreich“, sehr verehrte, wurde für ihn (Pontiller) als Lehrer zunächst Franz Barwig wirksam. Dieser, einst Schüler, jetzt Lehrer an der Kunstgewerbeschule Wien, verkörperte ihr Programm, nicht Künstler zu erziehen, die zu Handwerkern werden, sondern Handwerker, die sich den Weg zur Künstlerschaft bahnen sollten.  …..

Der junge Pontiller hat alsbald gespürt, wieviel er bei Barwig lernen konnte, der die jungen Leute mit dem Handwerk und dem Material vertraut machte, ehe sie zu einem freien Schaffen mit den Formen vorstießen. Anderseits merkte auch Barwig, dass schon die Anfänge des Schülers ganz auf seiner Linie gelegen waren und sich gut weiterentwickeln ließen. So entstand u. a. neben einer über drei Meter langen, bemalten Zirbelholz-Großkrippe in sehr dekorativen Jugendstilformen….1913 ein über ein Meter großer St. Martin zu Pferd mit dem Bettler……   Nach einem Relief, seinem ersten, mit vier Reitern …. entsteht als Auftrag über Barwig ein großer Bergmann in Mähren …. für die Benagelung am Beginn des Ersten Weltkriegs. Sein Lehrer muss im Handwerklichen (Lindenholz) und in der Ruhe der Formen zufrieden gewesen sein, denn im selben Jahr (1915) erhält Pontiller wieder durch Barwig seinen ersten großen Auftrag, den vier Meter hohen Waffenschmied von Steyr in Eiche (Abb.1), der der größte seines Lebens bleiben sollte. Arbeitsmäßig und formal ein gewaltiger Wurf des jungen Tirolers! Als größerer Bruder des Bergmanns wirkt er mit der geschlossenen Wucht eines (innen ausgehöhlten) Baumstamms oder einer Säule: Urform der Plastik!

Im November 1915 von Steyr nach Wien zurückgekehrt, trat der junge Künstler in die Spezialschule für Bildhauerei der Akademie der bildenden Künste bei Prof. Hans Bitterlich  ein und blieb dort bis 1919. Gegenüber dem freien Betrieb bei Barwig fand er (Pontiller) die Lehre an der Akademie veraltet, im 19. Jahrhundert steckengeblieben. Noch 1916 wurden Themen aus der griechischen Mythologie gestellt. Für die Gruppen  „Aeneas und Anchises“….und „Apollo und Herakles“ …. erhielt Pontiller sogleich Geldpreis und Medaille. Dies wiederholte sich 1917 und 1918. Man war mit seiner Ausbildung und naturnahen Auffassung zufrieden…..

Eine Dreikönigsgruppe 1919 …. hervorragend in Linde geschnitzt und bemalt, und ein erster großer Kruzifixus in Linde ….. aus demselben Jahr machen Pontiller bekannt mit dem Besteller, Gen.-Direktor der Steyrer Waffenfabrik, Präsident Dr. h.c. Georg Günther.

Dieser einflussreiche Mann der Wirtschaft und Politik – er war am Ende des Ersten Weltkriegs als Ministerpräsident in Aussicht genommen – verschaffte Hans Pontiller im Frühjahr 1920 eine Einladung nach Schweden. Er blieb dort in Stockholm bei der Familie des Direktors Cornelius und im Landhaus Cornelius am Meer…. bis 1923 …….“

(Auszug aus dem Buch „Hans Pontiller, der Bildhauer, 1887 – 1970“ von Otto R.v.Lutterotti, Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien-München, 1971, ISBN 3-7022-1008-3) 

Zusammenstellung:  Heinz Kern

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